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Sonntag, 5. Juni 2016

Straßenfest-Crawl 2016

Foto: King Bear




Event ja, aber nicht für die Tonne:

Unser Straßenfest Crawl 2016 


Wie schon im letzten Jahr, gab es parallel zur natürlich unschlagbaren Fiesta Kreutziga noch einige andere Straßenfeste. Die Sonne schien, wir waren nicht bockig und hatten umso mehr Bock, also machten wir uns bereits zu nachtschlafender Zeit, nämlich genau um 14 Uhr 18, auf den Weg.

Am Freitag war ich aus purer Lustlosigkeit zum Alex gefahren und hatte dabei das Afrikanische Kenako Festival entdeckt. (Klar, schließlich weiß doch jeder, dass man zum Alex fahren muss, wenn man gerade nichts sinnvolles tun will!!!)
Der Sinn kam dann aber doch von selbst: immerhin gab es da mehr als vier verschiedene Stände mit Afrikanischem Essen. Mjam! 
Eine von vielen Möglichkeiten, das leckere Afrikanische Essen zu probieren. Foto: King Bear

Es war also beschlossene Sache, dass wir erst am Alex einkehren; schließlich würde uns der Weg zur Kreutziger sowieso dort vorbeiführen.
Und so mit Kamel im Bauch (war sehr lecker!) ist man dann auch für längere Expeditionen gewappnet...

Zunächst einmal ließen wir aber die Atmosphäre dort auf und wirken und schlenderten über den mit Buden bestellten Platz. Gerade lief das Konzert des AKWABA Gospelchor (Panafrika)



Bühnenblick
Was macht eigentlich der Bratwurststand hier? Die Antwort lautet wohl "Profit"...

Zelte dieser Bauart kennen wir doch vom Katholikentag... St. Fungus lässt grüßen.

Schöne Figuren... Es gab auch coole Klamotten aber die interessierten den Bären nicht so sehr.

Und Olivenholzwaren. Die Gebrauchsgegenstände mit dieser charakteristischen Maserung sind besonders schön.


In der U-Bahn zum Alex hatte ich noch irgendwas von nem Torstraßenfestival aufgeschnappt, also beschlossen wir, erst mal da hin zu gehen und dann mit der Straßenbahn zur Kreutziger zu fahren.

Allerdings war die Torstraße doch eher öd und leer.
"Hm. Is ja nix los hier."
"Jo. Das ganze Fest besteht darin, dass n paar Clubs die sonst nur Nachts geöffnet haben auch jetzt schon ihre Pforten öffnen."
"Tja hier kannste bloß der Gentrifizierung zusehen."

Doch dann!!!!!! Genau, als wir an irgend so nem Hipster Café-Bar-Irgendwas vorbeikamen:
"Whats going on" von Marvin Gaye Wohooo!
DER SONG MUSSTE SEIN! Und wir hatten und gerade noch darüber lustig gemacht, dass die Boxen hier auf Mineralwasserkisten stehen statt auf Bierkisten...
"Hm, Das Straßenfest scheint weiter Richtung Oranienburger zu steigen... Wolln wir trotzdem die Tram nehmen jetzt?
"Jo ich hab auch keine Lust, noch weiter zu laufen. Aber der Moment war es wert!"

Und so kamen wir schließlich bei bester Laune auf der Kreutziger an. Fiesta!

Mucke jibbts hia!

Ostereier? Nein, ein Infostand von Foodsharing. Saugeile Sache! Neben den Naturalien konnte man auch Infomaterial mitnehmen. Ich hatte schon öfter von der Intitiative gehört und war echt total froh, die hier zu sehen!

Burgerwehr. Wehr dich gegen Langeweile, Gleichmacherei, Fremdenfeindlichkeit, Konsum- und Karrieredenken! (Und gegen vieles andere auch, aber das dürfte so ungefähr die Schnittmenge zwischen mir und den Kreutzigern sein...)

Auf dem Rückweg haben wir dann noch mal einen Abstecher zum Alex gemacht. Mangobier schmeckt sogar mir! Aber wir waren immer noch so satt, dass aus dem Mango-(s)Chicken Abendessen leider nichts wurde. Schön wars. Das machen wir jetzt öfter.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Wo Glaube Raum gewinnt...

... gewinnen wir alles. 

document pile - Urheber: Niklas Bildhauer Quelle: Wikimedia Commons


In diesem konkreten Fall die erste Bewährung unserer Beziehung, die Hilfe einer guten Freundin, das Gefühl, unmögliches bewegen zu können, die Möglichkeit von Unter- bzw. Zwischenvermietung einer Wohnung und 6 Romanfragmente.

"Ich hab Angst." Sagte mein Schatz zu mir.
Ich hatte so etwa 6 Tage gebraucht, um zu begreifen wie viele kleine und große Ängste an meiner Idee hingen.
"Wir schaffen das. Ich bin Super Woman, ich kann das," antwortete ich jetzt, am Morgen von Tag x, "ich löse sogar Probleme die es gar nicht gibt. Und Claudia kommt direkt von Anbetung, Laudes und Messe, das ist praktisch noch viel besser, als Super Woman zu sein."

Es war nicht das erste Mal, dass ich meinen Liebsten so tiefenfrustriert erlebt habe, aber es war das erste Mal, dass ich etwas mit dem Grund dafür zu tun hatte.
Ich hatte es nämlich, als ich vorschlug, wir könnten seine Wohnung herrichten und untervermieten, nicht mitbekommen, dass er nur die Idee gut fand.
Es widerstrebt einfach meiner praktischen Veranlagung, mitanzusehen, wie für eine Wohnung Miete abgeht, die sowieso nicht zum Wohnen genutzt wird.

Die Idee hatte ich schon länger, und diese auch schon mehrmals erklärt.
Alles schick, schien mir, wir schaffen die Realisierung halt nur nicht, weil man natürlich dazu neigt, Räumaktionen dieser Art auf die lange Bank zu schieben, wenn man keinen Termin hat.
Und dann.
Ja, und dann.
Dann schuf ich Termindruck, weil ich einer Arbeitskollegin von der Sache erzählte. Ich hatte ein Gespräch mitgehört in dem es darum ging, dass eine Freundin verzweifelt eine Bleibe sucht, da sie schon seit einigen Wochen in Berlin arbeitet, aber noch keine Wohnung hat. Das war's. Wenn ich da nichts gesagt hätte, ach was rede ich! Jemand hätte da vielleicht nichts sagen können, aber garantiert nicht ich!

Man rate, wer sich nicht freute, das Problem jetzt endlich mal anpacken zu können.

Schließlich einigten wir uns auf einen Termin und riefen unsere gemeinsame Freundin Claudia zu Hilfe.

Und da war sie nun also:
Die Wohnung des Schreckens.
Na ja. Wie es eben aussieht, wenn man gleichzeitig an mehreren Schreibprojekten arbeitet, sich mit Papierkram rumschlagen muss, dessen Existenz man nicht wahr haben will, zu nichts kommt, weil man ja auch noch arbeiten muss, da der Füller zwar der beste Kumpel ist, aber nicht die Miete zahlt, und einen die Leere des Raumes ansonsten auch eh nur ankotzt.
Also. Nicht so, wie es bei mir aussieht, wenn man gleichzeitig an mehreren Schreibprojekten arbeitet, sich mit Papierkram rumschlagen muss, dessen Existenz man nicht wahr haben will, zu nichts kommt, weil man ja auch noch arbeiten muss, da der Füller zwar der beste Kumpel ist, aber nicht die Miete zahlt, und einen die Leere des Raumes ansonsten auch eh nur ankotzt.
Die Männervariante davon.

Ich schickte den Mann erst mal seine Kapitalanlagen einlösen.
So viel Euro in Pfandflaschen hat auch nicht jeder. Sehr verbunden, sie zahlten unser Mittag und das Putzzeug.
Auf dem Bett legte ich sechs Stapel an für die unterschiedlichen Sorten von Papierkram, die sich so auf dem Boden fanden, während Claudia die Küchenecke auf geradezu magische Weise schick machte und sich dann von mir ins Bad schicken ließ.
 "Wir haben beschlossen: Die Aktion heißt jetzt 'wo Glaube Raum gewinnt'!" Verkündete Claudia dem Rückkehrer. "Ja," musste ich bei Gelegenheit bestätigen, "ich hab dich noch lieb."

Wir beschlossen, die Wohnung zu malern und verabredeten ein zweites Treffen zum Fortsetzen der Aktion.

Mein Liebster war sichtlich froh, vor allem seine wieder gefundenen Romane, 5 Entwürfe in Fragmenten, freuten ihn sichtlich. Ich bekam einiges Schönes daraus zu hören, was mich wiederum anregte, mal wieder die Fragmente meines angefangenen Romans hervorzukramen.

Einfach toll.
Der Mann ist perfekt für mich.
Obwohl ich kein Ordnungsfreak bin, ist er weniger ordentlich als ich, das ist wichtig für das Überleben einer Beziehung! Und er hat mehr Bücher gelesen als ich, das ist wichtig für das Überleben meiner Beziehung!
Ich liebe ihn.
Ich glaube wir sind ein tolles Paar.



Montag, 21. März 2016

Saunaschule im Spaßbad

Die Frage des Tages lautet: Was haben eigentlich Spaßbäder mit Schulen gemeinsam?


Humboldpinguin Quelle: Wikipedia (https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Akumiszcza)

Nein, ich rede nicht von Dezibel oder von Farbspektren.

An den Gearderobenschränken des neulich von mir besuchten Spaßbades fanden sich Hinweise, dass bitte keine Liegen zu reservieren seien.
Nun ja.
Mir persönlich war es egal, dass alle von mir gesichteten Liegen zwar nicht besetzt aber durch Handtücher belegt waren. Ich bin vielleicht verrückt genug, ein Spaßbad zu besuchen. Aber so irre, dass ich mich zum Entspannen direkt vor dem Wellenbecken - der Lärmquelle Nr. 1 - betten wollte bin ich dann doch nicht.
Auch sonst schien sich niemand darum zu kümmern.
Während Seitens des Bademeisters strikt darauf geachtet wurde, dass sich bei Wellengang keiner zu nah an den Beckenrand mit der Wellenmaschine wagte (der bekam dann wenigstens was zu tun als ich da war), schien es für die Liegen keinen zuständigen "Wachdienst" zu geben.
Dieses kapitulierende Achselzucken wurde meines, als ich im Saunabereich des Bades eine ähnliche Lage der Dinge erblickte.
Hm.
Da würde es meinem Schatz und mir wohl schwer werden, für die zwischen den Saunagängen obligatorische Ruhephase einen Platz zu finden. Dabei war es im Spa Bereich nicht nur deutlich ruhiger als im Spaßbad, es wirkte auch viel leerer. Gut besucht, aber nicht voll.
Tatsächlich wären wohl 80, wenn nicht sogar 90 Prozent der Liegen frei gewesen, wenn sie eben nicht durch Handtücher belegt worden wären.
Nun ja.
Die Menschen sind eben so.

Schließlich entdeckten mein Schatz und ich einen als "Raum der Stille" deklarierten abgetrennten Bereich, auf dessen Tür folgendes zu lesen war:
"In diesem Raum wird um absolute Ruhe gebeten. Das belegen von Liegen mit Handtüchern ist nicht erlaubt. Reservierte Liegen werden vom Personal geräumt."
Super, dachten wir. Problem gelöst.

In dem Raum mit etwa 40 Liegen waren nicht mal 10 mit Ruhenden belegt und es fanden sich immerhin ganze (!) 3 Stück, auf denen keine Handtücher lagen.

Ein bisschen mulmig war mir schon, als mein Liebster und ich nach unserer Ruhephase beschlossen, mit gutem Beispiel voranzugehen und unsere Liegen kompett zu räumen.
Wir verstauten also alle Handtücher, die wir nicht mit in die Sauna nehmen würden, in einem der zahlreich bereitgestellten Regale und siehe da: Als wir zurück kamen waren die 2 Liegen noch frei, und außerdem (vielleicht lag es an der vorgerückten Zeit?) 3 weitere!

Ich war mit der Regel - mäßigen Säumigkeit in diesem Betrieb versöhnt. Doch bevor die Phantasien, in denen ich alle Handtücher persönlich von den Liegen sammle und als großen Stapel am Infothresen abgebe, ganz abgeklungen waren, wurden wir Zeugen der folgenden Szene:

"Entschuldigen Sie, aber das waren unsere Plätze."
"Nein, das war meine Liege, hier lagen meine Sachen."
"Also! Wir waren doch vor kaum 10 Minuten noch hier und das waren unsere Liegen!"
"Hier sind doch auch noch unsere Sachen. Wahrscheinlich habe Sie die selbst rübergeräumt!"
"Ja, dann haben Sie eben Pech gehabt, hier darf man eh keine Liegen reservieren. Ich bin auch weggeräumt worden!"
"Aber Sie dürfen das oder was?! Wenn Sie sich hier Liegen reservieren, dann könne wir das ja wohl auch!"
"Komm dann gehen wir eben da hin. Das hat ja keinen Sinn hier!"

Während der Mann sich noch eine ganze Weile laut flüsternd aufregte, verlangten meine Saunaerschöpfung und ich immer deutlicher nach etwas mehr Ruhe im "Raum der Stille"
Ein Verlangen, dass das laute Geflüster des streitbaren Pärchens schließlich mit einem laut zischenden "Pssst" durchbrach, was der Mann mit einem verächtlichen "Jetzt regt die sich schon auf." quittierte.
Offensichtlich fand der diese ganzen Regeln lächerlich.
Ist ja auch logisch, wenn sich eh keiner dran hält.

So richtig lustig wurde es aber erst, als ein älteres Pärchen reinkam. Der Mann war mir schön mal aufgefallen, weil er sich trotz - oder wegen? - seines vorgerückten Alters nicht mal bemühte, im "Raum der Stille" leise zu sein. Weder flüstern noch schweigen schienen für ihn eine bekannte Option.
Nun ja, dachte ich mir, die sind gerade reingekommen und sortieren sich noch, die werden bestimmt gleich... Nach gefühlt 10 Minuten - wahrscheinlich waren es nur 5 - hatte ich die Nase voll:
"Mein Gott, dann gehen Sie doch raus, wenn Sie sich unterhalten wollen!" entfuhr es mir in nicht gerade freundlichem Ton.
Das war  natürlich unzumutbar unhöflich von mir.
Der bereits aus dem Liegenstreit bekannte Herr fuhr mich auch gleich an: "Ja dann geh doch ins Kloster!"
Ich brachte gerade noch eine Replik a lá "Hier gibt es doch genug andere Räume mit Liegen..." hervor, dann versank ich in staunendem Grübeln über die Sache.

Ich meine, darauf, einen Vorschlag zum Klosterbesuch als Beleidigung zu benutzen, muss man auch erst mal kommen.

Aber vor allem fiel mir auf, dass ich dieses Problem aus der Schule kenne:
Da niemand die Regeln durchsetzt, empfinden es die Betroffenen als ungerecht, wenn ausgerechnet sie sich daran halten sollen. Und jeder, der aus der Gruppe heraus versucht, die Befolgung der Regeln anzumahnen, rutscht in die Position des Verräters und avanciert so zum Arschloch des Tages.

Ich kenne das, wenn Schüler, die sonst als brav und strebsam bekannt sind, auch beginnen, laut zu quatschen, nachdem sich erst mal eine gewisse Unruhe im Klassenraum breit gemacht hat, die letztlich dadurch entsteht, dass der Leher Regelverstöße nicht rechtzeitig und nicht deutlich genug geahndet hat. Gerade junge und von Natur aus gutmütige Kollegen, bei denen man eigentlich denken würde, Schüler mögen sie besonders gerne, haben deshalb oft Schwierigkeiten. Dabei schätzen unruhige Schüler es durchaus, wenn man für sie Verständnis hat und ihre Bemühngen, trotz Hibbeligkeit gut mitzuarbeiten, hornoriert.
Aber:
Gerade die schwierigen Schüler, die trotz natürlicher Inkompabilität mit dem System Schule fachlich gute Leistungen erbringen oder zumindest dazu fähig sind wissen, dass sie auch Hilfe dabei brauchen, sich selbst zu disziplinieren.
Und für die Klasse muss der Lehrer auch als Garant der schulischen Ordnung stehen können. Wenn er diese nicht gewährleisten kann, weil er aus Gutmütigkeit Ausnahmen macht und Regelverstöße nicht ahndet, verliert er an Glaubwürdigkeit, weil es als ungerecht empfunden wird.
Sich an Regeln halten muss sich nämlich auch lohnen. Die meisten Lehrer sind mit Lob eher sparsam. Folglich gerät das System in die Schieflage, wenn Regelverstöße keine spürbaren Nachteile mit sich bringen.

Und genau das konnte man im "Raum der Stille" auch beobachten.

Man könnte das Problem lösen, indem die Mitarbeiter wirklich alle 5 Minuten alle reservierten Liegen räumen und die Betroffenen sich ihre Handtücher dann an der Infotheke abholen müssen.
Oder, man verbietet das Mitbringen eigener Bademäntel und Handtücher und gibt dieselben kostenlos an die Besucher aus, so dass letztere alle gleich aussehen und deswegen auch nicht mehr zum Reservieren von Liegen taugen.

Mein Schatz und ich jedenfalls hatten mit der Imagination entsprechender Szenarien viel Spaß.

Abschließend fiel uns noch die Parallele zu einem auch in der Psychologie aus sozialwissenschaftlicher Forschung bekanntem Phänomän auf: Dem broken-windows-Effekt.

Das Handtuch auf der Liege ist das zerbrochene Fenster der Sauna.
Und der zu gutmütige Leherer das im System Schule. (Ups, was! - Das habe ich nicht gesagt.)

Mittwoch, 23. September 2015

Gut Fuß!

Es war einmal eines schönen Tages, als Gutfuß und Bösfuß noch Rechtsfuß und Linksfuß hießen, da waren sie beide ganz einträchtig auf demselben Fahrrad unterwegs, und immer wenn Linksfuß oben war war Rechtsfuß unten und umgekehrt.

Da sendete das Gehirn eine Gefahrenmeldung: "Achtung, drohende Kollision mit parkendem Auto, ich lenke über Schiene. Vorsicht!"

Und noch bevor Linksfuß und Rechtsfuß Hasenfüße werden konnten - BUM! TSCHAKKA! WUSCH! Kawumm und kabolz flogen sie samt Fahrrad auf den Asphalt, denn der Fahrradreifen hatte sich in der Schiene verkeilt.
Und weil das Fahrrad nach links umfiel, konnte Rechtsfuß sich vom Pedal wegstrecken in die Luft, bis er zusammen mit allem Anderen auf dem Boden landete. Aber Linksfuß erging es schlecht. Er wurde gestaucht zwischen Pedal und dem umgefallenen Bein was vom Knie aus drückte und rückte, verdreht zwischen Pedal und Straße, gequetscht zwischen Straße und Fahrrad und gezerrt und gezogen von der ganzen Bewegungsenergie, denn das alles ging sehr schnell.
Und Linksfuß wurde furchtbar böse und machte großes Aua.

Das Gehirn war erst mal verdattert und es kamen lauter Leute, die setzten alles zusammen auf eine Bank und riefen den Notarzt. Währenddessen wachte das Gehirn auf, aber nur, um laut aua zu schreien, und dann machte es noch ein bisschen Schock. Dann sortierte das Gehirn, aha, die Brille ist noch da und uns ist schon gar nicht mehr schlecht, und das Aua ist zum Glück nur am Fuß.

"Was heißt hier nur?" Dachte sich Linksfuß, denn er war ziemlich kaputt und furchtbar böse. Er wollte auch kein Eis drauf haben - das hatten die Leute vom Krankenwagen draufgetan -, weil das Gewicht vom Eis da drückte wo es kaputt war.

In der Notaufnahme gab es Schmerzmittel, intravenös, so dass das große Aua von Linksfuß beim Gehirn nicht mehr ankam, wodurch sich sofort die allgemeine Laune besserte. Nur Linksfuß war noch immer ganz kaputt und furchtbar böse.
Auf dem Röngten konnte man sehen, dass Linksfuß nicht gebrochen war. Außer am Zeh. Am Gelenk war auch was kaputt, aber wie schlimm das wirklich war war nicht zu sehen. Schließlich gibt es in so einem Fuß ja nicht nur Knochen und das was nicht nur Knochen ist kann man auf dem Röntgenbild nicht sehen.
Linksfuß bekam jedenfalls erst mal eine Schiene und das war's dann auch schon.
Aber er war immer noch furchtbar böse.

Doch außer Schmerzmittel nehmen und ihn hochlagern war erst mal nix zu machen. Das muss noch mal genauer angesehen werden, wenn es abgeschwollen ist, hieß es, und zumindest was das genauer Ansehen betraf war Linksfuß durchaus auch der Meinung, aber wie er bei dem ganzen Salat abschwellen sollte wusste er auch nicht. Also blieb er immer noch böse und wurde ein richtiger Bösfuß.
Währenddessen musste Rechtsfuß die ganze Arbeit alleine machen, zusammen mit den Armen und Schultern und Bauchmuskeln. Auf Krücken nämlich. Und weil Rechtsfuß ja nichts anderes machen konnte, als sich in sein Schicksal zu ergeben und sein Bestes zu tun, wurde er kurzerhand zum Gutfuß. Gezwungenermaßen.

Bösfuß konnte nur rumliegen oder -hängen und außerdem machte er große Panik wenn ihm jemand zu nahe kam. Und großes Aua natürlich, aber das merkte keiner mehr, denn es gab ja die Schmerztabletten.
Dann kam Bösfuß ins MRT und der ganze Salat wurde sichtbar.
Kurz gesagt, Bösfuß war nicht umsonst so furchtbar böse. Er war nämlich sehr gründlich kaputt. Eine Menge Sehnen waren gerissen, und andere waren gezerrt, und außerdem waren die Knochen innen drin geschwollen, im Knochenmark; sie waren nämlich nur man gerade so nicht gebrochen und hatten furchtbare Mühe damit gehabt.

Jedenfalls musste Bösfuß operiert werden. Wenn nämlich so sehnige Sehnen zerreißen, dann schnipsen sie weg wie Schnipsgummi und deswegen können die auch nicht wieder heilen, wenn man sie nicht wieder langzieht und zusammennäht. Und einige abgeplatze Knochenteile mussten auch wieder rangeheftet werden.
Das war ja alles ganz schön und gut, aber Bösfuß hatte in der OP viel Stress und er machte unvergleichlich großes Aua, noch viel größer als überhaupt jemals zuvor. {Also wer jemals gedacht hatte, dass eine Wurzelbehandlung mit offen liegenden Nervenenden am Zahn schlimm ist, der hat noch nie einen Knochen verschraubt bekommen.} Erst nach anderthalb Tagen beruhigte sich Bösfuß wieder soweit, dass die normalen Schmerzmittel wirkten und er stellte fest, dass man ja so eigentlich ganz hübsch und in Ruhe wieder zusammenwachsen kann.

Aber das dauert.

Und dauert...

Und dauert.

Und in all der Zeit vergaß Bösfuß vollkommen, wie man sich eigentlich so fußig bewegt und erst recht wie man geht. Und Gutfuß wurde so langsam quengelig, weil er die Nase voll davon hatte, immer alles alleine zu machen. Außerdem mochte er nicht immer so auf den Boden gepatscht werden. Zum Abrollen braucht man nämlich beide Füße.

Bösfuß heilte also so vor sich hin und wurde wieder friedlich und es brauchte bald gar keine Schmerzmittel mehr und statt dessen gab es Bewegungsübungen.

"Gut Fuß!" Sagte das Gehirn und "Nur Mut! Das wird schon!" Und ließ den Fuß vorsichtig auf und ab nicken.

Mittwoch, 16. September 2015

Die Lizenz zum Löten...

... erwirbt man nach einer metall- oder elektrotechnischen Ausbildung.

Aber Moment mal! Was genau soll diese Information auf einem katholischen Blog?

Das ham wa gleich:
Klar.
Das war ja unvermeidlich.
Genauer gesagt: der Unvermeidliche.
Ich kenne Peter Janssens als Verfasser und Vertoner christlicher Lieder, die sich durch theologische Fragwürdigkeit auszeichnen. Über sein gesamtes Schaffen habe ich keinen Überblick. Und, um ehrlich zu sein: das, was ich weiß, kann mein Interesse für den Mann nicht wecken. Theologische oder sachliche Fehler, die mir in seinen Liedern aufstoßen, kommentiere ich dennoch gern.
Ist das unberechtigt? Ich weiß nicht. Doch bei manchen Sachen finde ich einfach, dass man das nicht so stehen lassen kann.
Man beachte, dass ich seit Lägerem begeisterte Zeugin bei der Entstehung einer blogohistorischen NGL-Evaluation bin. Dieses Lied passt natürlich in den Kessel Rotes. Es wollte aber nicht gekocht werden, deswegen hat es mein Ohr erst in Begleitung derer die mit der Gurke tanzt verwurmt.

Zunächst mal muss man sagen, dass Wieglaf Droste in der Vorrede eine congeniale Zusammefassung meiner Wahrnehmung des Schaffens von Peter Janssens' bietet. Abgesehen davon hat man noch Zeit, auszuschalten, bevor der Ohrwurm andockt.
Der geht nich wech ich sachs euch.

Je länger der in meinem Ohr rumspukte, desto dämlicher fand ich den Text.

Ich meine, was entblödet sich der kleine Bourgeois da (ja das ist polemisch: das soll so!), die Löterin in ach so vertrautem Ton anzusingen? Ihre Arbeit sei Blödsinn? Und zwar täglich derselbe?
Aber dann trällernd rumphilosophieren: "Was hast du alles schon gelötet?" Und vom "Mehrwert deiner Arbeit" zu faseln. Der Mehrwert derselben Arbeit, die gerade eben noch mit "täglich derselbe Blödsinn" spezifiziert wurde.
Also an dem Punkt würde ich als Löterin schon mal einen Kurzschluss ins Mikrofon einbauen. Dann hat sich's mit dem Jejaule.

Ich kann's auch sachlich sagen: Bei dem Text drängt sich mir die Vermutung auf, der gute Mann singe hier von Dingen die er weder kennt noch versteht. Außerdem verärgert mich die 'das Gehalt ist zu niedrig'-Dramatik doppelt: Erstens handelt es sich um eine Unterstellung die sich leicht entlarven lässt. Zweitens nehme ich dem Peter nicht ab, dass er sich hier auf die Seite der mittellosen Malocher stellt, da er meiner Meinung nach weder das eine noch das andere war.
Zugegebenermaßen tappe ich dabei in die Falle einer Argumentation, wie sie die Eltern der Hippiegeneration wahrscheinlich verwendet hätten: "Hätten wir mit dem von euch verachteten spießigen Leben nicht das Geld erarbeitet, mit dem ihr jetzt studieren könnt, könntet ihr auch nicht singend durch die Lande ziehen."

Doch wir wollen dem armen Peterle nicht zuviel des Unrechts tun. Schließlich geht es hier um den intellektuellen  Protest gegen niedrige Löhne und miese Arbeitsbedingungen.
Wobei. 2.000 Euronen brutto passen in eine "ganz erbärmlich schmale[n] Lohntüte"?
(Ich hab das nachgesehen: Je nach Webportal wechseln die Angaben über einen durchschnittlichen Monatslohn von ca. 1200 bis 3000€.)
Ich geb's auf.
Ich werd mit dem Peter nicht grün. Nicht mal so weit, dass ich ihn versteh.
Ich weiß ja. Kiffen ist schön. Aber n bissl mehr Klarsicht hätte dem Liedermacher irgendwie gut getan.
Übrigens denke ich genau das meist bei der Begegnung mit Ultraliberalen Christen, die im 'Jesus hat nie eine Kirche gewollt'-Modus durch die Welt latschen.

...


Du kleine Löterin, Halle sechs, Platz sieben,
sag hast du mal zwei Euro für mich?
Von meinem Studium sind Schulden mir geblieben;
du bekamst Ausbildungsvergütung und ich nich!
Und du sagst mir: "Du redst Blödsinn!"
Ja, ich weiß nichts, gar nichts, von Lötzinn!

Samstag, 15. August 2015

Fandom - oder: warum es manchmal echt nervt, ein Mädchen zu sein

Also.
Ebenfalls aus der Kategorie Gelegenheitsbeitrag:
Eine Geschichte, die ich schon schriftstellerisch verarbeiten wollte seit sie passiert ist:

Eines Tages nach Unterrichtsschluss wurde ich noch im Schulgebäude von meinen beiden damaligen besten Freundinnen bestürmt, die mir, erstaunlich frei von Sachinformationen, ihre neue Lieblingsband vorstellten.
Wir waren 5. Klasse und es handelte sich um eine Boygroup. Genau so ein, bei der ich nur anderthalb Jahre später sagen würde: "Ach, da hat mal wieder son Manager ne Dose aufgemacht." Übrigens ohne dabei MEINER Boygroup untreu zu werden. Erwachsen werden ist nicht logisch. Es gibt keine sinnvolle Reihenfolge und nur lose Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Aspekten der jugendlichen Entwicklung. Wobei das meist nur die Eltern stört, oder sagen wir mal, die Eltern sind die einzigen, die es immer stört, weil sie es voll mitkriegen.
Egal. Also. Das sind die und die und die sind voll gut und du musst dir jetzt einen Liebling aussuchen. Wir waren inzwischen im Erdgeschoss des altehrwürdigen Schulgebäudes angekommen und eine der Beiden hielt mir eine Postkarte mit vier grinsenden Anfangzwanzigern entgegen.
Öhh, ja ne. Also.
Obwohl sie sich im Gegensatz zu mir der Tragweite dieser Entscheidung bewusst waren, ließen sie mir nicht viel Zeit dazu.
Mir doch egal. "Ich nehm den."
Das geht nicht, das ist meiner.
Jetzt echt? "Okay, dann den."
Das geht nicht, das ist meiner.
Oh Mann, was fragt ihr mich dann wenn die eh alle egal aussehen? "Dann halt den."
Super dann ist das jetzt dein Liebling. Der heißt Ben.
Aha. Schön. Kann ich jetzt nach Hause gehen? Hab grad n tollen Pferderoman am Start.

Ich vergaß die Sache schnell wieder. Ging mich auch nicht viel an. Mein Musikgeschmack war nicht wirklich vorhanden und mir gefiel sowohl das - jetzt immer von EINER GANZ BESTIMMTEN BAND kommende - Mainstream Zeug, welches mir meine Freundinnen in der Pause vorspielten und auf selbstgemachten Tapes mitgaben, als auch das, was der Sender meiner Mütter - Radio 1 - so spielte. Das ebenjene Tapes, mit denen meine Freundinnen mein musikalisches Umfeld infizierten, inzwischen einen Großteil unserer Autofahrten bestimmten, dürfte eher meine Mütter genervt haben. Ohne Musik im Auto wurde mir nämlich bei längeren Fahrten schlecht. Also richtig. Mit Kotztüte und so. Aber es durfte auch mal eine halbe Stunde Radio 1 sein. Oder Silly, von meiner Mama, oder Dalia Lavi, von ihrer Freundin. Wie gesagt. Mein Musikgeschmack war... - äh... Flexibel.

Doch eines schönen Tages bemerkte meine eine beste Freundin, dass die Sammlung von Pferdepostern an einer meiner Zimmerwände nicht mehr altersangemessen sei. Sie hatte mir auch gleich ein passenderes Poster mitgebracht, NATÜRLICH von dieser Boygroup.
Ich stand vor der Wand und grübelte.
Die Poster waren in einem gleichmäßig asymmetrischen Muster angeordnet, dessen geordnete Unordnung sich aus gleichem Abstand zwischen den Postern verschiedener Größe und Formatierung ergab, sowie aus sich ergänzenden Farbkombinationen von Pferd und Hintergrund der benachbarten Poster.
Zu allem Überfluss war das neue Boygroup Poster auch noch sehr groß, so dass ich mich es eigentlich nur an zentraler Stelle sinnvoll einordnen könnte; da, wo jetzt meine drei Lieblingsbilder versammelt waren. Ich musste also die umsortieren, so, dass sie immer noch einen würdigen Platz fanden, und dafür an anderer Stelle welche rausnehmen.
An diesem Abend habe ich so etwa 12 Poster umgehängt und vier aussortiert um das neue unterzubringen. Und mich dann von drei Typen anglotzen zu lassen, die grinsend über meiner Tapete thronten.
Muss ich erst erwähnen, dass im Laufe meiner Pubertät die Pferdeposter immer weiter zurückgedrängt wurden? Natürlich hatte ich mit 15 keine PFERDE mehr an der Wand!
Dabei war meine Faszination für diese Geschöpfe eigentlich ehrlicher. Immerhin hatte ich schon mal welche getroffen.
Mein Onkel war Jockey gewesen und - nachdem der Reitstall mit dem Ende der DDR Pleite gegangen war - Reitlehrer. Ich hatte also zumindest in den Ferien immer Reitstunden genommen, während wir in der Schule aufgrund Lehrermangels nicht mal richtigen Musikunterricht hatten. Selbst wenn: die Beatles waren da schon angekommen, aber Mainstream Pop? Nö.
Umso peinlicher, als wir in der 8. Klasse am Gymnasium unsere Lieblingsbands vorstellen sollten. In der Achten hat man doch keine Lieblingsband! Jedenfalls nicht als Mädchen: Man ist gerade erst dabei, die Erkenntnis zu verdauen, dass Boygroups keine Bands sind!!!

Also wozu das Ganze?
Wieso schwärmt jedes Mädchen genau in dem Alter, wo man UM HIMMELS WILLEN nichts peinliches machen will, für irgend einen becknackten Teenieschauspieler oder für eine blöde Boygroup?
Einfach wie desillusionierend: Sie braucht einen imaginären Partner für ihre gerade erwachende Sexualität.
So tritt das erste unbestimmte Gefühl, dass sich da unten was schön anfühlt, ins Licht der Aufklärung und die kindliche Spielerei wird zur Masturbationsphantasie.

Freitag, 14. August 2015

Krankengeschichten

Eine liebe Freundin sagte neulich bei einem Besuch, ich müsse nun aber wirklich mal wieder was bloggen...
Recht hat sie, und in meinem Kopf schwirren vor allem drei Themen rum.

Ich habe es mir in einigen meiner letzten Beiträge leicht gemacht, indem ich mein neues Glück verarbeitet und verteidigt habe.
Auch mein Beitrag zum Tag des Heiligen Jakobus beruht auf eigenen Erfahrungen und sogar meine erste Bibelexegese - oder, besser gesagt, irgendwie so das was ich mir halt dazu glaubend denke - referiert etwas, dass mich ganz persönlich angeht: Ich bin nämlich so eine Nervensäge.

Demgegenüber sind die mir im Kopf rumgeisternden Themen eher schwieriger. Teilweise einfach nur komplexer oder schwerer zu erklären, aber zum Teil auch einfach nerviger, trauriger und blöder.

Immerhin hab ich ja eine Ausrede: Bis Dienstag war ich noch im Krankenhaus, weil mein Knöchelgelenk operiert werden musste. Selbiges hatte ich mir ziemlich zerstört, als ich mit dem Fahrrad in eine Straßenbahnschiene gerutscht und draufgefallen war: Alle 5 Bänder gerissen, Gelenk verschoben, bissl was vom Knochen abgesplittert und letztere im Mark geschwollen (wusste gar nicht, dass es sowas gibt). Aber nix gebrochen. Na das brauch ich jetzt auch nicht mehr.

Wer jetzt denkt, ich hing also da so mit traurigen Gedanken... Der kennt mich einfach nicht.

Blos, dass die Liebsegedichte (siehe oben) zum verbloggen zu intim wurden.
Außerdem kann ich jetzt guten Gewissens dieses Buch empfehlen.

Also gibt es erst mal eine Krankenhausgeschichte:


Meine Zimmergenossin, ebenfalls ein Fahrradunfall, wird gerade abgeholt, als die Ruferin zu Zahlen übergeht.
"300. 320! 330! 340!"
Vorher gab es alle Tage  lang "Hallo!", "Monika!", seltener "Hilfe!" Dabei kaum echte Verzweiflung, sondern der allgemeine Frust der antwortlosen Vergeblichkeit, welcher sich unter die zunehmend trotzige Beharrlichkeit mischte.
Es ist heiß, gestern waren teils 40 Grad, alle Türen und Fenster stehen offen.
"9. 12! 24. 8! ..."
Die Zahlenkolonnen, jede einzeln mit ihrem Ausrufungszeichen, werden sinnloser.
Mein Fuß, der sich mittags bequemt, auch bei einiger Bewegung schmerzfrei zu bleiben, veranlasst mich zum Duschen.
Vom Rauschen der Mischbatterie verdeckt, dazu vereinzeltes Klingen, wenn ein Wassertropfen direkt auf dem großen metallenen Abflussdeckel landet, bekomme ich den Wechsel von Zahlen- zu Wortkolonnen nicht mit.
Ein einleitendes "Monika hilf mir!" dringt durch, dann vereinzelt immer dasselbe "überholen bitte!" oder so.

Ich stelle mir vor, wie ich mich zu ihr setze und sie interviewe.
Was wohl die Zahlen bedeuten? Und wer ist Monika?
"Mit dem Fahrschein überholen!" und "Moni! Fahrschein untersuchen!" - oder war es, erneut, "überholen"? - dringen in meine Gedanken.

Vielleicht könnte man ihr auch den Fernseher anstellen.

Gelegentlich brüllt ein Mann, dessen Zimmer wohl näher an ihrem liegt als meins, "Halt die Fresse!" Manchmal auch: "Jetzt ist aber gut!" was auch nur als Text besser klingt.
Derselbe schimpft laut, als es mit einer Untersuchung dauert. Die Visite, bei der selbige angeordnet wurde, läuft noch.
Eine Pflegerin, die kurz darauf Blutdruck, Temperatur und Puls misst, wird lautstark angemeckert. Er lässt sie gar nicht zu Wort kommen. Ich versuche, ihre Sätze, die von ihm allesamt nach dem ersten Wort abgehackt werden, zusammenzusetzen. Einmal kommt sie bis zum dritten Wort.

"A und fünf bitte neun wählen!" tönt es mehrmals, die Frau im Einzelzimmer nebenan hat Besuch bekommen. Ihr Mann, der jeden Tag mit Kühltasche kommt, fönt ihr die Haare.

"B und C überwiesen!" "Ach da bist du ja. Ich wäre fast an dir vorbeigelaufen." Die Stimme einer jungen Frau, nicht übertrieben fröhlich, sondern erkennbar erfreut, die Ruferin zu sehen.
Einen Moment wird es ruhig.
Liebevoll und vertraut klang die Junge und ich stelle sie mir automatisch schön vor.
Dann geht das Rufen weiter.
Leise, kaum zu bemerken, setzt die Junge ihren Gesprächsversuch fort. Gelegentlich unterbricht die Ruferin ihre Beschäftigung, um etwas zu antworten, leise, in gerade noch hörbar vertrautem Ton.

Mit jemandem sprechen, dessen Geist ständig von sinnlosem Rufen umnebelt wird; sich hinter den eigenen Tönen versteckt wie hinter Wolken.

"A und B runterkommen!" ruft es.
Und, ganz neu, "Läuse!"

Donnerstag, 18. Juni 2015

Ray of Light



Eine Geschichte zur Erholung

He stepped out of the plane, heading for Gate 27.
Half an hour till the connecting flight would take off.
Taking a seat and switching on his mobile was one movement. He took a glance through the hall while the display was loading. It was just as empty as any airport.
A message popped on.
“Text me when arriving at Paris.”
“I’m waiting for the flight to Lyon.” He answered.
Her reaction arrived immediately. “I’ll meet you at the airport. Ready for an exuberant welcome?”
He knew it was pointless to tell her she wouldn’t need to fetch him up at 3 o’clock in the night. So he skipped that to directly go for the welcome.“?” “Yes or no.” It might be inappropriate to say no. “Yes.”
That was it.
He pulled out the phone, wondering whether she was being better already. He’d actually never understood why her stepfather had been that important to her. Receiving the call about his death had put an expression to her face that did even hurt him when thinking of it.
Kind of strange.

It was quite empty at the arrival. He did see her even before reaching the luggage carousel.
She was jumping up and down like a bouncy ball.
Then, once in a sudden, she bounded over the barrier, running to him. With a standing jump she landed on him, closing her legs around his hips.
His exhale of surprise ended up inside of her mouth when she was demandingly kissing him.
“That was an exuberant welcome.” “I told you.” She released him, putting her feet back to the ground. “Where’s your baggage?” He went to fetch it up, her eyes following him.
“Let’s go.” She grabbed for his hand.
They entered a cab and she informed the driver about the address. He frowned. His first time to meet her parents would be on the burial of her stepfather. Strange. He took a glance at her. She didn’t seem to have been crying very much. He remembered her telling him that she did never cry for being sad. With a sigh of pleasure she leaned against him, closing her eyes as he caressed her.
It was dark and there was no way to make out what kind of quarter of Lyon her parents lived in. She led him into the house, stairs up to her attic room without switching any lights on.
In silence she put his case away. He took a breath as if to say something. She swept her finger over his mouth and started to undress him.
She went on until they both were naked, started to stroke him and kiss him.
“Helen.” “You are my personal ray of light. Don’t you know that?”
He kissed her and she pressed her body against his.
There was nothing left to say.

She was still sleeping when he woke up next morning.
He headed for the window. It seemed to be an affluent suburb of the city.
What the hell should he put on now?
He felt uneasy about dressing completely before having a shower.
He felt uneasy about meeting his girlfriend’s mum in a dressing gown.
But how should he be able to tell her that he was about to have a shower if he had dressed completely already? He turned to look at the girl. She was sleeping so peacefully.
You wouldn’t have noticed that she was grief-stricken so much if not her physiognomy would have changed that completely while she was sleeping.
Hell, he would certainly not wake her up as long as she wasn’t about to miss the funeral ceremony.
He opened his suitcase grabbing for a shirt and some sweatpants.
“Bonjour!” he shouted, dashing down the stairs.
He passed the middle level of the house without seeing anyone.
The terrace door was open at ground-floor. “Bonjour!” he called again, the words feeling uncomfortable and alien in his mouth. Just as rotating a moss-grown stone with his tongue.
The woman coming up the path was small.
“Oh, vous déjà réveillé.” She was trying a smile but failed.
That might be about him being already up. “Oui.” More of moss-grown stones were obstructing his mouth. He looked at her. As opposed to her daughter she seemed to have been crying quite much during the last few days. “I’m sorry for your loss.” It was just a try. She blinked at him. Then she seemed to remember something.
Maybe Helen had told her what you’d usually say for expression of sympathy in such a case.
She did turn away from him, hiding a burst out of tears.
He wiped his mouth.
She turned back.
“Élaíne dort encore?”
Sounded like the start of a great day.
He hesitantly nodded. “May I take a shower?”
The puzzled look on the women’s face did accentuate the signs of sadness and despair.
He lifted up his hand signing a circle over his head. “Water. Wash.” “Ah. Le salle de bain est au-dessus au premier etage.” Her smile did work better this time. „La porte du milieu.“
She hurried up the stairs, swung open one of the doors.
“Je vous en prie!”
He blinked at her, being puzzled about how to make clear that he had to fetch up his washbag first. She didn’t move.
He entered the bathroom with a sigh, glancing round it quickly. Then he stepped out again, heading for the stairs. She was still standing there when he came back.
He wanted to lock the door, but there was no key. “Just as nasty as it can be.” He muttered. Well, just don’t pull out the water until you are fully dressed.

At the very moment he stepped out of the shower, he realized he had forgot his towel.
Another sigh.
He tried one of the cabinets. Washing powder, fabric conditioner and stain remover.
Next door. Sanitary pads.
It didn’t seem to get better. Then he discovered hand towels in the next shelf. Something at least. He took out three of them. They were rather small.

Helen was still sleeping when he came up to put his stuff away.
You couldn’t think her life had had any grief seeing her like this.
He descended back to ground level. Her mom was standing in the living room.
“Voulez-Vous prendre un petit dejeuner?” „Qui?“ „Servez-vous s’il vous plaît. Je vais continuer à travailler dans le jardin. J'espère que cela ne vous dérangera pas.” She made a gesture of inviting him to the kitchen. “Qui.” He actually didn’t know anything better to say. It was quite surprising when she didn’t follow him but turned round to get back out into the garden. He paused. She turned again, trying to figure out what was puzzling him. “La corbeille à pain est la-bas.” She signed towards a place on the left side of the worktop. “Prenez tout ce que vous désider dans le frigo.” She passed the terrace door.
Hadn’t she asked him about having breakfast? Another sigh. This would be quite a good moment for Helen to appear.
There was a breadbasket in the corner her mum had shown to him.
He moved forwards, then stopped for another time to wipe his mouth.
Hesitantly he opened the fridge. This was kind of odd.
He closed it again, tried one of the drawers. He had found the cutlery. So far, so good.
He didn’t really feel like self-serving in an unknown household. Maybe a piece of bread with some butter would do for the moment.
Helen and her mom entered the living room at once. She just ignored her mother, quickly heading for him. Her mom didn’t take any notice of her as well, addressing him instead. “Vous n’avez pas du faim?” He could not answer since Helen was kissing him excessively. He cupped her face into his hands. “Your mother is standing over there.” She looked at him teasingly. “I wouldn’t mind having you right in front of her. Maybe on the kitchen table?” He couldn’t help laughing. “I’d actually prefer some bread for breakfast.” “Well, then. Did she tell you to serve yourself?” “Would be a great start to know that.” “Oh, I bet she did. Usually she would.” “Usually?” “Last time I came up with a friend was six years ago. She didn’t care at all.” She started to line up foodstuffs on the table. “Didn’t you have any contact since then?” “I didn’t have at that time as well. It was my father all over. Anything else needed?” He took a glance round the table. Bread, butter, jam, cheese. Some kind of yoghurt. “No cold cuts?” “She never buys any kind of meat.” “Ok.” “Coffee or tea?” She started to search the shelf. “Well, there’s no tea anyway. Don’t mind eating while I’m taking a shower.”
Off she went.
He peeked through the service hatch but her mum had gone back to the garden yet.
Seemed to get even funnier he’d though earlier at the day.
Somehow he started to wonder if anyone would notice that he didn’t speak any French at all.

S. Reh - August 2012

Mittwoch, 10. Juni 2015

Bärige Notfallhilfe


Kürzlich langweite sich ein kleines Püschwesen einige Stunden im Sekretariat eines nich näher bekannten Gymnasiums, bis es von seiner Besitzerin abgeholt wurde.
Da dem Mädchen - nennen wir sie Jule - die Wiedersehensfreude deutlich anzusehen war und sie außerdem Schokolade für die Bärenretterin mitgebracht hatte, war der Faux-Pas schnell verziehen und Jule bekam von ihrem pelzigen Freund folgenden Reisebericht ausgehändigt:

"Liebe Jule!

Als du am Samstag losgelaufen bist dachte ich mir, ich soll mir die Wiese mal genauer ansehen und hatte auch nichts weiter dagegen. Das Gras war so schön saftig grün, die Sonne schien...
Ich habe 5 Mariechenkäfer und 3 Schmetterlinge gesehen. Außerdem gab es Ameisen.
Aber als du dann gar nicht zurück gekommen bist, habe ich mir doch Sorgen gemacht. Es sah nach Regen aus und ich wollte wirklich nicht nass werden.
Außerdem war ich noch nie über Nacht alleine - und dann noch draußen!
Als ich gerade anfangen wollte zu weinen kam eine Frau vorbei.
"Hallo wer bist du denn? Dich hat bestimmt jemand vergessen."
Ich bekam einen gehörigen Schreck. Sollte meine Jule mich wirklich einfach vergessen haben?
"Na so hübsch wie du angezogen bist hat dich aber jemand sehr lieb. Die kommen bestimmt, um nach dir zu suchen."
Da war ich aber erleichtert. Klar, ist doch ganz logisch. Ich weiß noch, wie du mir den Schal und die Socken angezogen hast. Du hast gesagt, dass jetzt, wo es Winter wird, die dünne Jacke allein doch zu wenig ist. Ich bin auch schon sehr gespannt, ob ich jetzt im Sommer wieder das schöne Tuch kriege.
"Aber hier kannst du nicht bleiben. Ich werde dich mitnehmen."
O je! Ich wollte nicht weg - schließlich würdest du mich ja dann nie wiederfinden.
"Die Leute zu denen du gehörst machen bestimmt einen Aushang und dann kann ich sie anrufen und dich zurückbringen. Wenn ich dich hier lasse wirst du noch ganz nass und schmutzig."
Na ja, alles in allem war das doch ein besserer Gedanke, als die ganze Nacht hier zu bleiben.
Als erstes hat die Frau mich mit zum Pizza Essen genommen und dann ist sie mit mir in die S-Bahn gestiegen.
Ihre Wohnung ist ganz schön klein, nicht so viele Zimmer wie bei uns zu Hause.
Ich war doch sehr froh, nicht allein und im Trockenen zu sein, draußen war es ganz schön stürmisch.
Am nächsten Tag hat sie mich mit in die Stadt genommen.
"Weißt du was", hat sie gesagt, "wenn ich dich mitnehme, vermisst du dein Zuhause nicht so doll."
Wir sind ganz lange Bus gefahren und dann waren wir in der Kirche. Da gab es so einen ganz besonderen Duft, der kam aus einem Silbernen Fässchen, das eines der Kinder geschwenkt hat. Das gehörte zu einem Gottesdienst. Ich habe zwar nicht verstanden, worum es ging, aber der Frau schien es mächtig wichtig zu sein.
Danach ist sie mit mir U-Bahn gefahren und dann wieder S-Bahn. Ich wusste gar nicht, dass es so viele Bahnen gibt! Zum Glück hast du mich nicht auf so einem großen Bahnhof vergessen wie der an dem wir ausgestiegen sind! Da waren vielleicht viele Leute!
Wenn du jemals mit mir auf so einen Bahnhof gehst, musst du mich ganz fest halten!
Ich durfte mit der Frau und noch einer andern ins Kino gehen. Der Film hätte dir bestimmt auch gefallen! Zuerst dachte ich, die sehen sich bestimmt so einen Erwachsenenfilm an der mir gar nicht gefällt und wo das Ende überhaupt nicht schön ist. Aber in Wirklichkeit war es ein Trickfilm. Das war toll.
Als nächstes ist die Frau mit mir weitergefahren und wir sind Eis essen gegangen. Dann hat sie mich mit in ein Atelier genommen, das ist ein Raum wo Maler arbeiten. Man konnte auch Bilder ansehen. Dann gab es eine Lesung. Also, eine Frau hat aus einem Buch vorgelesen, dass sie selbst geschrieben hatte. Jetzt habe ich gesehen, dass die Bilder zu dem Buch gehören. Die Frau die sie gemalt hatte war auch da.
Danach war ich schon ganz schön müde. Ich habe gar nicht mitbekommen, wie wir zurück gefahren sind.
Die Frau hatte jedenfalls Recht. Ich war den ganzen Tag lang nicht ein Mal traurig gewesen.
Aber am nächsten Morgen hatte ich doch schon große Sehnsucht nach dir.
"Ich muss leider erst arbeiten gehen." Hat die Frau gesagt. "Wenn ich dich nitnehme bist du nicht so allein."
Da habe ich gesehen, dass die Frau eine Lehrerin ist, ihre Arbeit war nämlich in einer Schule. Ich dachte mir, ich sehe mich mal um. Du musst ja auch bald in die Schule gehen und wenn ich weiß, wie so eine Schule aussieht, kann ich mir besser vorstellen wo du bist.
Es war lustig, den Kindern in der Pause beim Spielen zuzusehen. Die ganzen Lehrer haben ziemlich viel Kaffee getrunken.
Abends war noch eine Konferenz, aber ich habe davon nichts mitbekommen, weil ich eingeschlafen bin.
Die Frau hat auf dem Rückweg wirklich die Zettel gefunden, die du zusammen mit Mama ausgehängt hast, und noch angerufen.
Jetzt bin ich aber froh, dass du mich morgen abholen kommst!
Bitte pass immer gut auf mich auf.
Dein Teddy."