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Samstag, 10. August 2019

Gott liebt mich - und genau deshalb brauche ich keine tägliche Nabelschau. Gedanken zum Forum Altötting 2019

Wie einige vielleicht wissen, war vom 1. bis zum 4.08. das Forum Altötting 2019.
Dieses jährliche Treffen der Gemeinschaft Emmanuel lädt Mitglieder und Interessierte zu einer Tagung mit Lobpreis, Gebet, Heiligen Messen, Workshops und Gelegenheit zur Anbetung ein.


Tatsächlich kam ich durch einen Veranstaltungshinweis via Facebook auf die Idee, mit Mann und Kind daran teilzunehmen.
Es gab im Vorfeld einige Probleme, die mich davon überzeugten, dass Gott uns dort haben möchte. Padre Pio habe wohl auf den Bericht über Pläne des öfteren gegengefragt, ob der Teufel sich schon geregt habe; so in etwa fasste ich die Rückschläge in den Vorbereitungen auf.


Mit entsprend großen Erwartungen machten wir uns auf den Weg - einen halben Tag waren wir im Zug unterwegs.
Wobei: Was habe ich erwartet? Letztlich Tage, bei denen Christus im Mittelpunkt steht. Tage gemeinsam mit anderen Menschen, die jeden Tag neu Christus zum Mittelpunkt ihres Lebens machen. Impulse genau dazu - zu einem Leben, in dem es um Christus geht.

Meine Tochter beobachtet uns genau und probiert sich gerne aus. Hier das Ergebnis. Eigenes Foto.


Der erste Abend begann sehr schön mit einem Meetup; wir kamen auch mit recht vielen anderen Teilnehmern ins Gespräch.
Zu meinem Bedauern ergaben sich während der restlichen Zeit keine weiteren Kontakte. Auch die am ersten Abend geknüpften ließen sich nicht vertiefen.
Die Taizé-mäßige Organisation der Essensausgabe fand ich ja durchaus sympathisch. Leider führen Bierbänke unter freiem Himmel nun mal nicht automatisch dazu, dass die Menschen, die dort essen, miteinander ins Gespräch kommen.

Was mich jedoch tatsächlich wesentlich stärker erstaunte und befremdete, war der übermäßge Hang zur Nabelschau. Sei es in der Moderation im und um den Lobpreis herum (Wieso zur Hölle moderiert man Lobpreis?), in den Predigten oder in den Workshops selbst.
Ich ich ich ich ich. Gott wollte mich, kann ich darin Selbstbestätigung finden? Gott liebt mich, wie geht es mir damit, und warum ist das ein Grund für mich, klarzukommen und mich gut zu fühlen? Ich ich ich ich ich. Ich werde gebraucht; warum möchten wir uns gebraucht fühlen und warum verhilft eine Beziehung zu Gott zum ultimativen Gebrauchtsein?

Leudde. Ich habe in meinem Leben genau zwei wichtige Entscheidungen aus der Motivation, mich gebraucht fühlen zu wollen, getroffen: Einmal bin ich dadurch in einer Art Sekte gelandet und einmal bin ich eine inzwischen annullierte Ehe eingegangen.
Und was ich für Scheiß gemacht habe, als es mir nur darum ging, mich geliebt zu fühlen, wollt bzw. sollt ihr gar nicht wissen. Ist eh längst gebeichtet.


Ob man sich geliebt und/oder gebraucht fühlt, sagt rein gar nichts darüber aus, ob man geliebt wird und/oder dort wo man ist richtig steht.
Natürlich können Gefühle des Ungeliebtseins und der Nutzlosigkeit wichtige Alarmzeichen sein, und man sollte diese niemals ignorieren. Aber ob diese Gefühle tatsächlich z.B. eine Schieflage in der Beziehung zum Partner, einen notwendigen Wechsel der Arbeit oder einen Lockruf hin zu neuen Wagnissen anzeigen - oder eben nicht -, ist eine ganz andere Frage. Sie können auch ein Anzeichen für eine behandlungsbedürftige Depression sein. Oder für Altlasten stehen, die noch nicht so recht aufgearbeitet sind. Oder für unsere Schwierigkeiten, dem eigenen Glück zu vertrauen; Gott zu vertrauen, dass er schon einen Plan damit hat, wo er uns hinbugsiert.

Wenn ich dabei stehen bleibe, wie ich mich fühle, wird meine Gottesbeziehung nie wirkliche Tiefe erreichen; denn dazu muss ich eben bereit sein, Gott nicht nur in die "vollkommene Freude", sondern auch an das Kreuz zu folgen. Wer die Tiefen scheut, wird auch die Höhen bald kaum noch bemerken. Wer die Dunkelheit nicht kennt, kann gar nicht ermessen, wie kostbar es ist, in Christus "das Licht der Welt" zum Freund zu haben.


Mein Mann und ich hatten uns für den Workshop "Abenteuer Alltag" entschieden.
Leider war der Impuls auch hier zu sehr ein "wir erzählen mal wie wir es so machen", als dass er wirklich geistliche Nahrung, die für den Alltag stärkt, ergeben würde. Zumal der Vortragsteil auch recht viele Plattitüden und Gemeinplätze enthielt (scheinbar gehört das wirklich zu deren beabsichtigtem Stil; die Moderation war auch voll davon).
Sich mal austauschen und voneinander lernen, wie man den Alltag so organisiert, dass Christus im Mittelpunkt bleibt, kann man ja machen. Es gab da auch durchaus einige gute Anregungen. Doch als Workshop ist es ein bisschen wie Salat und Backkartoffel ohne Steak.

Wichtig ist doch: wie kann ich meinen Alltag heiligen? Was hilft dabei, das tägliche Gebet zu pflegen, auch bei die kleinen Dinge in der Liebe zu Christus zu tun, mich nicht von Sorgen schrecken zu lassen, sondern ganz Gott zu vertrauen - egal, ob bei den 100 kleinen alltäglichen Problemen oder bei dem einen großen Brocken... 
Wie? Mehr beten. Im Kleinen treu sein; z.B. keine Vorteilsnahme, keine Notlügen, keine Ungeduld, kein Aufschieben unangenehmer Aufgaben, keine Ängste pflegen sondern auf das Kreuz Christi schauen.
Das ist so das was mir einfällt, wo ich weiß, ich muss nicht nur mich selbst ermahnen, sondern es auch tun. Wo ich weiß, ich muss disziplinierter werden. Auch ich muss lernen, auf Christus zu schauen.

Irgendwie fehlte mir am Forum allgemein einfach genau das: Anleitung, wie man sich mehr auf Christus hin ausrichten kann.

Symptomatisch für das, was dem Forum meiner Meinung nach fehlte, scheinen mir auch zwei andere Begebenheiten, die ich hier kurz berichten möchte.
Beide spielten sich am Samstag ab und ich berichte hier einfach mal in der chronologischen Reihenfolge.
Am Samstag gab es Freizeitangebote, die den Ablauf auflockern sollten und gleichzeitig natürlich auch noch mal einen anderen Rahmen boten, um sich untereinander kennenzulernen. Mein Mann und ich entschieden uns sofort für das Pilgern von Heiligenstadt nach Altötting. Es hieß in der Info dazu, der Weg sei Kinderwagengeeignet und etwa 5km lang. 5km. Für mich nach dem Fahrradunfall schon eine Hausnummer, aber, wie kürzlich beim Familienbesuch in der Heimat meines Mannes erprobt, machbar. Unser Kind läuft gerne und da sie auch gerne rennt, schafft sie mit ihren fast 2 Jahren schon so einiges, was Strecke und Tempo angeht.
Es war unbeständiges Wetter mit Regen und Gewitter angesagt, aber auch die Tatsache, dass wir keinerlei Regenbekleidung mit nach Bayern gebracht hatte, änderte letztlich nichts daran, dass der Pilgerweg für uns die einzige sinnvolle Option war: Wir sind beide nicht an Sportspielen interessiert, dafür jedoch vom Jakobusfieber infiziert...
Von Altötting aus machte sich eine nicht unbedingt kleine aber dennoch überschaubare Gruppe auf den Weg. Es ging in sehr netter Atmosphäre mit der Bahn nach Heiligenstadt, wo uns die Wallfahrtskirche aufgeschlossen wurde. Unsere Tochter war auf dem Weg zum Bahnhof im Kinderwagen eingeschlafen. Nach einer interessanten Einführung zur Kirche begannen wir die Pilgertour mit einer Andacht. Nach vielleicht 20 Minuten Gehzeit kamen wir zum ersten Mal in einen starken Regen und mussten uns unterstellen. Ich war dankbar, dass meine Tochter schlief; so reichten das Verdeck des Buggys und ein dickes Halstuch von mir, um sie vor Regen zu schützen. Unsere Pilgerführer hatten Schirme dabei, weswegen ich den Regenponcho von Schwester B. bekam. Zunächst habe ich mich ja fast geziert, aber ich war dann doch sehr froh darüber. Es klarte auf und wir setzten unseren Weg fort. Es wurde überlegt, ob wir wegen des immer noch unbeständigen Wetters ohne Pause weiterlaufen sollten, doch schließlich wurde die Pause am vorgesehenen Ort gemacht. Nach kurzer Zeit begann es wieder zu regnen und es folgte ein hastiger Aufbruch. Das Biotop mit Bachlauf und Biberburg war zwar ein schöner Fleck Erde, aber dann doch nur für trockeneres Wetter geeignet. Der Regen hörte auf, meine Tochter wurde wach und lief munter und flott mit. Zwischendurch ging ein junger Mann aus unserer Gruppe noch einmal zurück, um nach einer älteren Dame zu sehen, die, wie sich später herausstellte, bereits vorausgelaufen war. Wir wurden dazu eingeladen, uns zu Emmausgesprächen zusammenzufinden. Das fand ich sehr schön. Meine Tochter wurde derweil langsamer und ich musste schließlich aufgeben, bei der Gruppe bleiben zu wollen. Sie merkte, wie ich nervös wurde. Das Spiel 'Mal sehen, ob du so schnell rennen kannst wie Mama!' klappte nicht mehr. Sie ist halt nicht blöd: wenn ich es nur mache, um zu übertünchen, dass ich sie antreiben will, bleibt sie stehen. Währenddessen hatte die Gruppe das Tempo angezogen. Ich hatte meinen Mann vorausgeschickt, weil ich gesehen hatte, dass einer der Mitpilger Müll vom Wegesrand aufgelesen hatte und diesen nun in der Hand trug. Ich kramte eine Tüte hervor und schickte ihn damit vor, mehr oder weniger unbewusst erwartend, dass die Gruppe, nachdem er sie einmal eingeholt hatte, auf mich und das Kind warten würde.
Tja. Da fand ich mich allein auf weiter Flur. Eigetlich war es schön, aber ich konnte es nicht genießen. Meine Tochter entdeckte dies und das am Wegesrand, fröhlich-fordernd erklang das "Da!". Mich erfasste die typische Panik, die einen beschleicht, wenn man den Anschluss verliert, abgehängt wird. Ich konnte nicht so reagieren, wie ich es gewollt und mein Kind es gebraucht hätte. Stattdessen setzte ich sie schließlich in den Buggy und hetzte los, ihr Protestgeheule verstummte nach kurzer Zeit. Keine Chanche. Ich lief jetzt so schnell ich konnte, aber der Abstand zwischen mir und der Gruppe wurde immer größer. Dafür kam mein Mann uns entgegen. Er hatte es tatsächlich selbst auch nicht geschafft, die Gruppe einzuholen. Irgendwo in einer Ecke meines Hirns saß ein gekränktes Selbst und nahm sich vor, möglichst laut in den ja dann wahrscheinlich schon laufenden Abschlussgottesdienst zu platzen, um dann demonstrativ erstaunt zu tun, wieso er denn schon angefangen hätte. Es kam jedoch anders. Ein erneuter starker Regenguss ließ uns unter einer Brücke direkt vor dem Ortseingang von Altötting Schutz suchen, wo wir auf die Gruppe der "Young Professionals" trafen, die uns zwischenzeitlich ebenfalls überholt hatte. Der kräftige Regen war beständig, und als er irgendwann ein My schwächer wurde, hatten wir eigentlich nur noch den kürzesten Weg ins nächstbeste Lokal im Sinn, wo wir dann bis zum Barmherzigkeitsabend blieben, aber das wäre dann auch schon die zweite Episode.

Ich habe wirklich überlegt, ob ich die Sache mit dem Pilgerweg aufs Tableau bringe. Aber ich finde schon, dass man die naheliegende Frage, wieso man als Pilgergruppe nicht wenigstens mal jemanden zurückschickt, um zu fragen, ob man auf uns warten soll, durchaus auch öffentlich stellen soll und darf.
Ich hatte nämlich durchaus die Absicht, den Pilgerweg auch mit dem Abschlussgottesdienst in der Gnadenkapelle abzuschließen. Auf diesen hatte ich mich wirklich gefreut.
Ich sehe auch nicht wirklich ein, wieso besagte Brücke nicht auch unserer Gruppe hätte als Unterstand dienen können.
Und ich verstehe auch wirklich nicht, warum man eine Mutter mit Kind einfach gnadenlos abhängt, nachdem man kurz vorher noch jemanden nach einer anderen Mitpilgerin zurückgeschickt hat...
Sowas kommt halt dabei raus, wenn man sich solche Themen wie "Du bist geliebt" und "Du bist gebraucht" für geistliche Impulse aussucht und dann bei der Nabelschau stehen bleibt und Gott quasi zum dekorativen Rahmen um das eigene Spiegelbild degradiert, das man immerzu betrachtet.
Dann kommt man natürlich auch nicht auf die Idee, dass die Abschlussandacht vielleicht auch für den letzten Mitpilger wichtig ist und dass ein "Ach die werden schon irgendwie ankommen!" da nicht so die richtige Idee ist.

Ebenfalls am Samstag war der Barmherzigkeitsabend. Unser Kind hatte im Restaurant, in dem wir Kaffeezeit und Abendessen verbracht hatten, etwas geschlafen und war punktgenau beim Betreten der Kirche wieder aufgewacht.
Sie war aber ganz ruhig, saß zu meinen Füßen oder auf meinem Schoß oder stand mit dem Kopf auf meinen Knien. Wir hatten den Kinderwagen an einem der Seitenaltäre der St.-Annen-Basilika gelassen und uns vorne hingesetzt. Ich sah an der Seite die bereitgestellte Monstranz und freute mich tierisch auf die Anbetung. So ließen wir die überflüssige aber erfreulicherweise nicht allzu lange Moderation über uns ergehen. Lobpreismusik setzte ein. Ich war zunächst nur leicht befremdet, als wieder Moderation kam statt Aussetzung des Allerheiligsten. Es folgte noch ein Lobpreislied und dann - oh Graus! - wieder Moderation. Es wurden zwei Zeugnisse eingeleitet.

Bevor ich hier weiter "rante", muss ich mal einige grundätzliche Worte zum Thema Zeugnisse auf dem Forum loswerden.
Zeugnis geben ist eine klasse Sache. Zu sehen, wie Gott in den Menschen und in ihrem Leben wirkt, ist toll. Nur ist eben auch nicht jede schwere Entscheidung, nicht jede unverhoffte Wendung im eigenen Leben ein Grund, darüber Zeugnis ablegen zu sollen und zu können. Zumal, wenn der Hang zum Faseln, der scheinbar das verbindende Element der Gemeinschaft Emmanuel ist (sorrynotsorry), dafür sorgt, dass Dinge, die man in zwei Sätzen sagen kann, episch ausgebreitet werden. Zumal, wenn man wirklich in jede Andacht mindestens zwei Zeugnisse einbaut.

Leudde. Natürlich wirkt Gott in eurem Leben. Natürlich lenkt er auch gerade da, wo es schwer ist, wo es euch undurchsichtig und irgendwie sinnlos erscheint. Natürlich nutzt er Prüfungen, um euch die Augen zu öffnen und euch neu und tiefer in seine Nachfolge zu führen.
Aber all das ist kein Grund, stundenlang darüber zu reflektieren, wie ihr euch dabei gefühlt habt. Man erkennt Gott nicht darin, wie man sich fühlt. In dem Moment, wo man merkt, was Gott einem zeigen will, weiß man es einfach. Man fühlt es nicht. Man weiß es. Das ist das entscheidende. Das ist es, was einen vom Pferd stürzt. Man kann natürlich auch, statt den Boden zu küssen, vom Ross des Irrtums auf den Esel der Nabelschau umsteigen... ich ich ich ich ich. Nein, verdammt. Gott hat!

Nunja. Das war eigentlich der Rant.

Der Abend der Barmherzigkeit endete für uns damit, dass wir noch während des zweiten Zeugnisses rausgehen mussten, weil meine Tochter unruhiger wurde. Dabei hatte sie ungefähr eine halbe Stunde wirklich ruhig durchgehalten - eine beachtliche Leistung für eine noch nicht ganz Zweijährige. Es wäre nach der Aussetzung auch überhaupt kein Problem mehr gewesen, denn dann hätten wir mit ihr zusammen nach vorne gehen können, hätten uns ablösen können, dass mal einer etwas mit ihr rumläuft und einer anbetet oder z.B. beichtet usw. Auch ein gemeinsamer Besuch bei einem Segnungs/Gebetsteam wäre kein Problem gewesen. Bloß stillsitzen ging halt nicht mehr. Und vor uns waren schon zwei andere Familien vom Ordnungsteam ermahnt worden, sie müssten dafür sorgen, dass die Kinder auf ihren Plätzen bleiben.

Lasset die Kinder zu mir kommen. Heute wie damals für viele in der praktischen Anwendung ein Problem.

Es ging mir da in etwa so wie Teenie-Fans beim Konzert ihrer Lieblingsbands. Damals, in den 90ern, als die Teenies so richtig schwärmten für ihre Bands, ihre Idole. Man lässt das Vorprogramm nur deshalb über sich ergehen, weil man sich so sehr auf das freut was danach kommt.
Und wahrscheinlich hätte ich genau das gemacht, einfach abgewartet, bis die mit dem ganzen anderen Quark fertig sind und endlich das Allerheiligste ausgesetzt wird.
Ich bin aber eben nicht bloß Jesus-Fan, sondern auch Mama und Ehefrau.

Und nu?
Schön fand ich die Wiese der Anbetung; während des Forums wurde das Allerheiligste im Kreuzweggarten ausgesetzt.
Schön war, eine Bekannte zu Treffen, die ich vom Nightfever kenne und mit der ich mich irgendwie auf besondere Weise verbunden weiß, obwohl unser Kontakt eher sporadisch ist und sich hauptsächlich im füreinander Beten abspielt.
Wirklich spannend und begeisternd finde ich, dass FidesCo auch Familien als Missionare entsendet.

Das Forum ist jedenfalls nichts für uns. Es bot sich uns dar als kaum christusbezogen, voller Küchenpsychologie und Selbstbespiegelung. Es gab viel Gefasel, Plattitüden und Wohlfühlbotschaften. Das mit der Auszeichnung, die wir als Kinder Gottes und Miterben Christi tragen, auch Verantwortung einhergeht, kam nicht vor.

Am Sonntag haben wir die Unterkunft geputzt, in Ruhe gefrühstückt, uns aus den vielen Messen in Altötting eine herausgesucht und noch die Ausstellung im Haus St. Benedikt angesehen.

Was bleibt ist neben den guten Eindrücken von Altötting selbst das Bewusstsein, daass ich mich noch sehr bessern muss. Nicht nur auf all das hin wobei ich mir Hilfe und Stärkung vom Forum erhofft hatte, sondern auch in Bezug auf meine Geduld und Demut; meinen Willen auf das Kreuz Christi zu schauen statt auf mich und meine Bedürfnisse. Denn so viel weiter als die Macher des Forums bin ich dann wohl auch wieder nicht...

Sonntag, 1. Juli 2018

Kein Wunder

Im Februar dieses Jahres wurde die 70. Wunderheilung von Lourdes offiziell anerkannt. Das ausgeklügelte Verfahren, mit dem die Heilungen untersucht werden, welche Pilger dem medizinischen Büro in Lourdes vorlegen, siebt aus den vielen Erlebnissen von Heilung und Besserung des persönlichen Zustandes diejenigen aus, bei denen eine nachweislich spontane, nicht erklärbare Heilung geschah. Die Untersuchung erfolgt anhand überprüfbarer Kriterien durch ein internationales Komitee unabhängiger Mediziner. Wenn diese eine Heilung als nicht erklärbar einstufen, ist es die Aufgabe der Diozese von Lourdes, darüber zu entscheiden, ob dies als Wunder anerkannt wird.

Es gibt Wunder.
Die Tatsache, dass diese nicht erklärbar sind, ja dass es sie nach wissenschaftlichen Erkenntnissen überhaupt nicht geben dürfte, zeichnet sie als Wunder aus.
Manche dieser Wunder - wie z.B. die Heilungen von Lourdes - sind sehr gut belegt.



Im heutigen Sonntagsevangelium (1.07.18, 13. Sonntag im Jahreskreis) werden gleich zwei Wunderheilungen geschildert: die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers Jairus.

Es ist eine seltsame Gewohnheit moderner Theologie, die Schilderung der Krankheit und der Heilung zu einem bloßen Symbol zu erklären. Frei nach dem Motto "weil nicht sein kann was nicht sein darf" wird die blutflüssige Frau dann schnell mal ein frühes Beispiel für das Münchhausen-Syndrom oder die Tochter des Jairus wird zum vernachlässigten Kind überarbeiteter Eltern, deren Prioritäten Jesus im Rahmen der Wunderheilung wieder geraderückt.

Ich persönlich habe für diese Art des Wegerklärens immer weniger Verständnis, ja es macht mich inzwischen regelrecht wütend.
Natürlich ist es legitim, sich zu fragen, was die einzelne Wundererzählung dem Bibel lesenden Christen heute über sein eigenes Glaubensleben zu sagen hat. Doch nichts spricht dagegen, das geschilderte Heilungswunder als solches stehen zu lassen und anzuerkennen.

Ich möchte im Folgenden begründen, warum das "Wegerklären" von Wundern aus meiner Sicht nicht nur nutzlos und überflüssig ist, sondern auch schadet.

1. Dass es Wunder gibt, ist mit Hilfe von aktuellen Fällen wie z.B. den Wunderheilungen von Lourdes leicht nachzuvollziehen. Man kann diese als Beispiel nutzen, um leicht anhand nachvollziehbarer Kriterien zu erläutern, warum es manchmal Sinn macht, etwas als Wunder anzuerkennen und inwieweit diese Anerkennung auch aus wissenschaftlicher Sicht plausibel erscheinen kann.
Man darf auch gerne darüber aufklären, dass ein Wunder genauso einwandfrei belegbar sein kann wie jede andere historisch faktische Begebenheit. Ein Wunder zeichnet sich nämlich nicht primär dadurch aus, dass es unklar wäre, ob es wirklich passiert ist, sondern dadurch, dass das, was passiert ist nicht erklärbar ist.
2. Wenn wir also erkennen, dass es auch heute Geschehnisse gibt, die von unabhängigen Wissenschaftlern und Medizinern als unerklärlich eingestuft werden, dann gibt es absolut keinen Grund, nicht auch anzuerkennen, dass solche Wunder auch in biblischen Zeiten geschehen sein können.
3. Für Gläubige Menschen ist die Authentizität biblischer Wunderberichte umso plausibler, als dass noch heute durch Gebet und/oder Fürsprache Mariens und der Heiligen Wunder geschehen; wie viel mehr ist es da wahrscheinlich, dass Menschen in der leibhaftigen Begegnung mit Jesus in seiner gottmenschlichen Natur auf Erden geheilt wurden!
4. Für Nichtgläubige ist es schlichtweg egal, ob wir an die Authentizität biblischer Berichte glauben - und zwar ganz unabhängig davon, ob es sich dabei um Wunderheilungen oder andere Berichte aus dem Leben und Wirken Jesu handelt. Wer nicht glaubt, dass es Gott gibt und/oder dass dieser Gott Jesus ist, der uns am Kreuz erlöst hat, dessen Unglaube wird nicht dadurch infrage gestellt, dass wir sagen, die Wundererzählungen seien nur symbolisch gemeint.
Man kann die Menschen, die nicht an Christus glauben, grob in folgende Gruppen einteilen: a) Agnostiker, denen es vereinfacht gesagt egal ist, ob es Gott gibt, b) Atheisten, die Gott ablehnen und c) Angehörige anderer Religionen oder Kulte. Keiner von diesen wird sagen: "Ja also das Jesus als wahrer Mensch und wahrer Gott auf die Welt gekommen, gestorben und auferstanden ist und uns erlöst hat; das würde ich ja schon glauben, wenn da nicht diese Berichte von Wundern wären, die Jesus gewirkt haben soll. Also göttliche und menschliche Natur, Auferstehung und Erlösung - ja klar; aber dass er Krankheiten geheilt haben soll - nee, also da wird es mir echt zu viel."
5. Selbst wenn man Menschen durch das Negieren alles Übernatürlichen dazu bringen könnte, anzuerkennen, dass es diesen Jesus wirklich gegeben hat - das ist dann irgendwie auch egal.  Wenn an Jesus nämlich nichts Übernatürliches ist, dann ist er auch nicht Gott und dann muss ich auch nicht an ihn glauben; jedenfalls nicht mehr als an Che Guevara oder an Mahatma Gandhi. Oder an mich selbst.

Was bleibt?
Auf die Frage, wieso man so etwas macht - also warum man als Theologe eine Erklärung überlegt, die auf abenteuerlichen Wegen Möglichkeiten findet, hinter der Wundererzählung auf jeden Fall etwas anderes zu sehen  und auf keinen Fall etwas Übernatürliches - bleibt eigentlich nur eine Antwort:
Offenbar mangelt es vielen am nötigen Mut, sich den eigenen Unglauben einzugestehen und sich von Christus hinausführen zu lassen in das, was alles menschliche Denken übersteigt.
Offenbar nimmt sich so mancher lieber eine Idee davon her, wie Jesus ein toller Mensch und ein gutes Vorbild gewesen sei, als sich mit dem wahren Gott und Herrn Jesus Christus herumzuplagen.
Nun ja: in Wirklichkeit haben wir alle diese Tendenz. Ich denke aber, gerade die Theologie sollte uns helfen, dem nicht nachzugeben und stattdessen Gott die Ehre zu geben.

Bei mir bleibt auch die Frage: Wieso predigt man denn so etwas? Für wen? Woher kommt die Einbildung, dass ausgerechnet in der Kirche allsonntäglich Menschen versammelt sind, die vor der Zumutung des Unerklärlichen die Nase rümpfen? Wieso nimmt man an, dass die biblischen Berichte über Wunderheilungen Jesu durch Umdeutungen und Verharmlosungen entschärft werden müssen, während andere Medien, die von unerklärlichen Dingen berichten (wie z.B. die Serie X-Faktor), absolut erfolgreich sind?

Nun ja, mag da so mancher sagen: vielleicht gäbe es bessere Predigten als solche, die die von Christus geheilten Krankheiten kurzerhand zur Einbildung der Geheilten oder zum Indikator für zu geringe Beachtung der Kinder  erklären. Dennoch schadet es ja wohl nicht.
Aber mal ehrlich: was würden wir wohl sagen, wenn ein Priester einer schwer kranken Frau bescheinigt, sie würde sich das nur einbilden? Oder wenn jemand zu den Eltern eines im Sterben liegenden Mädchens sagte, ihr Kind sei ja nur krank geworden, weil diese zu viel arbeiten würden, statt mal ihre Zeit dem Familienleben zu widmen? Klingt zynisch? Ist es auch. Und genau deshalb regt es mich auf, wenn eine Predigt so damit beschäftigt ist, auf keinen Fall ein Wunder zuzugeben. Es ist zynisch und ungerecht. Es nimmt weder die biblischen Gestalten ernst noch die Zuhörer noch Gott.

Was hätte wohl die dieses Jahr als Wunderheilung anerkannte Ordensschwester gesagt, wenn man ihr übergeholfen hätte, ihre Krankheit sei nur eine Einbildung gewesen und habe im Wesentlichen auf Geltungssucht beruht?

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Wenn das Kind schläft

In einer Facebook Gruppe für Mamas die diesen Herbst entbunden haben postete eine junge Frau ein Meme folgenden Inhalts:

"Du kannst ja schlafen wenn das Kind schläft." - Ja klar. Und ich esse wenn das Kind isst, koche wenn das Kind kocht, dusche wenn das Kind duscht und kaufe ein wenn das Kind einkauft.

Meine Tochter hat im Moment damit zu kämpfen, dass einerseits das kleine Verdauungssystem noch lange nicht ausgereift ist und andererseits Milch von Natur aus zur Schaumbildung neigt.
Auch erwitert sich ihr Blickfeld in der fünften Lebenswoche von 30 auf 75 Zentimeter und ihr Sehen wird schärfer und kontrastreicher, so dass sie die Welt ganz neu erfährt und entsprechend viel zu verarbeiten hat.

Aber wenn ich immerzu innerlich umgetrieben werde von all dem was ich noch tun muss - oder gerne tun würde denn beides fällt natürlich nicht immer zusammen - übertrage ich zusätzlich meine Unruhe auf das kleine Wesen, das weder Zeit noch Ort kennt sondern nur den Augenblick.

Stattdessen sollte ich wohl von dir lernen meine Kleine; lernen, ganz da zu sein und sonst nichts. Das ist es wohl was die Großem mühsam einüben müssen und was man Gebet nennt oder was zumindest einen Großteil dessen ausmacht was Gebet soll. Leben im Jetzt und Hier und sich vor Gottes Angesicht wissen.
Denn bevor wir dich erziehen erziehst du uns und bevor du anfangen musst zu lernen lernen wir von dir.

Ich habe vor der Geburt meines Kindes schon gewusst, dass es Quatsch ist, ein Baby z.B. zum Schlafen oder Durchschlafen erziehen zu wollen oder zu festen Essenszeiten. Ein Baby braucht die Nähe seiner Eltern, nur ein Ort wo es sie sehen, ihren Atem und Herzschlag hören und ihre Nähe spüren kann ist ein guter Ort. Ein Baby hat einen winzig kleinen Magen und Muttermilch ist schnell verdaut. Ein Baby besitzt überhaupt nicht die kognitive Fähigkeit, etwas "nur aus Jux" zu wollen was es eigentlich gar nicht braucht. All seine Bedürfnisse sind echt - und dringend.
Was ich nicht wusste war z.B., dass Babys bis zum Alter von sechs Monaten überhaupt keine Tiefschlafphase haben, da ihr kleines Gehirn darauf programmiert ist, ständig zu überwachen, dass es nicht allein gelassen wird.

Ich kann auch mal eine halbe Stunde später essen, du nicht.
Ich kann alleine einschlafen und fühle mich meist sicher ohne dem erst nachspüren zu müssen, du nicht.

Mein Kind.
Werde klar im Glauben.
Froh in der Hoffnung.
Fest in der Liebe. 

 

Sonntag, 15. Januar 2017

MEHR Ankunft

Winter an einer S-Bahnstation in Berlin. Eigenes Foto.

Mit Eiskristallen im Haar, mehrmals
Komplett durchgefroren
Und unterwegs
Noch schnell
Ne akute Grippe kuriert.
Jetzt.
Raum der Stille.
Du.
Ich.
Du.
Anbetung.

Montag, 24. Oktober 2016

Erste Liebe Rosenkranz

John William Waterhouse: Study of a female figure with rosary, 1890 (Quelle: Wikimedia Commons)
Ein Artikel auf den Cathwalk nutzt des Vergleich mit dem Treffen der Liebenden, um den Rosenkranz näher zu erklären: Es ist nicht etwas, das man zu absolvieren hat, oder schnell hinter sich bringen will...

Die einfachen Gebete, die sich ablösenden Vater Unser, Ave Maria und Ehre Sei Dem Vater die dem Glaubensbekenntnis in gleichmäßiger Reihe folgen, bilden einen Rahmen, innerhalb dessen man sich einswingen kann auf das Leben Jesu. Einen sicheren Pfad von dem aus man sich der Betrachtung der Geheimnisse Gottes widmen kann.

Gleichzeitig können wir Jesus durch die Augen seiner Mutter ansehen, von der es heißt:
"Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach." (Lk 2, 19)

Tatsächlich habe ich genau diese Erfahrung bei meinen ersten Anfängen des Rosenkranzbetens gemacht. Ein Gebet, in dem sich all die Stationen des Weges Jesu einer Betrachtung öffnen und sich mir offenbaren, während die Hand der Mutter mich anleitet, zusammen mit den gläubigen Worten und dem entdeckenden Staunen meine eigenen Sorgen und Nöte Gott vor die Füße zu legen.

Auch mit ist es passiert, dass ich meinen Rosenkranz runtergeleiert oder durchgehetzt habe, atemlos: Wer dieses Gebet zum Sport macht dem wird es schnell sauer werden.

Doch in der Zeit der ersten Liebe, in den Monaten nach meiner Taufe, die ich mit fast 20 Jahren empfangen hatte, habe ich erfahren was dieses Gebet wirklich kann.
Auf dem Boden meines Zimmers sitzend, enthob ich mich damit der Zeit, lernte Jesus und seine Mutter wirklich kennen, sah sie, sprach und litt mit ihnen, oft alle drei Rosenkränze hintereinander in einer Zeit, die den Mittag Nachmittag werden ließ und den Nachmittag den Abend berühren sah in einem Wimpernschlag.

Es geht.
Geduld. Aufmerksamkeit. Sich führen lassen. Loslassen. Die eigenen Gedanken nicht scheuen, sondern sie zusammen mit den Worten an den Perlen entlang Gott darreichen.

Ein Termin der sich lohnt.

Denn Gott liebt jeden mit der Qualität der ersten Leidenschaft. Egal wie kurz oder lang die Taufe her sein mag.
Michelangelo Merisi da Caravaggio, Rosenkranzmadonna, Detail, 1606-1607 (Quelle: Wikimedia Commons)