Im Februar dieses Jahres wurde die 70. Wunderheilung von Lourdes offiziell anerkannt. Das ausgeklügelte Verfahren, mit dem die Heilungen untersucht werden, welche Pilger dem medizinischen Büro in Lourdes vorlegen, siebt aus den vielen Erlebnissen von Heilung und Besserung des persönlichen Zustandes diejenigen aus, bei denen eine nachweislich spontane, nicht erklärbare Heilung geschah. Die Untersuchung erfolgt anhand überprüfbarer Kriterien durch ein internationales Komitee unabhängiger Mediziner. Wenn diese eine Heilung als nicht erklärbar einstufen, ist es die Aufgabe der Diozese von Lourdes, darüber zu entscheiden, ob dies als Wunder anerkannt wird.
Es gibt Wunder.
Die Tatsache, dass diese nicht erklärbar sind, ja dass es sie nach wissenschaftlichen Erkenntnissen überhaupt nicht geben dürfte, zeichnet sie als Wunder aus.
Manche dieser Wunder - wie z.B. die Heilungen von Lourdes - sind sehr gut belegt.
Im heutigen Sonntagsevangelium (1.07.18, 13. Sonntag im Jahreskreis) werden gleich zwei Wunderheilungen geschildert: die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers Jairus.
Es ist eine seltsame Gewohnheit moderner Theologie, die Schilderung der Krankheit und der Heilung zu einem bloßen Symbol zu erklären. Frei nach dem Motto "weil nicht sein kann was nicht sein darf" wird die blutflüssige Frau dann schnell mal ein frühes Beispiel für das Münchhausen-Syndrom oder die Tochter des Jairus wird zum vernachlässigten Kind überarbeiteter Eltern, deren Prioritäten Jesus im Rahmen der Wunderheilung wieder geraderückt.
Ich persönlich habe für diese Art des Wegerklärens immer weniger Verständnis, ja es macht mich inzwischen regelrecht wütend.
Natürlich ist es legitim, sich zu fragen, was die einzelne Wundererzählung dem Bibel lesenden Christen heute über sein eigenes Glaubensleben zu sagen hat. Doch nichts spricht dagegen, das geschilderte Heilungswunder als solches stehen zu lassen und anzuerkennen.
Ich möchte im Folgenden begründen, warum das "Wegerklären" von Wundern aus meiner Sicht nicht nur nutzlos und überflüssig ist, sondern auch schadet.
1. Dass es Wunder gibt, ist mit Hilfe von aktuellen Fällen wie z.B. den Wunderheilungen von Lourdes leicht nachzuvollziehen. Man kann diese als Beispiel nutzen, um leicht anhand nachvollziehbarer Kriterien zu erläutern, warum es manchmal Sinn macht, etwas als Wunder anzuerkennen und inwieweit diese Anerkennung auch aus wissenschaftlicher Sicht plausibel erscheinen kann.
Man darf auch gerne darüber aufklären, dass ein Wunder genauso einwandfrei belegbar sein kann wie jede andere historisch faktische Begebenheit. Ein Wunder zeichnet sich nämlich nicht primär dadurch aus, dass es unklar wäre, ob es wirklich passiert ist, sondern dadurch, dass das, was passiert ist nicht erklärbar ist.
2. Wenn wir also erkennen, dass es auch heute Geschehnisse gibt, die von unabhängigen Wissenschaftlern und Medizinern als unerklärlich eingestuft werden, dann gibt es absolut keinen Grund, nicht auch anzuerkennen, dass solche Wunder auch in biblischen Zeiten geschehen sein können.
3. Für Gläubige Menschen ist die Authentizität biblischer Wunderberichte umso plausibler, als dass noch heute durch Gebet und/oder Fürsprache Mariens und der Heiligen Wunder geschehen; wie viel mehr ist es da wahrscheinlich, dass Menschen in der leibhaftigen Begegnung mit Jesus in seiner gottmenschlichen Natur auf Erden geheilt wurden!
4. Für Nichtgläubige ist es schlichtweg egal, ob wir an die Authentizität biblischer Berichte glauben - und zwar ganz unabhängig davon, ob es sich dabei um Wunderheilungen oder andere Berichte aus dem Leben und Wirken Jesu handelt. Wer nicht glaubt, dass es Gott gibt und/oder dass dieser Gott Jesus ist, der uns am Kreuz erlöst hat, dessen Unglaube wird nicht dadurch infrage gestellt, dass wir sagen, die Wundererzählungen seien nur symbolisch gemeint.
Man kann die Menschen, die nicht an Christus glauben, grob in folgende Gruppen einteilen: a) Agnostiker, denen es vereinfacht gesagt egal ist, ob es Gott gibt, b) Atheisten, die Gott ablehnen und c) Angehörige anderer Religionen oder Kulte. Keiner von diesen wird sagen: "Ja also das Jesus als wahrer Mensch und wahrer Gott auf die Welt gekommen, gestorben und auferstanden ist und uns erlöst hat; das würde ich ja schon glauben, wenn da nicht diese Berichte von Wundern wären, die Jesus gewirkt haben soll. Also göttliche und menschliche Natur, Auferstehung und Erlösung - ja klar; aber dass er Krankheiten geheilt haben soll - nee, also da wird es mir echt zu viel."
5. Selbst wenn man Menschen durch das Negieren alles Übernatürlichen dazu bringen könnte, anzuerkennen, dass es diesen Jesus wirklich gegeben hat - das ist dann irgendwie auch egal. Wenn an Jesus nämlich nichts Übernatürliches ist, dann ist er auch nicht Gott und dann muss ich auch nicht an ihn glauben; jedenfalls nicht mehr als an Che Guevara oder an Mahatma Gandhi. Oder an mich selbst.
Was bleibt?
Auf die Frage, wieso man so etwas macht - also warum man als Theologe eine Erklärung überlegt, die auf abenteuerlichen Wegen Möglichkeiten findet, hinter der Wundererzählung auf jeden Fall etwas anderes zu sehen und auf keinen Fall etwas Übernatürliches - bleibt eigentlich nur eine Antwort:
Offenbar mangelt es vielen am nötigen Mut, sich den eigenen Unglauben einzugestehen und sich von Christus hinausführen zu lassen in das, was alles menschliche Denken übersteigt.
Offenbar nimmt sich so mancher lieber eine Idee davon her, wie Jesus ein toller Mensch und ein gutes Vorbild gewesen sei, als sich mit dem wahren Gott und Herrn Jesus Christus herumzuplagen.
Nun ja: in Wirklichkeit haben wir alle diese Tendenz. Ich denke aber, gerade die Theologie sollte uns helfen, dem nicht nachzugeben und stattdessen Gott die Ehre zu geben.
Bei mir bleibt auch die Frage: Wieso predigt man denn so etwas? Für wen? Woher kommt die Einbildung, dass ausgerechnet in der Kirche allsonntäglich Menschen versammelt sind, die vor der Zumutung des Unerklärlichen die Nase rümpfen? Wieso nimmt man an, dass die biblischen Berichte über Wunderheilungen Jesu durch Umdeutungen und Verharmlosungen entschärft werden müssen, während andere Medien, die von unerklärlichen Dingen berichten (wie z.B. die Serie X-Faktor), absolut erfolgreich sind?
Nun ja, mag da so mancher sagen: vielleicht gäbe es bessere Predigten als solche, die die von Christus geheilten Krankheiten kurzerhand zur Einbildung der Geheilten oder zum Indikator für zu geringe Beachtung der Kinder erklären. Dennoch schadet es ja wohl nicht.
Aber mal ehrlich: was würden wir wohl sagen, wenn ein Priester einer schwer kranken Frau bescheinigt, sie würde sich das nur einbilden? Oder wenn jemand zu den Eltern eines im Sterben liegenden Mädchens sagte, ihr Kind sei ja nur krank geworden, weil diese zu viel arbeiten würden, statt mal ihre Zeit dem Familienleben zu widmen? Klingt zynisch? Ist es auch. Und genau deshalb regt es mich auf, wenn eine Predigt so damit beschäftigt ist, auf keinen Fall ein Wunder zuzugeben. Es ist zynisch und ungerecht. Es nimmt weder die biblischen Gestalten ernst noch die Zuhörer noch Gott.
Was hätte wohl die dieses Jahr als Wunderheilung anerkannte Ordensschwester gesagt, wenn man ihr übergeholfen hätte, ihre Krankheit sei nur eine Einbildung gewesen und habe im Wesentlichen auf Geltungssucht beruht?
All deine Wellen und Wogen schlugen über mir zusammen (PS 42), doch mit Gott gehe ich durch alle Stürme. --- Bei mir findet sich: ALLTÄGLICHES - persönliche Erfahrungen, SONNTÄGLLICHES - Theologisches und Betrachtungen zu Bibelstellen, LYRISCHES - selbstgeschriebene Gedichte von Psalmen inspiriert, GESELLSCHAFTSPOLITISCHES - meine Sicht auf die Diskurse der Zeit und die zeitgenössische Art des Diskutierens
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Sonntag, 1. Juli 2018
Montag, 28. Dezember 2015
Doch in der Herberge war kein Platz
Der Dominikaner Pater Michael gehört wahrlich nicht zu denen, die die Weihnachtsgeschichte nur als liebliche Kulisse für einen allgemeinen Aufruf zu mehr Menschlichkeit verstehen.
Von meinen Eltern aus kann man dank S-Bahn verschiedene Kirchen gleich gut - oder schlecht - erreichen. Für meinen Liebsten und mich gab die Aussicht auf eine garantiert sinn- und gehaltvolle Predigt den Ausschlag.
Das Weihnachtsgeschehen ist eines, dass Anlass zum knieen gibt: Gott wird als Mensch geboren. Er "entäußert sich all seiner Gewalt" wie das Lied Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich! hervorhebt. Das Geheimnis dieser Stille[n] Nacht lautet: "Christ, der Retter ist da."
Deshalb soll man sich beim Sprechen des Glaubensbekenntnisses, das normalerweise nach den Lesungen erfolgt (und sozusagen die Vorraussetzung für die Fürbitten klärt), in der Weihnachtszeit an der Stelle hinknien, an der es heißt: "hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden".
So unglaublich ist das, man kann es nicht fassen. Gott, der Herrscher des Alls, der Allmächtige, wird Mensch, liegt da. In einer Krippe. Ein Baby. Vor diesem Geheimnis knieen wir nieder. Wir knieen, wissend, dass er das für uns getan hat. Gott kam zu uns Menschen, damit wir - du wie ich - zu Gott gelangen können.
Einmal fiel mir im Stundenbuch dieser Vers auf: "Er lag in der Krippe, doch seine Herrlichkeit erfüllte das All."
Es handelt sich also nicht primär um die Geschichte eines Paares auf Herbergssuche.
Als Pater Michael in seiner Predigt an den Punkt kam, zu sagen: "Etwas fällt an dieser Geschichte besonders auf; es heißt, für sie war kein Platz in der Herberge". War der Moment gekommen, an dem ich skeptisch geworden wäre, wenn die Pause nach diesem Satz noch etwas länger gedauert hätte.
Doch der Dominikaner ließ keinen bedeutungsschwangeren Moment der Stille folgen.
Statt dessen machte er darauf aufmerksam, dass es sich hier um eine bemerkenswerte Prallele zu der Stelle im Johannesevangelium handelt: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf." (Joh. 1,11).
Bevor wir anfangen, Josef und Maria als Obdachlose oder als Flüchtlinge zu imaginieren, sollten wir lernen, das Gleichnis zu lesen, das Gott uns mitteilt, indem er Maria seinen Sohn nach erfolgloser Herbergssuche in einem Stall zur Welt bringen und in eine Krippe legen lässt.
Gott will zu uns kommen, zu jedem einzelnen. Und auch, wenn wir uns ihm nicht öffnen, hört er nicht auf, nach uns zu fragen.
Die Herberge aber, die er in der Welt haben will, die einzige, die er wirklich sucht, ist unser Herz.
Dies ist auch heute aktuell und hat nichts von seiner Wichtigkeit verloren.
Wir sind es, in uns muss Platz werden, unser Herz ist der Ort, an dem wir Christus beherbergen sollen.
Nur dann kann Frieden werden. Wahrer Friede, der aus Gott kommt und uns zu barmherzigem Handeln befährigt.
Von meinen Eltern aus kann man dank S-Bahn verschiedene Kirchen gleich gut - oder schlecht - erreichen. Für meinen Liebsten und mich gab die Aussicht auf eine garantiert sinn- und gehaltvolle Predigt den Ausschlag.
Das Weihnachtsgeschehen ist eines, dass Anlass zum knieen gibt: Gott wird als Mensch geboren. Er "entäußert sich all seiner Gewalt" wie das Lied Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich! hervorhebt. Das Geheimnis dieser Stille[n] Nacht lautet: "Christ, der Retter ist da."
Deshalb soll man sich beim Sprechen des Glaubensbekenntnisses, das normalerweise nach den Lesungen erfolgt (und sozusagen die Vorraussetzung für die Fürbitten klärt), in der Weihnachtszeit an der Stelle hinknien, an der es heißt: "hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden".
So unglaublich ist das, man kann es nicht fassen. Gott, der Herrscher des Alls, der Allmächtige, wird Mensch, liegt da. In einer Krippe. Ein Baby. Vor diesem Geheimnis knieen wir nieder. Wir knieen, wissend, dass er das für uns getan hat. Gott kam zu uns Menschen, damit wir - du wie ich - zu Gott gelangen können.
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| Christus steht im Zentrum! Ein Bild von Corregio: Die Heilige Nacht |
Einmal fiel mir im Stundenbuch dieser Vers auf: "Er lag in der Krippe, doch seine Herrlichkeit erfüllte das All."
Es handelt sich also nicht primär um die Geschichte eines Paares auf Herbergssuche.
Als Pater Michael in seiner Predigt an den Punkt kam, zu sagen: "Etwas fällt an dieser Geschichte besonders auf; es heißt, für sie war kein Platz in der Herberge". War der Moment gekommen, an dem ich skeptisch geworden wäre, wenn die Pause nach diesem Satz noch etwas länger gedauert hätte.
Doch der Dominikaner ließ keinen bedeutungsschwangeren Moment der Stille folgen.
Statt dessen machte er darauf aufmerksam, dass es sich hier um eine bemerkenswerte Prallele zu der Stelle im Johannesevangelium handelt: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf." (Joh. 1,11).
Bevor wir anfangen, Josef und Maria als Obdachlose oder als Flüchtlinge zu imaginieren, sollten wir lernen, das Gleichnis zu lesen, das Gott uns mitteilt, indem er Maria seinen Sohn nach erfolgloser Herbergssuche in einem Stall zur Welt bringen und in eine Krippe legen lässt.
Gott will zu uns kommen, zu jedem einzelnen. Und auch, wenn wir uns ihm nicht öffnen, hört er nicht auf, nach uns zu fragen.
Die Herberge aber, die er in der Welt haben will, die einzige, die er wirklich sucht, ist unser Herz.
Dies ist auch heute aktuell und hat nichts von seiner Wichtigkeit verloren.
Wir sind es, in uns muss Platz werden, unser Herz ist der Ort, an dem wir Christus beherbergen sollen.
Nur dann kann Frieden werden. Wahrer Friede, der aus Gott kommt und uns zu barmherzigem Handeln befährigt.
Mittwoch, 2. Dezember 2015
Vorbereitung freut
Zu meinem ersten Weihnachtsfest als Christin schenkte mir ein Freund eine Karte mit einer beeindruckenden ausklappbaren Krippe.
Noch beeindruckender fand ich jedoch den Spruch, den er mir auf die mit wenig Platz gesegnete Schmuckkarte geschrieben hatte: "Möge Christus auch in deinem Herzen geboren und dort zum König werden!"
Als Kind bestand die Vorweihnachtszeit für mich aus Weihnachtsmärkten und Adventskalendern, gepaart mit der Spannung, ob sich diese Jahr wohl die kleineren und größeren Wünsche erfüllen würden.
Beim Schreiben von Wunschzetteln habe ich sehr überlegt, was vielleicht zu viel verlangt wäre, und einige Male bot ich an, für einen größeren Wunsch dann später auf ein Geburtstagsgeschenk zu verzichten.
Das Öffnen meines Adventskalenders bereitete mir stets größtes Vergnügen und ich war stolz wie Bolle, als ich einmal sage und schreibe zwölf Stück bekommen hatte - von unterschiedlichen Familienmitgliedern.
Noch heute liebe ich Weihnachtsmärkte. Dabei macht es mir wenig aus, dass es bei den meisten sehr kommerziell zugeht.
Aber müssten sich meine Erwartungen an die Vorweihnachtszeit nach meiner Taufe nicht eigentlich grundlegend geändert haben? Immerhin ist der Advent Fastenzeit und soll eigentlich Raum geben, sich auf die Begegnung mit Gott vorzubereiten.
Schließlich möchte ich natürlich, dass sich das erfüllt, was mich an jenem Satz meines Freundes so beeindruckt hat...
Neu waren für mich die Adventslieder, die ich wundervoll finde.
Am besten gefallen mir "Maria durch ein Dornwald ging" und "Wachet auf! Ruft uns die Stimme".
Gerade das letztere zeigt, dass Fasten und sich in Gott versenken eben nichts mit Schlafen zu tun hat, sondern ein inneres wach werden verlangt.
Tatsächlich erlebe ich die Adventszeit dank spezifischer Dinge, die es nur im Advent gibt, immer sehr intensiv. Dazu gehören das Stundengebet, Weihnachtsmärkte, Adventslieder, Roratemessen, aber auch Dinge wie Korrekturstress vor der Ausgabe der Oberstufenzeugnisse und betrieblich organisiertes Weihnachtsessen mit dem Kollegium.
Dabei noch zum Luft holen zu kommen und sich vom Fest nicht überrumpeln zu lassen ist tatsächlich gar nicht so einfach. Gerade die Bundesländer Berlin und Brandenburg quälen ihre Schüler und Lehrer mit Unterricht bis einschließlich dem letzten Wochentag vor Weihnachten, was heuer z.B. der 23. ist.
Von daher finde ich es schon sehr passend, dass die Kirche Jesu Mahnungen betreffs der Endzeit an den Anfang des Advents stellt.
"Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit euch nicht verwirren und jener Tag euch nicht überrascht." Sagt Jesus in Lk 21, 34. Unser Herz soll gefestigt sein, und wir ohne Tadel, wenn unser Herr kommt (vgl. Tess 3, 13)
Damit ist natürlich nicht nur die Gefahr eines Versinkens in weltlicher Adventshektik gemeint.
Die Kirche weiß seit jeher, dass der, der da als Kind auf die Erde kam, unser Herr und Gott ist, und feiert den Tag seiner Geburt als Vorausdeutung seiner Wiederkunft.
Möge die Adventszeit uns alle wach machen für den Anruf Gottes.
Noch beeindruckender fand ich jedoch den Spruch, den er mir auf die mit wenig Platz gesegnete Schmuckkarte geschrieben hatte: "Möge Christus auch in deinem Herzen geboren und dort zum König werden!"
Als Kind bestand die Vorweihnachtszeit für mich aus Weihnachtsmärkten und Adventskalendern, gepaart mit der Spannung, ob sich diese Jahr wohl die kleineren und größeren Wünsche erfüllen würden.
Beim Schreiben von Wunschzetteln habe ich sehr überlegt, was vielleicht zu viel verlangt wäre, und einige Male bot ich an, für einen größeren Wunsch dann später auf ein Geburtstagsgeschenk zu verzichten.
Das Öffnen meines Adventskalenders bereitete mir stets größtes Vergnügen und ich war stolz wie Bolle, als ich einmal sage und schreibe zwölf Stück bekommen hatte - von unterschiedlichen Familienmitgliedern.
Noch heute liebe ich Weihnachtsmärkte. Dabei macht es mir wenig aus, dass es bei den meisten sehr kommerziell zugeht.
Aber müssten sich meine Erwartungen an die Vorweihnachtszeit nach meiner Taufe nicht eigentlich grundlegend geändert haben? Immerhin ist der Advent Fastenzeit und soll eigentlich Raum geben, sich auf die Begegnung mit Gott vorzubereiten.
Schließlich möchte ich natürlich, dass sich das erfüllt, was mich an jenem Satz meines Freundes so beeindruckt hat...
Neu waren für mich die Adventslieder, die ich wundervoll finde.
Am besten gefallen mir "Maria durch ein Dornwald ging" und "Wachet auf! Ruft uns die Stimme".
Gerade das letztere zeigt, dass Fasten und sich in Gott versenken eben nichts mit Schlafen zu tun hat, sondern ein inneres wach werden verlangt.
Tatsächlich erlebe ich die Adventszeit dank spezifischer Dinge, die es nur im Advent gibt, immer sehr intensiv. Dazu gehören das Stundengebet, Weihnachtsmärkte, Adventslieder, Roratemessen, aber auch Dinge wie Korrekturstress vor der Ausgabe der Oberstufenzeugnisse und betrieblich organisiertes Weihnachtsessen mit dem Kollegium.
Dabei noch zum Luft holen zu kommen und sich vom Fest nicht überrumpeln zu lassen ist tatsächlich gar nicht so einfach. Gerade die Bundesländer Berlin und Brandenburg quälen ihre Schüler und Lehrer mit Unterricht bis einschließlich dem letzten Wochentag vor Weihnachten, was heuer z.B. der 23. ist.
Von daher finde ich es schon sehr passend, dass die Kirche Jesu Mahnungen betreffs der Endzeit an den Anfang des Advents stellt.
"Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit euch nicht verwirren und jener Tag euch nicht überrascht." Sagt Jesus in Lk 21, 34. Unser Herz soll gefestigt sein, und wir ohne Tadel, wenn unser Herr kommt (vgl. Tess 3, 13)
Damit ist natürlich nicht nur die Gefahr eines Versinkens in weltlicher Adventshektik gemeint.
Die Kirche weiß seit jeher, dass der, der da als Kind auf die Erde kam, unser Herr und Gott ist, und feiert den Tag seiner Geburt als Vorausdeutung seiner Wiederkunft.
Möge die Adventszeit uns alle wach machen für den Anruf Gottes.
Samstag, 5. September 2015
Kirchenbau - keine Sache des eigenen Gutdünkens
Zu meinem Geburtstag erfreute mich ein Geschenk ganz besonders:
Ein Malen nach Zahlen Block für Erwachsene mit 1000 Punkten je Bild!
Wie geil ist das denn! Rief ich spontan - bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass es sowas gibt.
Ich kann es mir also auch nicht gewünscht haben; wohl ein Fall von göttlicher Inspiration beim Geber?!
Oder einfach eine Person, die SO aufmerksam war, sich zu merken, dass ich auf sowas stehe. Immerhin kann ich es ja durchaus mal zufällig erwähnt haben. Von der Gabe, mich an alles erinnern zu können was ich jemals sagte bin ich Gott sei Dank verschont.
Ein Bild, das mir einen Gedankengang bebilderte ist dieses:
Man sehe und staune.
Kirchenbau leicht gemacht und noch dazu ganz selbst und nach eigenem Gutdünken?
Wenn man es genau bedenkt - eben nicht!
Ein sinnvolles Bild entsteht nur, wenn man sich an die vorgegebenen Punkte hält. Und diese auch noch in der richtigen Reihenfolge verbindet.
Arbeiten mehrere an einem Bild ist es außerdem sinnvoll, wenn alle dieselbe Farbe benutzen. Oder wollen Sie wissen, wie das aussehen würde, wenn die Farbe der Striche alle 100 Punkte (ein Mal je Bildübergang) wechselte?
Bei der denkenden Betrachtung dessen, was man selbst so unter Kirche versteht, scheinen immer mehr Leute dies zu vergessen. Das Resultat ist, dass sie zwar ein Bild produzieren, aber eigentlich am Ende selbst nicht mehr wissen, was es darstellen soll oder was darauf der wesentliche Aspekt ist.
Oder haben Sie sofort bei Beginn des Films erfasst, was auf dem Bild drauf ist?
Halten Sie es für einfach, ein Punktebild zu erstellen, also 1000 Punkte so auf ein Blatt zu sortieren, dass sie zum Beispiel die Sagrada Familia ergeben, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge verbindet? Ja? Welche Reihenfolge wäre denn die, bei der gewährleistet ist, dass die kreuzenden Linien sich zu einem Bild ergänzen anstatt das, was sie darstellen sollen, zu zerstören? Welche Punkte sind unerlässlich dazu, welche zu viel? Wie kann man dem Punktezeichner helfen, bei all dem den Überblick zu behalten?
Obwohl die Komplexität der Sache leicht nachvollziehbar ist, meinen immer mehr Menschen, sie könnten all diese Fragen selbst beantworten.
Wenn man vielleicht noch anerkennt, dass die Eckpunkte dessen was Kirche ist von Jesus Christus festgelegt wurden, dann neigt man doch häufig dazu, zu glauben, man könne all dies selbst auseinandersortieren. Also: weil ich denke, dass dieses und jenes was die Kirche vorschreibt nicht biblisch, christlich oder was-weiß-ich genug sei, kann ich den Punkt ja streichen oder zumindest in den Hintergrund stellen.
Ach ja?
Glauben Sie, sie würden das Punktebild fertigstellen können, wenn die Punkte nicht durchnummeriert wären?
Für mich bedeutet das, auf die Lehre meiner Kirche zu vertrauen und auch bei Sachen, die ich nicht verstehe, davon auszugehen, dass das schon seine Ordnung haben wird und eher nach Erklärungen zu suchen und mich um Verständnis zu bemühen, als an allem herumzukritisieren.
Zum Beispiel in Enzykliken oder den Texten von Kirchenvätern nachzulesen, um mehr darüber zu erfahren, was Kirche ist, warum Kirche so oder so strukturiert ist, diese oder jene Abläufe und Regeln festlegt. Und bei Dingen, die ich nicht nachvollziehen kann, mal einen Priester zu fragen.
Es kann auch bedeuten, mein eigenes Verstehen einer Probe zu unterziehen:
Wie viele Heilige sind ebenfalls dieser Meinung?
Die Kirche ist der lebendige Leib Christi.
Sie besteht aus uns, und in diesem Sinne gestalten wir sie.
Das was wir gestalten sollen ist der Leib Christi und nicht etwa irgendwas, das uns irgendwie passend erscheint.
Wir können nicht einfach beliebig loslegen, sondern müssen uns an bestimmte Eckpunkte halten und unser Vorgehen an der Gesamtheit der Kirche - und dazu gehören eben nicht nur all unsere Mitbürger, sondern auch die Heiligen, Kirchenväter, Priester, Bischöfe und der Papst - ausrichten.
Ein Malen nach Zahlen Block für Erwachsene mit 1000 Punkten je Bild!
Wie geil ist das denn! Rief ich spontan - bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass es sowas gibt.
Ich kann es mir also auch nicht gewünscht haben; wohl ein Fall von göttlicher Inspiration beim Geber?!
Oder einfach eine Person, die SO aufmerksam war, sich zu merken, dass ich auf sowas stehe. Immerhin kann ich es ja durchaus mal zufällig erwähnt haben. Von der Gabe, mich an alles erinnern zu können was ich jemals sagte bin ich Gott sei Dank verschont.
Ein Bild, das mir einen Gedankengang bebilderte ist dieses:
Man sehe und staune.
Kirchenbau leicht gemacht und noch dazu ganz selbst und nach eigenem Gutdünken?
Wenn man es genau bedenkt - eben nicht!
Ein sinnvolles Bild entsteht nur, wenn man sich an die vorgegebenen Punkte hält. Und diese auch noch in der richtigen Reihenfolge verbindet.
Arbeiten mehrere an einem Bild ist es außerdem sinnvoll, wenn alle dieselbe Farbe benutzen. Oder wollen Sie wissen, wie das aussehen würde, wenn die Farbe der Striche alle 100 Punkte (ein Mal je Bildübergang) wechselte?
Bei der denkenden Betrachtung dessen, was man selbst so unter Kirche versteht, scheinen immer mehr Leute dies zu vergessen. Das Resultat ist, dass sie zwar ein Bild produzieren, aber eigentlich am Ende selbst nicht mehr wissen, was es darstellen soll oder was darauf der wesentliche Aspekt ist.
Oder haben Sie sofort bei Beginn des Films erfasst, was auf dem Bild drauf ist?
Halten Sie es für einfach, ein Punktebild zu erstellen, also 1000 Punkte so auf ein Blatt zu sortieren, dass sie zum Beispiel die Sagrada Familia ergeben, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge verbindet? Ja? Welche Reihenfolge wäre denn die, bei der gewährleistet ist, dass die kreuzenden Linien sich zu einem Bild ergänzen anstatt das, was sie darstellen sollen, zu zerstören? Welche Punkte sind unerlässlich dazu, welche zu viel? Wie kann man dem Punktezeichner helfen, bei all dem den Überblick zu behalten?
Obwohl die Komplexität der Sache leicht nachvollziehbar ist, meinen immer mehr Menschen, sie könnten all diese Fragen selbst beantworten.
Wenn man vielleicht noch anerkennt, dass die Eckpunkte dessen was Kirche ist von Jesus Christus festgelegt wurden, dann neigt man doch häufig dazu, zu glauben, man könne all dies selbst auseinandersortieren. Also: weil ich denke, dass dieses und jenes was die Kirche vorschreibt nicht biblisch, christlich oder was-weiß-ich genug sei, kann ich den Punkt ja streichen oder zumindest in den Hintergrund stellen.
Ach ja?
Glauben Sie, sie würden das Punktebild fertigstellen können, wenn die Punkte nicht durchnummeriert wären?
Für mich bedeutet das, auf die Lehre meiner Kirche zu vertrauen und auch bei Sachen, die ich nicht verstehe, davon auszugehen, dass das schon seine Ordnung haben wird und eher nach Erklärungen zu suchen und mich um Verständnis zu bemühen, als an allem herumzukritisieren.
Zum Beispiel in Enzykliken oder den Texten von Kirchenvätern nachzulesen, um mehr darüber zu erfahren, was Kirche ist, warum Kirche so oder so strukturiert ist, diese oder jene Abläufe und Regeln festlegt. Und bei Dingen, die ich nicht nachvollziehen kann, mal einen Priester zu fragen.
Es kann auch bedeuten, mein eigenes Verstehen einer Probe zu unterziehen:
Wie viele Heilige sind ebenfalls dieser Meinung?
Die Kirche ist der lebendige Leib Christi.
Sie besteht aus uns, und in diesem Sinne gestalten wir sie.
Das was wir gestalten sollen ist der Leib Christi und nicht etwa irgendwas, das uns irgendwie passend erscheint.
Wir können nicht einfach beliebig loslegen, sondern müssen uns an bestimmte Eckpunkte halten und unser Vorgehen an der Gesamtheit der Kirche - und dazu gehören eben nicht nur all unsere Mitbürger, sondern auch die Heiligen, Kirchenväter, Priester, Bischöfe und der Papst - ausrichten.
Samstag, 11. Juli 2015
Von der Tugend zur Hartnäckigkeit
In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. 3In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! 4Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; 5trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.
Dieses Gleichnis wird im Lukasevangelium (18.1-8) eingeleitet mit den Worten, Jesus sagte ihnen ein Gleichnis, um zu zeigen, dass sie allzeit beten und darin nicht nachlassen sollten.
Wenn ich das anshe, finde ich, diese Witwe ist als eine bis zur Unvernunft mutige Person vorzustellen, ein Aspekt, auf den Jesus in dem Gleichnis nicht eingeht.
Es geht ihm um etwas anderes: Also Leute, checkt es doch endlich, dass Gott seine Auserwählten die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht verlässt. Er ist da und hilft. Unverzüglich. Also etwas mehr Mut wenn ich bitten darf!
Am Ende des Gleichnisses heißt es nämlich: "Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben finden?
Dennoch finde ich es einer ausführlicheren Betrachtung wert, wieso jetzt sowas wie Hartnäckigkeit eine christliche Tugend sein soll.
Die Hartnäckigen. Das sind doch immer die, die nerven, oder?
Und Jesus fand das gut oder was?!?
In der Tat finden sich in den Evangelien noch mehr Stellen, in denen diese Eigenschaft belohnt wird, z.B.
Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. 23Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. 24Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. 25Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! 26Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. 27Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. 28Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.
Was also verbirgt sich hinter dieser Eigenschaft?
Zunächst mal denke ich vor allem an diese gewisse Art von Skrupellosigkeit, also:
Keine Angst zu haben, den anderen zu nerven oder etwas unpassendes zu sagen.
Mein Bedürfnis ist echt, ob es passt oder nicht.
Aber auch Gottvertrauen steckt darin:
Die Fähigkeit Jesu, zu helfen, ist auch echt, ob es passt oder nicht.
Und da haben wir es schon. Dieses besondere Gottvertrauen, dass sich auch durch Ausbleiben einer positiven Antwort nicht abschütteln lässt. Das ist es, worum es Jesus geht.
Niemand hat behauptet, dass es immer leicht sei, Gott zu vertrauen.
Aber wir sollen es trotzdem, und gerade wenn es sehr schwer fällt ist es wichtig.
Ohne die Fähigkeit zu dieser Form von Vertauen; den Mut haben, auch dann Gott zu lieben und sich geliebt zu wähnen wenn es nicht nur unvernünftig, sondern wirklich vollkommen abstrus erscheint. Die brauchen wir, Die ist das, was wirklich stark macht.
Mit dem Glauben überwinden wir Mauern, heißt es ja auch.
Man bedenke, wenn keine Mauern da sind, kann man auch keinen Spruch darüber machen, dass dieselben mit Hilfe des Glaubens zu überwinden sind.
Man bedenke auch, wenn die Mauern so niedrig und bequem sind, dass wir das aus eigener Kraft schaffen, braucht man auch keinen Spruch darüber machen, dass dieselben mit Hilfe des Glaubens zu überwinden sind.
Insofern ist Hartnäckigkeit an sich vielleicht keine christliche Tugend. Aber Glaube, Vertrauen und Liebe (denn diese Dinge gehören zusammen) sind die Tugenden, aus denen auch Hartnäckigkeit erwächst.
Und für die die noch im Kursus laufen sei (zur Erleichterung oder Ermutigung) gesagt:
In jedem Fall ist frech sein an sich keine Sünde sondern kann sogar tugendfördernd sein.
Das ist der Unterschied zwischen Frechheit und Verschlagenheit: Erstere erwächst aus dem Vertrauen, dass das Gegenüber die eigenen Eskapaden wohlwollend aufnehmen wird. Und das ist schon nah dran an Glaube und Liebe.
Dieses Gleichnis wird im Lukasevangelium (18.1-8) eingeleitet mit den Worten, Jesus sagte ihnen ein Gleichnis, um zu zeigen, dass sie allzeit beten und darin nicht nachlassen sollten.
Wenn ich das anshe, finde ich, diese Witwe ist als eine bis zur Unvernunft mutige Person vorzustellen, ein Aspekt, auf den Jesus in dem Gleichnis nicht eingeht.
Es geht ihm um etwas anderes: Also Leute, checkt es doch endlich, dass Gott seine Auserwählten die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht verlässt. Er ist da und hilft. Unverzüglich. Also etwas mehr Mut wenn ich bitten darf!
Am Ende des Gleichnisses heißt es nämlich: "Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben finden?
Dennoch finde ich es einer ausführlicheren Betrachtung wert, wieso jetzt sowas wie Hartnäckigkeit eine christliche Tugend sein soll.
Die Hartnäckigen. Das sind doch immer die, die nerven, oder?
Und Jesus fand das gut oder was?!?
In der Tat finden sich in den Evangelien noch mehr Stellen, in denen diese Eigenschaft belohnt wird, z.B.
Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. 23Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. 24Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. 25Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! 26Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. 27Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. 28Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.
Was also verbirgt sich hinter dieser Eigenschaft?
Zunächst mal denke ich vor allem an diese gewisse Art von Skrupellosigkeit, also:
Keine Angst zu haben, den anderen zu nerven oder etwas unpassendes zu sagen.
Mein Bedürfnis ist echt, ob es passt oder nicht.
Aber auch Gottvertrauen steckt darin:
Die Fähigkeit Jesu, zu helfen, ist auch echt, ob es passt oder nicht.
Und da haben wir es schon. Dieses besondere Gottvertrauen, dass sich auch durch Ausbleiben einer positiven Antwort nicht abschütteln lässt. Das ist es, worum es Jesus geht.
Niemand hat behauptet, dass es immer leicht sei, Gott zu vertrauen.
Aber wir sollen es trotzdem, und gerade wenn es sehr schwer fällt ist es wichtig.
Ohne die Fähigkeit zu dieser Form von Vertauen; den Mut haben, auch dann Gott zu lieben und sich geliebt zu wähnen wenn es nicht nur unvernünftig, sondern wirklich vollkommen abstrus erscheint. Die brauchen wir, Die ist das, was wirklich stark macht.
Mit dem Glauben überwinden wir Mauern, heißt es ja auch.
Man bedenke, wenn keine Mauern da sind, kann man auch keinen Spruch darüber machen, dass dieselben mit Hilfe des Glaubens zu überwinden sind.
Man bedenke auch, wenn die Mauern so niedrig und bequem sind, dass wir das aus eigener Kraft schaffen, braucht man auch keinen Spruch darüber machen, dass dieselben mit Hilfe des Glaubens zu überwinden sind.
Insofern ist Hartnäckigkeit an sich vielleicht keine christliche Tugend. Aber Glaube, Vertrauen und Liebe (denn diese Dinge gehören zusammen) sind die Tugenden, aus denen auch Hartnäckigkeit erwächst.
Und für die die noch im Kursus laufen sei (zur Erleichterung oder Ermutigung) gesagt:
In jedem Fall ist frech sein an sich keine Sünde sondern kann sogar tugendfördernd sein.
Das ist der Unterschied zwischen Frechheit und Verschlagenheit: Erstere erwächst aus dem Vertrauen, dass das Gegenüber die eigenen Eskapaden wohlwollend aufnehmen wird. Und das ist schon nah dran an Glaube und Liebe.
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