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Mittwoch, 19. Oktober 2016

Dank der Pilgerin

Auf dem Jakobsweg. Eigenes Foto

Du erhörtest mein Gebet
Hörtest mich
In meiner Not.
Gelöst
Liegt mein Leben vor mir
Wie ein glattes Band
Befreit von Knoten.
Dir sei Lob und Dank!
Du missbilligst nicht,
Dass ich alles verlang.
Du lenkst meinen Weg,
Zu treffen
Ersehntes
Zu rechter Zeit.

 

Carron de Los Condes, August 2016 

Donnerstag, 28. Juli 2016

Auf der Brücke



Auf der Brücke
Warte ich deiner.
Regen geht und
Sonne kommt.
Ich freue mich:
Ich weiß,
Sie erhellt dir den Weg
Wie mir
Das Warten.
Ungeduldig bin ich
Voll Sehnsuht,
Dich zu küssen, mein Liebster.
Auch wenn du allein wanderst,
Trägst du mich
Im Herzen
Wie ich dich.
In der stillen Wärme des Tages
Die unsere Liebe
So gut spiegelt
Geben wir Acht
Aufeinander.

Samstag, 23. Juli 2016

Wenn der Berg dich nicht kriegt...




Diese Schuhe jedenfalls haben es nicht bis nach Roncesvalles geschafft... 

versucht es der Wald.



Witchcraft. Basajaunberro Forest. Dazu informiert ein Schild etwa 100m nachdem man aus dem Wald vor Roncesvalles kommt.

Ja. Klar. Hab ich jetzt auch gemerkt. Hätt die Info nicht eher kommen können?





Zu Fuß über die Pyrenäen. Mit DEM FUß.

Man kann sich's denken.



Nach einem schweren Aufstieg war ich im Grunde schon kurz vor der Rolandsquelle fix und alle.



Mein Liebster und ich waren um sieben in Saint Jean Pied de Port gestartet und hatten uns nach 8km bei einer einstündigen Pause in Orisson gut erholt.

Fuß fußte tapfer vor sich hin.



Nun ist es so, dass der Aufstieg einfach kein Ende nimmt. Auf 18km Strecke gelangt man zum höchsten Punkt des Weges auf etwas über 1450m. Dann steigt man auf 8km Länge bis ca. 600m ab, um nach Roncesvalles zu gelangen.



Besagter Punkt, an dem sich auch eine Nothütte befindet, ist von der Rolandsquelle ca. 2km entfernt.

Na ja. Hätt ja sein können, dass die Nothütte doch schon Roncesvalles ist. -_-
Ich brauchte eine Pause.
Nach etwa einer halben Stunde nahmen wir das letzte Stück in Angriff.




Und bogen natürlich in den alten Camino ein, der dem Pilger einen extrem steilen und nach einer erfolgreichen Pyrenäenüberquerung eigentlich unbezwingbaren Abstieg zumutet.

Überall wird empfohlen, die Alternativroute zu nehmen. Nur: diese ist nicht ausgeschildert.


Auch nach dem steilsten Teil schien der Weg kein Ende zu nehmen.

Wald, nichts als Wald.

Eine Wegbiegung, dahinter Wald. Eine kleine Steigung, dahinter Wald. Eine hellgrün leuchtende Stelle, die doch keine Lichtung ist, sondern dichter Farn, drumherum und dahinter Wald.

2,9km sie erscheinen als seien es 30.




Was soll ich sagen.

Wir haben es geschafft.

Er mit mir und ich mit ihm. Hach. Wir lieben uns <3




Rein Fuß technisch hätte ich das nicht für möglich gehalten.





Roncesvalles gesehen direkt nachdem man aus dem verhexten Wald entkommen ist. 






Mittwoch, 20. Juli 2016

Jetzt aber!


So.
Ich geh dann mal.
Den Jakobsweg bewältigt habe ich ja schon mal, aber jetzt nach der Verletzung wird es natürlich spannend.
Wir - mein Liebster und ich - freuen uns schon sehr.

Ich hoffe, dass der eine oder andere derweil mal auf meinem Blog stöbert...

Nicht nur Artikel über Pilgerwege gibt es zu entdecken.

Auch Liebesgedichte die ich für meinen Schatz verfasst habe und Artikel über gemeinsame Unternehmungen.

Doch auch über religiöse oder gesellschaftliche Themen gibt es bei mir was zu entdecken, also sucht euch einfach was wo ihr euch fest lesen könnt!

Sonntag, 13. März 2016

Neue alte Wege

Vor einiger Zeit kontaktierte mich meine Nichte zwecks Wanderratschlägen.
Abgesehen davon, dass ich aus diesem Anlass mal wieder feststellte, dass ich mich schon als Kind nicht umsonst gut mit ihr verstanden habe, machte mich die von ihr geplante Route neugierig:

"Nach Rom? Da läufst du doch bestimmt auch auf einem alten Pilgerweg..."

Tatsächlich verläuft der neue europäische Wanderweg E12 entlang des Mittelmeeres teilweise auf einer Route des Jakobsweges und teilweise auf der Via Francigenia, dem ältesten Pilgerweg der westlichen Welt, der entlag alter Römerstraßen von Canterbury nach Rom führt und gerade wiederentdeckt wird.

Interessannterweise vereinen sich diese historischen Wege tatsächlich an mehreren Stellen. Es gibt sogar Theorien darüber, dass die Via Francigenia irgendwann in entgegengesetzer Richtung beschritten wurde, weil Rom sozusagen in den Wirren der Zeit versank, in welcher sogar das Papstum nach Avignon auswanderte.
So ist es denn auch nicht erstaunlich, dass sich die Route, die Montpellier mit Rom verbindet unter anderem auch auf einer Karte zur Übersicht über europäische Jakobswege findet.

Der Wanderweg E12 ist im Gegensatz dazu so neu, dass in mehreren Quellen auf die scheinbar vor allem in Frankreich noch unzureichende Kennzeichnung hingewiesen wird.

Da scheint es mir doch lohnend, sich an den alten Pilgerstrecken zu orientieren und, ausgerüstet mit Pilgerausweis und Empfehlungsschreiben, in Pfarrhäusern und Klöstern Unterkunft zu suchen.


So. Das alles ist ja schön und gut.
Aber was genau macht aus den Gedanken über die Wanderpläne meiner Nichte einen Blogbeitrag?

Ich sehe mich jetzt irgendwie vor der Frage, ob das Wandern entlang alter Pilgerrouten tatsächlich immer beliebter wird, oder ob mir das vorher nur noch nicht aufgefallen war. Also, bevor ich zwei mal den Jakobsweg gegangen bin.

Der Artikel des Deutschlandfunks zur Via Francigenia thematisiert das Phänomen genau so wie viele andere. So subsummiert ein bayrischer Sozialverband das zunehmende Pilgern unter dem Etikett "Reise zu sich selbst", während das Schlagwort "Beten mit den Füßen" im Titel einer lübecker Zeitung einen religiösen Bezug vermuten lässt. Auch die christlichen Zeitungen Idea und die Tagespost thematisieren das zunehmende Interesse am Pilgern.

Was aber macht das Pilgern in unserer nicht nur säkularisierten sondern auch durch ein gewisses Misstrauen gegenüber den christlichen Kirchen geprägten Welt mehrheitsfähig?

Ich denke, dass die Interpretation des Intersses am Pilgern als einer Art "Reise zu sich selbst" oder "spirituellen Reise" zwar treffend ist, aber zu kurz greift.
Die Entscheidung, gerade einer alten Pilgerroute zu folgen und nicht etwa irgendwo in Asien von Tempel zu Tempel zu ziehen muss meiner Meinung nach schon auch einen identifizierbaren Grund haben.

Was ich damit sagen will ist, dass sich offenbar immer mehr Menschen zu den Routen hingezogen fühlen, die von Gläubigen Menschen und von der Geschichte Europas geprägt wurden, letztere aber auch mit geprägt haben, um es mal etwas pathetisch auszudrücken.
Dabei vermute ich keineswegs primär ein kulturhistorisches Interesse. Meine eigene Erfahrung mit Pilgern, denen ich auf dem Weg begegnet bin, legt nahe, dass der Gedanke des Wanderns als Zugang zu einer Langsamkeit und Innerlichkeit bei vielen letztlich die Grundlage der Idee ist, auf Pilgerschaft gehen zu wollen. Diese Grundidee kann auf vielerlei Weise Gestalt annehmen.
Die Einen wollen ihre Grenzen austesten, sich selbst auch körperlich mal ganz neu erleben, Andere sehen in der schieren Dauer und im Rhythmus des Gehens eine Chance zur Besinnung, und so Manchen macht die Ahnung, dass es sich bei so einem Pilgerweg um eine fremdartige Erfahrung handelt, bei der man auch scheinbar bekanntes neu und anders wahrnimmt, schlicht neugierig.

Wie oft sind Sie schon an einer alten und für die jeweilige Gegend bedeutenden Kirche vorbeigekommen, hineingegangen?

Was, wenn diese Kirche aus demselben Grund gebaut wurde, aus dem Sie dort vorbeikommen; weil ein Pilgerweg dort entlangführt?

Immernoch handelt es sich weder um die erste noch um die letzte Kirche, die Sie je gesehen haben. Aber als Pilger gehören Sie zu der Gruppe, für die diese Kirche errichtet wurde...

San Anton am Jakobsweg. Eigenes Foto

Man könnte das Pilgern als eine Art slow food des Lebens bezeichnen.

Letztlich sind alle Kirchen für die Menschen errichtet worden; sei es, damit sie hineingehen, oder damit sie sich und ihre Stadt repräsentiert sehen können. Aber im Alltag lassen wie diese Tatsache nur selten so nah an uns heran, dass sie zu unserer eigenen Erfahrung wird.

Auch im Leben müssen wir uns oft auf neue, unbekannte Wege begeben, bauchen wir mal mehr mal weniger Geduld, bis wir auf den nächsten Wegweiser treffen. Auch im Leben gibt es Menschen, die uns nur ein Stück begleiten, die wir aber dennoch nie vergessen werden, und andere, mit denen wir lange zusammen gehen, ohne uns vielleicht gegenseitig besonders wahrzunehmen.
Oft erleben wir viel Schönes, wenn wir einmal die Zeit, die Kraft und den Mut zusammennehmen, uns unseren Mitmenschen zu öffnen und nicht zuletzt auch auf uns selbst zu vertrauen.
So ein Pilgerweg bietet einen Erfahrungsraum, der vor allem Letzteres wirklich erleichtert.

"The Camino has it's own mind." sagen die Jakobuspilger gerne.
Und: "The Camino provides."

Damit ist einerseits nichts neues gesagt: Das Leben läuft nicht immer so wie geplant, ist ein Spruch, den wir auch aus dem Alltag kennen.
Nur, dass er im Alltag nicht so sympathisch klingt.
Und der Spruch: Wo ein Problem ist, findet sich auch die passende Lösung, wirkt oft wenig vertraueneinflößend, ja geradezu sarkastisch auf uns, obwohl er ja doch zutreffend ist.

Die Idee, dass man sich auch dann sicher und geborgen fühlen kann, wenn man gerade nicht in einer komfortablen Lebensituation ist, ist heute vielen Menschen fremd geworden.
In einer Gesellschaft, in der ständig alles zur Diskussion steht, ist das Konzept des Gottvertauens nur noch schwer vermittelbar.
Dass Zuversicht dennoch eine urmenschliche Einstellung ist, kann so ein Pilgerweg auf wunderbare Weise vermitteln.


Aber Moment.
Habe ich mich jetzt im Kreis gedreht?
Gerade diese Zuversicht kann doch auch ein Pilger zwischen buddhistischen Tempeln finden.


Vielleicht haben wir ja in den westlich zivillisierten Ländern inzwischen einen Punkt erreicht, der so weit von unseren christlichen Wurzeln entfernt ist, dass wir uns wieder dafür zu interessieren beginnen.

Ich meine damit nicht, dass eine Neuevangelierung wahrscheinlicher geworden ist, oder, dass die Menschen wieder Vertrauen in die Kirchen gewinnen würden.
Was ich meine ist folgendes:
Nachdem wir alle christlichen Werte und Traditionen so gründlich abgeschüttelt haben, dass wir für sie nicht einmal mehr das geringste Verständnis aufbringen können, wird einigen von uns klar, dass sie Teil unseres Innersten sind. Dessen, was wir zu befreien gedachten, als wir alles hinter uns ließen, was uns - tatsächlich oder scheinbar - an unserer Selbstverwirklichung hinderte.

Denn ohne Gottvertrauen kann man, gerade dann, wenn man alles in Frage und zur Diskussion stellt, nur schwer leben.



Donnerstag, 11. Februar 2016

Pilgern auf dem Jakobsweg

Ich könnte ja eigentlich was zum Thema Lourdes bloggen, so am Tag unserer lieben Frau von Lourdes.

Könnte ich.

Aber als Pilgerziel wird Lourdes in meiner persönlichen Hitliste ja doch von Santiago überlagert. Das gehende Pilgern auf dem Jakobsweg hat es mir einfach angetan.

Und über Lourdes bzw. meine Lieblingsheilige Bernardette Soubirous kann ich ja auch an ihrem Gedenktag mal was schreiben.

In letzter Zeit unterhalte ich mich öfter mit Leuten über meine Pilgererfahrungen. Das heißt, eigentlich eher über allgemeine Fragen zum Jakobsweg, die bei "unbeleckten" scheinbar zuerst auftauchen, wenn das Thema zur Sprache kommt.
Ich habe nämlich "den Jakobsweg gehen" als Therapieziel in der Reha angegeben. Und das steht mit der Anmerkung "schon 2x gemacht" jetzt in meiner Patientenakte.
Sehr praktisch, wenn der Therapeut, der einen meist nicht kennt, gleich weiß, worüber er so smalltalken kann, während der an Fuß herumarbeitet.

Also, nur um das mal zu bemerken, die im Rehazentrum halten das nicht für eine unmögliche Schnapsidee. Wenn ich es bis dahin auch finanziell wuppen kann, schaffen mein Schatz und ich das.

Jedenfalls kam mir so die Idee, mal einige allgemeine Fragen rund um das Pilgern auf dem Jakobsweg aus meiner Sicht zu beantworten.

Wenig Gepäck und gute, eingelaufene Wanderschuhe mitnehmen wäre zum Beispiel so ein allgemeiner Hinweis.
Aber den hatte ich ja schon mal ausführlicher erläutert.

Ich werde oft nach dem Zeitbedarf gefragt.
Meine Antwort dazu lautet: Kilometer Gesamt geteilt durch 19,5  ergibt die Zahl der Tage, die man braucht.
Man sollte mit 19 oder 20 km pro Tag rechnen, nicht mehr.
Ganz einfach deswegen, weil man auch mal einen freien Tag braucht, oder vielleicht mal einen Tag krank ist, wegen einer schlimmen Blase nur wenig schafft oder sich vielleicht mal eine der Städte durch die man wandert genauer ansehen will.
Wenn man für all das keine Zeit hat, kann der Pilgerweg schnell zu einer Fruststrecke werden.
Vielleicht entdecken Sie auch einmal nur einen Ort von ihrem Startpunkt entfernt eine total schnucklige Herberge in der Sie unbedingt übernachten wollen. Oder Sie bleiben in einem kostenlosen öffentlichen Freibad hängen. Oder ein Wanderkumpane mit dem Sie sich besonders gut verstehen, bekommt Grippe und Sie möchten gerne bei ihm bleiben, wenn er einen Ruhetag einlegt. Oder sie wollen in einer Stadt an einem Fest teilnehmen, oder bestimmte Museen besichtigen, oder, oder, oder... Doch auch wenn Ihnen was unangenehmes passiert, Sie sich verlaufen, Bettwanzen kriegen, wunde Füße haben, oder einfach mal von totaler Null-Bock-Stimmung geschlagen sind, müssen Sie keine Panik bekommen, weil Sie zu all dem Stress jetzt auch noch ein Problem mit Ihrem Zeitplan haben.

Die klassische Route; von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago ist etwas weniger als 800km lang.
Wer keine 40 Tage Zeit hat, fragt sich natürlich als nächstes, ob man nicht näher dran starten kann.


Man kann. Wer die Compostella, die kirchliche Urkunde, haben möchte und als Fußpilger unterwegs ist, muss mindestens die letzten 120km gelaufen sein.
An dieser Stelle ist es mir wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass es auf den letzten 120km eben genau deswegen einen wesentlich stärkeren und auch von der Atmosphäre deutlich anderen Publikumsverkehr gibt.
Die Hauptsaison auf dem Jakobsweg umfasst die Monate Juli und August.
Wer in der Hauptsaison nur die letzten 150km geht, wird keine Pilgererfahrung machen, sondern eine Art Pfadfinder-massentourismus erleben.
Ich hatte auf diesem Teil des Weges Tage, an denen eine 40-köpfige Pfadfindergruppe vor und eine ca. 60-köpfige hinter mir war. Ich habe in Herbergen erlebt, wie diese voll belegt waren mit Leuten, deren Gepäck per Transporter nachkam und die dann anfingen, Schminksets, Haarföne und Glätteisen aus großen Rollkoffern auszupacken. Ich habe erlebt, wie, 10 Minuten nachdem ich mich zum Ausruhen auf eine Wiese gesetzt hatte, eine Reisegruppe dort einfiel, dann noch eine und eine dritte, und dann kamen Transporter angefahren und für alle zusammen wurde ein großes Buffet aufgebaut. Ich bin an meinem vorletzten Tag einer meiner beiden Touren 54km weit gelaufen, weil alle Herbergen und Hotels voll belegt waren.

Sowas überlebt man nur mit einigen Wochen Pilgererfahrung im Rücken.
Man hat sich seine innere sozusagen Ruhe bereits festgetreten.
Man kann mit anderen Langstreckenpilgern vielsagende Blicke tauschen.
Man kann die Greenhorns mit ihren neu aussehenden Schuhen verachten und über so Stillosigkeiten wie Gepäcktransport die Nase rümpfen.
Man kann Wiedersehen feiern, wenn man jemanden trifft, den man von der ersten Woche kennt. Und das schöne ist: sowas passiert einem dann mehrmals am Tag.
All das braucht man einfach, wenn man in der Hauptsaison auf dem letzten Stück des Jakobsweges unterwegs ist.

Also: wenn Sie wenig Zeit haben, gehen sie den Anfang des Camino Frances ab Saint-Jean. Oder gehen Sie in der Nebensaison, Anfang Juni oder Ende September. Oder gehen Sie jedes Wochenende eine Etappe, oder jedes Jahr eine Woche bis Sie da sind. Man muss den Jakobsweg nämlich nicht am Stück gehen.
Sparen Sie nicht an der Zeit, indem Sie sich ein höheres Tagespensum geben.
Ich habe Pilger getroffen, die liefen jeden Tag 40 bis 50 km. Von halb 5 bis nach 9 Uhr abends. Wenn ich die nach einem Ort gefragt habe; "Habt ihr den besonders schönen Platz gesehen, hat euch jene Statue von Christus als Pilger auch so gerührt, fandet ihr diese Kirche auch so beeindruckend und jene Herberge so toll...?" kam immer: "Nein, das haben wir gar nicht gesehen, das ist uns gar nicht aufgefallen, das wissen wir nicht mehr genau." Nun ja. Wenn man zu Hause auf dem Laufband 40km am Tag geht, bekommt man halt keine Compostella.

Geht das ohne Vorbereitung?
Ebenfalls eine häufg gestellt Frage, manchmal auch in der Form, dass man mich fragt, wie ich mich vorbereitet habe.

Kaufen Sie sehr gute und sehr sorgfältig ausgesuchte Wanderschuhe und gehen bzw. wandern Sie so viel mit diesen, dass sie gut eingelaufen sind.

Beim ersten Mal bin die drei Monate davor jeden Tag 4 bis 8 km in meinen neu angeschafften Wanderschuhen gelaufen und war dann überrascht, wie einfach ich, körperlich gesehen, die erste Etappe fand. Wenn man in Saint-Jean startet ist die erste Etappe die Pyrenäenüberquerung auf der Route Napoleon.
Man steigt von ca. 200 MüdM auf 1420 und wieder runter auf ca. 900 MüdM.
Ich und mein Reisebegleiter haben das bei meiner zweiten Tour ein Jahr später auch ohne besondere Vorbereitung geschafft, wie übrigens auch den ganzen Rest des Weges. Wobei mein Freund sehr große Probleme mit seinen Füßen hatte ich manchmal echt besorgt war, da seine Schuhe einfach schlecht waren. Und es war nicht gerade ein Billigmodel, sie waren nur schlecht ausgewählt!

Was ich ebenfalls unter Vorbereitung zähle und als überflüssig ansehe sind Karten und/oder die Fähigkeit, Karten zu lesen oder Orientierungssinn.
Folgen Sie den gelben Pfeilen.
Falls Sie mal irgendwo sind, wo man nicht fragen kann, weil weit und breit kein Mensch oder sonstiges Leben zu sehen ist, und es kommt eine nicht beschilderte Abzweigung: schauen Sie, ob sie den Pfeil nicht übersehen haben. Wenn da wirklich keiner ist, gehen Sie geradeaus.

Noch ein Wort, das ich vergaß, gilt es einzufügen: Man muss damit rechnen, dass Diebe gezielt in die Herbergen kommen, daher sollte man einen wasserfesten Brustbeutel haben, in dem man all seine Wertsachen mit in die Dusche nehmen kann.

Wirklich gut und nützlich ist ein Pilgerführer, in dem etwas zu den Herbergen drinsteht.
Das gibt ihnen die Möglichkeit, sich vorher zu überlegen, in was für einer Atmosphäre und mit was für einem Klientel zusammen Sie übernachten wollen.
Außerdem haben Sie, falls Sie in der Nebensaison oder ganz außerhalb der Saison unterwegs sind, die Möglichkeit, nachzusehen, welche Herbergen geöffnet sind.
Aus diesen Gründen empfehle ich den Outdoor Führer von Raimund Joos.

Ich persönlich würde immer die christlichen Herbergen empfehlen. Sie waren mein Garant für schöne Begegnungen, tolle Tischgemeinschaft, urige Pilgeratmosphäre und Leute, mit denen man sich einfach auch mal tiefschürfender unterhalten kann.
Ganz abgesehen davon sind die gemeinsamen Gebete, zu denen in christlichen Herbergen oft eingeladen wird, wirklich meist sehr schön. Auch mein Begleiter auf meiner zweiten Tour, der sonst absolut keine Verbindung zur Kirche hat, fand diese Erfahrungen immer gut und war teilweise auch sehr gerührt bzw. nachdenklich durch die Art, wie man bei gemeinsamem Gebet interagiert.
Ich denke, wer den Jakobsweg wirklich kennenlernen und auf sich wirken lassen will, sollte sich durchaus mit dem christlichen Ursprung und Ziel des Weges in Kontakt bringen und auseinandersetzen.
Diese Herbergen und Veranstaltungen sind immer für alle offen und fordern meiner Erfahrung nach keinerlei Bekenntnis ein.

Man kann doch auch mit dem Rad pilgern?
Kann man.
Der Jakobsweg bietet oft extrem schwieriges Gelände, schmale und unebene Pfade, spitze Steine, steile Steigungen und Abhänge, enge Kurven und überwucherte Wege.
Wer nicht Mountainbiker ist, kann die schwersten Abschnitte oft umfahren, indem er auf Bundesstraßen fährt.
Ich habe durchaus sehr glücklich und zufrieden aussehende Radpilger getroffen, kann dazu aber wenig sagen.
Ich perönlich würde mich lieber umbringen, als diesen Weg per Rad zurückzulegen. Isso.

Muss man bis Finisterre?
Nein, muss man nicht.
Ich habe mich beide Male dagegen entschieden.
Pilger, die nicht so viel Zeit haben, diesen Teil auch noch zu Fuß zu gehen, machen öfter eine Tagestour per Bus dorthin.
Ich persönlich habe auf meinem Weg auf zusätzliche Aktivitäten wie Tagestouren nach dem ganz nahe gelegenen Ort X, Besuche in den Museen Y und Z usw. bewusst verzichtet, weil ich bei mir und dem Laufen bleiben wollte. Mir war die unmittelbare Erfahrung mit dem Weg wichtig und für mich spielten da die Kirchen und auch die Besichtigung der Städte durch die ich kam eine wichtige Rolle, aber das ist eine perönliche Entscheidung.

Wenn Sie mit 20 km pro Tag planen, haben Sie auch Zeit für eventuelle Besichtigungstouren oder eben einen Abstecher nach Finisterre.
Es kann sogar sein, dass Sie, je nach persönlichem Lauftempo, am Ende so viel Zeit übrig haben, dass Sie tatsächlich zu Fuß weiterpilgern könnten.

Andere Routen...
Dazu kann ich recht wenig sagen; es gibt Jakobswege in ganz Europa.
Ich kenne keinen der weiteren Wege aus Erfahrung.
Auf meinen Pilgerreisen habe ich Jakobspilger getroffen, die komplett von Holland aus gelaufen sind, von München, Genf, Köln, Paris.
Die Route von Le Puy en Veley soll landschaftlich sehr sehr schön, aber auch sehr anspruchsvoll sein.
Der Camino del Norte an der Atlantikküste würde mich noch interessieren, spannend finde ich auch den portugiesischen Weg.
Generell kann man sagen, dass die Dichte an Pfeilen und Herbergen auf weniger bekannten Wegen geringer ist, dafür ist es aber oft auch wesentlich ruhiger.

Passen Sie blos auf eines auf: Pilgern kann süchtig machen!

Pyrenäen an der Route Napoleon

Vor Roncesvalles

 


San Anton

Aufstieg nach Castrojeritz

Kathedrale von Leon
 

Abstieg von den Montes de Leon nach dem Cruz de Ferres

Die Kathedrale von Santiago

Diese schönen Fotos sind doch schon mal eine Spende wert, oder?

Montag, 1. Februar 2016

I did it!

Finally I found the courage to start a fundraising campaign.

The Way with my foot

The Way - the name for the way of St. James which got popular by the movie "The Way" in which a father travels to france due to his sons death in Saint-Jean-Pied-de-Port, the starting point of the Camino as the spanish call it. He decides to follow up the path his son had wanted to take and starts his own pilgrimage by doing so.

Okay. As some of my readers might know I had a bike crash early July 2015 which led to quite a serious damage of my upper ankle joint.


At first sight it looked like my foot would have mumps. 

But I was not at all ready to abandon my plan of doing the Camino in Summer 2016.

You have to know that this has been one of the first things I told my love: I am not willing to marry anyone who has not walked the way of St. James with me in advance.
And why should I loose time, once I found my only one?!?

At least something like that can be repaired.


 So I continued to plan our pilgrimage...

Although I couldn't be entirely sure about what my foot would say to all of that.

Physiotherapy and restarting work life took place.
I didn't exactly get to normal walking in this time. But once the metal stuff would be put out again, I was sure I'd make better progress.
The second surgery went good and so far I can say that I feel a positive impact.

This surgery, to be exact. That is 6 days ago now.


 But still: it will not be possible without money....

Actually I had planned to do some summer jobs during the 2015 summer break, aiming to drag my finances out of the negatives. I didn't want my first real wages being swallowed by the students credits from before...
Well... remember? For some reasons there wasn't any option for jobbing.
Instead of gaining a bit extra money I had to use extra and even my first payments were cut because of the fact that I had been ill for so long.

To make it short: I don't get my banc account up into positive numbers - not a good base for doing the Camino. Also - what was it that I won't do without having walked The Way with that guy...?... Something tells me that there will be more need for money for that issue, too.

So please:

Share my fundraising campaign and, I politely ask, donate something.

If I can get together what I and my beloved need to do our pilgrimage I will make a beautiful series of pictures: The Foot, with scar, on The Way ;-)



Samstag, 30. Januar 2016

ICH HABE ES GETAN

Ich habe einen Spendenaufruf erstellt!!!!!

The Way with my foot

The Way - so nennen Amerikaner den Jakobsweg, da dieser in den USA und auch in anderen englischsprachigen Ländern durch einen Film dieses Titels bekannt geworden ist.

Also. Wie meine Leser bereits wissen, oder zumindest wissen könnten, wenn sie diesen Artikel gelesen haben, hatte ich im Juli 2015 einen Fahrradunfall mit fußigen Folgen.


Zunächst mal sah der Fuß aus, als habe er Mumps. 

 Dennoch hielt ich von Anfang an stur an meinem Plan fest, in den Sommerferien 2016 den Jakobsweg zu gehen.

Schließlich war das eines der ersten Dinge, die ich mit meinem Schatz besprach: Ich heirate keinen, der nicht mit mir den Jakobsweg gegangen ist.
Und wozu unnötig Zeit vergeuden, wenn man den seinen einmal gefunden hat?!?

Schließlich kann man sowas ja reparieren.


 Also plante ich fleißig den Trip. Bis dahin wird das ja wohl werden...

Wobei ich mir nicht so sicher sein konnte, was mein Fuß davon hält.

Physiotherapie und Arbeitsalltag nahmen ihren Lauf, bis zur Materialentnahme.
So richtig normal Laufen gelernt habe ich in der Zwischezeit nicht. Aber wenn das Metallzeugs erst mal raus ist, wird es bestimmt sowas von besser!
Jedenfalls ist die OP gut verlaufen.

Diese OP, um genau zu sein. Das war vor 3 Tagen.


 Aber ohne Penunse geht es natürlich nicht.

Ursprünglich hatte ich geplant, in den Sommerferien zu jobben, damit mein erstes Gehalt nicht einfach im von Studium und Referendariat hinterlassenem Finanzloch verschwindet.
Das ging ja nun nicht. Wegen ebendiesen Fußes.
Statt dessen büßte ich einiges an Gehalt ein, da ich deutlich mehr als 6 Wochen krank geschrieben war.
Zumal man in Brandenburg als angestellter Lehrer auch weniger verdient als in Berlin und verbeamtet werde ich mit DEM Fuß erst mal nicht.

Kurzum: Ich komme von dem Minus auf meinem Konto sowieso nicht runter, dazu bräuchte ich keinen Jakobsweg. (Mal ganz abgesehen von: ... ja, was nochmal mache ich nicht, ohne vorher mit demwelchen den Jakobsweg zu gehen...???... da wird auch noch Geld von Nöten sein...)

Also ihr Lieben:

Teilt bitte fleißig meinen Spendenaufruf in alle Welt und, ich bitte höflichst, spendet was.

Dann mache ich eine schicke Bilderserie mit DEM Fuß auf dem Jakobsweg. Fuß mit Narbe in den Pyrenäen, in Pamplona, Burgos, Leon, Rabanal und natürlich auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago. In Großaufnahme. Mit schicken Narben drauf.




Samstag, 25. Juli 2015

Pilgern ohne Feuerwerk

Am 24.07.2013 war ich irgendwo zwischen Ligonde und Palas de Rei.
Auf diesem letzten Stück des Jakobsweges traf man immer mal wieder auf Straßenschmuck zur bevorstehenden  Feier des heiligen Jakobus, dessen Fest am 25.07. sich heute erneut jährt.

In Santiago war eine große Feier mit Feuerwerk geplant und viele Pilger, die etwa gleichzeitig mit mir in Saint-Jean-Pied-de-Port gestartet waren, hatten sich vorgenommen, zu diesem Termin in Santiago zu sein.
Meine eigene Planung sah fünf Tage mehr Zeit vor; ich hatte mit Absicht so geplant, dass auf keinen Fall Eile aufkommen konnte.
Nicht etwa, dass ich langsam lief; bereits die erste Etappe hatte mir den Spitznamen "kleine Rakete" eingetragen.
Doch der Gedanke, bummeln zu können, gehört für mich einfach zum Pilgern dazu.
Stehen bleiben für ausgedehnte Stundenbuch-Sessions, an keiner Kirche vorbeieilen müssen, einfach mal nach 7 Kilometern beschließen, dass ich für heute keine Lust mehr habe: All das genoss ich in vollen Zügen.
Ich hatte mir einen zweiten Tag in Burgos gegönnt, wo es den krassesten Eisladen gibt, den ich je gesehen habe und eine Kathedrale, die so prachtvoll-schön ist, dass man sie nur als "emotional exausting" bezeichnen kann. Kurz darauf hatte ich eine Tagesetappe nach nur 8 Kilometern abgebrochen, um in der wundervollen Klosterruine von San Anton zu übernachten. Auch León und seine Kathedrale sind zwei Tage wert - die Königin des Lichts unter den Kirchen am Jakobsweg würde ich jeden Tag zwei Mal ansehen, wenn ich in León lebte.
Last but not least MUSSTE ich natürlich einige Tage im Pilgerhospiz des Monasterio de Monte Irago in Rabanal del Camino verbringen.

Doch am Abend des 24.07. gesellte sich zu all diesen Vorteilen ein eher trauriger Grund dafür, am 25.07.2013 besser nicht in Santiago zu sein:
Auf allen Kanälen zogen - auch in den Herbergen entlang des Jakobsweges - Bilder vom Zugunglück über den Bildschirm. Die Festlichkeiten zum Jakobustag wurden durch eine dreitägige Staatstrauer ersetzt.
Tatsächlich war es das schwerste Zugunglück in Spanien seit dem Ende des II. Weltkrieges.

Am frühen Morgen des 25.07. erinnerte mich ein einsames Banner, von Haus zu Laternenmast über den Weg gespannt, an den Feiertag auf einer-  tatsächlich! - gespenstisch stillen Etappe. Lag es daran, dass ich, wie immer, so früh aufgebrochen war, dass ich auf dem sonst so hektischen letzten Teil des Jakobsweges kaum eine Menschenseele antraf?
Ich wusste noch nicht, dass ich aufgrund des typischen Andrangs keine Herberge finden und daher die letzten drei Etappen in zwei Tagen zurücklegen würde...

Es war schon seltsam, wie sich an diesem Tag das Gedenken an die Opfer, die Sorge um die Freunde und die Zufriedenheit darüber, dass ich mich nicht hatte hinreißen lassen, auch eine Ankunft zum 25.07. anzustreben, in meinem Kopf zu einer bittersüßen Mischung verbanden.
Ich war doch einige Male versucht gewesen; zumal ich es in der mir zur Verfügung stehenden Zeit dann auch noch bis Finisterra geschafft hätte.

Bei meiner Ankunft in Santiago de Compostella hatte sich die düstere Stimmung etwas gelegt. Doch viele meiner Freunde, die ich hier wiederzutreffen gehofft hatte, waren nach dem Zugunglück weitergepilgert, da sie es in Santiago nicht hatten aushalten können.

Zum Heutigen Tag des heiligen Jakobus wünsche ich allen Pilgern sichere Ankunft. Möge ihnen der äußere Weg ein innerer werden.

Dienstag, 23. Juni 2015

Der Wanderer

Ich wanderte im finsteren Tal
Und fürchtete nicht das Unheil.
Schwach war es, es hinkte,
Es stützte sich auf mich als ich lief.
Doch ich fürchtete mich nicht, als ich zog
Hinauf, zum Tempel des Herrn, dort zu wandeln.
Besser wandern alle Tage
Um einen in den Vorhöfen deines Heiligtums;
Habe ich deine Schwelle - was sollen mir die Zelte der Frevler?
Auch das Unheil geht nach ihnen nicht aus.
Käme es nicht zu mir
Wer würde es kleiden?
Doch
Hat einer einmal ein Festgewand
so soll er auch feiern.

Ich wanderte im finsteren Tal,
Da ich wusste vom Licht.
Ich wanderte blind,
An Steine stieß ich
Nicht, ohne sie fragen zu hören,
Ob sie mir Haus sein dürfen.
Mir aber winkte die Schwelle.
Ich ließ ihnen ein Pfand und ging fort.
Für die Vorhöfe des Heiligtums und für den Platz an der Schwelle
Wird es schon genug sein, was am Ende noch bleibt.

Ich wanderte im finsteren Tal
Und meine Hände waren frei von Gepäck.
Ein jeder wollte getragen sein.
Ich sagte: Auf Zeit:
Denn der Stecken und Stab wartet meiner.
Und wer am Ruheplatz mir Wasser
Sein wird
Mit dem gelange ich ans Ziel.

Montag, 15. Juni 2015

Packliste für den Jakobsweg

Aus aktuellem Anlass sei nun ENDLICH mal begonnen mit meiner Jakobsweg verarbeitenden Textproduktion.

...
(Insider sind bei Insiderwitzen klar im Vorteil.)


Also.
Das Grundprinzip des sich auf dem Jakobsweg bewegenden Menschen besteht darin, - ... ach egal, das wird mir jetzt zu kompliziert!
Jedenfalls besteht das Grundprinzip des Packens in der Vermeidung von Gewicht.
So trägt der Jakobuspilger eine Montur an Klamotten im Rucksack und die zweite am Leib; wäscht letztere nach Ankunft in der Pilgerherberge und nutzt Teile der sauberen als Schlafkleidung, um am nächsten Tag in höchstselbiger weiterzulaufen, wobei es von Vorteil ist, die gewaschenen Klamotten vor dem Schlafengehen von der Leine zu nehmen und einzupacken, da sie andernfalls vom morgendlichen Tau befeuchtet werden.

Man besorge sich einen guten, aber kleinen, Trekkingrucksack den man vor dem Kauf natürlich in bepackter Version durch einige Minuten rumlaufen im Laden erprobt, was den Vorteil hat, dass einem der Mitarbeiter das Zurechtzurren desselben zeigen kann - neben dem offensichtlichen Vorteil, dass man einen Rucksack bekommt, der WIRKLICH gut genug sitzt, um darin alles zu tragen was der Pilger so auf 800km braucht. Man packe ein:

1 Paar gute (!!!!) Wanderschuhe die man natürlich mit ausführlischtem Probelaufen im Fachgeschäft aus einer Auswahl von mindestens 3 gekauft hat. Vollleder ist gut. Joggingschuhe gehen gar nicht, weil der Fuß beim Joggen unter einer anderen Art von Spannung steht als beim Gehen was dazu führt, dass die Zehen beim Wandern in Joggingschuhen zu viel Platz haben und Reibung verursachen die üble Blasen verursacht.
1 dünner Pullover
1 Regencape
1 sehr dünner Schlafsack, nur ein Seideninlet geht auch
1 Duschgel das man gleichzeitig für Haare und Wäsche verwenden kann (Ob man es glaubt oder nicht: man kann in Spanien Duschgel nachkaufen!!!) Ein Stück Seife spart übrigens noch mehr Gewicht, aber selbst ich gehöre zu den Leuten, die für das angenehmere Gefühl auf der Haut 50g mehr tragen, zumal ich finde, dass Haare waschen mit Seife ja nun mal gar nicht geht.
1 mobiles Endgerät, dass man sowohl zum Einloggen in W-Lan Netze (Ja! Es gibt welche! In den Herbergen und sogar in vielen Cafés am Weg!) als auch zum Tagebuch führen, Lesen (Kindle App!) und Fotografieren benutzen kann. (Oder anders gesagt: Man spare sich Laptop und Fotoapparat.)
1 Tube Zahnpasta - gut geeignet ist Ajona; in kleinen Tuben in der Apotheke erhältlich reicht ein Reiskorngroßes bisschen oder weniger für ein Mal Zahn putzen. Man kann also mit einer zu 4/5 aufgebrauchten Ajona Tube losgehen und hat bis zum Ende des Weges genug Zahnpasta.
1 Haarbürste
1 möglichst leichtes Rasiergerät (Hartgesottene Tracker lassen sich natürlich einfach zuwachsen, aber... siehe oben beim Thema Seife.)
1 Tube Sonnencreme (Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wirklich schwer ist, in Spanien preiswerte Sonnencreme zu bekommen, daher ist hier ausnahmsweise Vorratsschleppen gestattet.)
1 Handtuch - z.B. eines dieser ultraleichten Trekkingteile die super mega viel Wasser aufnehmen und super mega schnell trocknen. Ein Sarong/Pareo aus Baumwolle tut es auch. Die Teile sind ultra dünn, ultra leicht und saugen Wasser auch wirklich sehr gut auf, auch wenn es sich ungewohnt anfühlt, sich mit sowas abzutrocken. Sie besitzen alle Eigenschaften der High Teck Handtücher, außer des hohen Preises. Als Frau hat man den Vorteil, das Teil nach dem Duschen gleich als Kleid oder Rock benutzen zu können.
1 Pilgerführer (Die kleinsten, handlichsten und einfachsten kann man auch am Weg kaufen; ich empfehle den von Raimund Joos, der sehr gute Beschreibungen der Herbergen enthält; ein Vorwissen um das ich vielfach beneidet worden bin.)
1 Set mit Desinfektionsmittel, Nadel und Pflastern zur Blasenbehandlung. (Keine Compeed! Die Teile sind viel zu teuer für die Katasprophen die sie anrichten können!)
2 0,5 bis 0.75 l Plastikflaschen für Wasser
2 T Shirts
2 Hosen mit zipp-off Beinen, wobei man die langen Beine nur EIN MAL mitnimmt!!!!
2 Unterwäschgarnituren in Schwarz die man auch zum Schwimmen im Pool (JA! Es gibt Herbergen mit Pool!!!!!) benutzen kann

Man lasse zu Hause:
Erwatrungen, wie der Jakobsweg sein soll.
Erfahrungsberichte anderer Jakobuspilger.
Eitelkeit.

Was man sonst noch nicht braucht:
Die Fähigkeit, Karten zu lesen oder sich sonstwie zu orientieren. (Dafür sind die gelben Pfeile da.)