Sonntag, 15. Januar 2017

MEHR Ankunft

Winter an einer S-Bahnstation in Berlin. Eigenes Foto.

Mit Eiskristallen im Haar, mehrmals
Komplett durchgefroren
Und unterwegs
Noch schnell
Ne akute Grippe kuriert.
Jetzt.
Raum der Stille.
Du.
Ich.
Du.
Anbetung.

Dienstag, 10. Januar 2017

Was ich gerne noch gesagt hätte

Soll ich oder soll ich nicht?
Seit dem Besuch von Valerie Schönian beim Kreis Junger Erwachsener in Friedrichshain Frage ich mich das immer mal wieder.
Es war ein schöner Abend und auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass Valerie etwas mehr mit uns ins Gespräch kommt, statt nur "Valerie und der Priester" vorzustellen, kam sie sympathisch rüber. Zu erfahren, wie es zu dem Projekt kam, wie sie da rangeht und wie es ihr damit geht, war durchaus spannend.
Es gab aber auch Momente, in denen  sich hinter einer einzelnen Äußerung von ihr solche Abgründe auftaten, dass ich echt geplättet war. Diese Momente konnten im Rahmen der Runde nicht thematisiert werden, weil wir konzeptionell nun mal die Roĺle der interessierten Zuhörer hatten und weil Valerie selbst gerade in diesen Momenten offensichtlich überhaupt nicht klar war, welch tiefgreifendes Unverständnis und welche Unkenntnis des Katholischen da aus ihr sprechen. Dazu kam, dass sie geradezu entwaffnend sympathisch war und außerdem verkündete, schon sehr viel gelernt zu haben und aus ihrer Filterbubble herausgekommen zu sein.
Diese Äußerung war übrigens meines Eindrucks nach absolut authentisch.
Umso tragikomischer, dass sie es an einem Abend an dem sich überhaupt nur an sehr wenigen Stellen ein gegenseitiger Austausch ergab schaffte, gleich vier mal totale Unkenntnis der Materie zu beweisen - bei absoluter Abwesenheit jeglichen Gespürs für die Diskrepanz ihrer Sicht der Dinge dazu wie sie gemeint sind.
Warum habe ich nicht gleich dazu gebloggt?
 Es handelt sich einfach um Beobachtungen und Anmerkungen, die ich ihr gerne persönlich gesagt hätte.
Mein Unbehagen gilt zunächst mal vor allem der Tatsache, dass es am dem Abend keinen Raum dafür gab, diese Dinge genauer mir ihr zu besprechen.
Und warum dann jetzt?
 Es handelt sich andererseits um Aspekte des Katholizismus die heute im allgemeinen nicht mehr verstanden werden, weil man sie von einem Blickwinkel aus betrachtet, mit dem man ihnen nicht gerecht werden kann.
Vor allem beobachte ich, wie katholische Laien und Amtsträger diesen Blickwinkel übernehmen ohne ihn als ideologischen Filter zu erkennen und wie dadurch auch intern das Verständnis für bestimmte Aspekte des Glaubens schwindet.


Vergleichspunkte:
Die meisten perspektivischen Schieflagen wurden sichtbar, wenn Valerie für Kirche oder kirchliches Vergleiche benutzte.
All diese Vergleiche wurden mit größter Selbstverständlichkeit geäußert. Offenbar gab es kein Bewusstsein darüber, dass diese Vergleiche selbst wesentlich mehr über die Perspektive der vergleichenden Person aussagten als über den verglichenen Gegenstand.
Die drei grandios fehlgeschlagenen Vergleiche zu denen ich hier etwas sagen will sind:
Die Kirche als Konzern. Der Weltjugendtag als Rückzugsmöglichkeit. Die Bibel als rationale Herangehensweise an den Glauben.


Die Kirche ist zwar weltumspannend, aber sie ist kein Konzern. Sie verfolgt keine wirtschaftlichen Interessen; jedenfalls nicht so wie ein Unternehmen das tut. Wirtschaftliche Erwägungen sind nur Mittel zum Zweck, haben eine dienende Funktion insofern, als dass die Kirche ihre Aufgabe nicht erfüllen kann, wenn ihr dazu die Mittel fehlen. Das Ziel der kirchlichen Aktivitäten besteht jedoch nicht in wirtschaftlichem Erfolg - ja es ist mit wirtschaftlichen Kategorien nicht fassbar. Ziel und Aufgabe der Kirche ist es, den Menschen Jesus nahezubringen. Das bedeutet konkret, dass der Glaube im Wort verkündet und in den Sakramenten vergegenwärtigt werden muss. Es bedeutet, das Ziel ist letztlich die Heiligung aller Menschen in Christus. Daher ist die Kirche eine Gemeinschaft der Heiligen, die Hüterin der Gaben des Heiligen Geistes, die Braut Christi, die Verwalterin der himmlischen Güter.
Nun ist der Vergleich besonders in Hinblick auf die überinstitutionalisierte Kirche in Deutschland dennoch nicht ganz von der Hand zu weisen. Er zeigt jedoch, dass bei der Betrachtung der Kirche eben nur die Institution gesehen wird, aber nicht die transzendentale Dimension ihrer Aufgabe und ihres Da-Seins auf der Welt.
Ja: vor allem in Deutschland ist die Kirche mit den ihr zugehörigen Organisationen ein großer Arbeitgeber. Sie setzt Gelder ein, verwaltet Vermögen und Gewinne. Doch alles was sie tut - jede Stelle, jedes Projekt, jede Spende und jedes Vorhaben muss sich am Ende an der einen Frage messen lassen: "Wie gut dient es der Verkündigung des Glaubens?"
Viele heiligmäßige Päpste, Bischöfe und Priester haben darauf hingewiesen, dass die starke Institutionalisierung der Kirche in Deutschland der Verkündigung oft eher hinderlich ist.
Die Kirche ist jedoch immer auch als Ganzes zu sehen. Zu ihr gehören nicht nur alle Ortskirchen weltweit (streitende Kirche), sondern auch die Kirchenmitglieder, die bereits gestorben sind und entweder durch die Reinigung im Fegefeuer gehen die sie auf den Himmel vorbereitet (leidende Kirche) oder bereits im Himmel sind; die Heiligen (triumphierende Kirche). In Deutschland gehören kirchliche Institutionen wie die Caritas zu den größten Arbeitgebern, aber schon im nicht allzuweit entfernten Spanien können z.B. Kleiderkammern der Caritas nur unregelmäßige Öffnungszeiten anbieten, weil sieausschließlich von Ehrenamtlichen betrieben werden während für feste Mitarbeiter kein Geld zur Verfügung steht. Dennoch ist es dieselbe eine Kirche.
Wenn man die Kirche in Deutschland leichter mit einem Wirtschaftsunternehmen vergleichen kann als mit einer Braut Christi, so ist das ein Problem.


Beim Weltjugendtag geht es nicht darum, "sich in eine Nische zurückzuziehen in der man sich nicht ständig rechtfertigen muss".
Der Weltjugendtag ist keine Nische sondern eine weltumspannende Massenveranstaltung. Er bietet wenig Rückzugsmöglichkeiten aber viel Trubel - nicht zuletzt geht es darum, den Glauben zu feiern. Das Erlebnis, die Kirche als jung und dynamisch, den Glauben als lebendig zu erleben, Freundschaften mit gleichaltrigen Glaubensgenossen aus aller Herren Länder zu schließen, gehört zu den stärksten Erfahrungen die man als jugendlicher Katholik machen kann.
Jeder Weltjugendtag ist mit einem Motto verbunden und mit einer päpstlichen Botschaft die dieses Motto ausdeutet. Dabei geht es ganz konkret um den Auftrag Christi an die jugendlichen Gläubigen, das Wort zu leben, die Sakramente zu feiern und die Liebe Gottes in Wort und Tat zu verkünden. Von daher ist jeder Weltjugendtag Sendung; Aufbruch ins Weite - und gerade kein Rückzug.
Die Initiative "Night Fever" die in Folge des Weltjugendtages 2005 offene Anbetungsnächte organisiert ist ein Beispiel. Hier werden jeweils Möglichkeiten zu Beichte und persönlichem Segen angeboten, aber auch eine Passantenpastoral die alle Menschen einlädt, Gott auf einfache Weise durch das Anzünden einer Kerze vor dem Allerheiligsten nahe zu kommen.
Auch die Jugend2000 ist hier zu nennen, die gegründet wurde, nachdem Papst Johannes Paul II bei einem Weltjugendtag gefordert hatte, die Jugendlichen müssten die Hauptdarsteller der Neuevangelisierung sein. Prayerfestivals, Gebetstreffen und andere spirituelle Angebote der Jugend 2000 ergänzen seither die ebenfalls angebotenen Reisen zum jeweiligen Weltjugendtag.
Es gibt noch viele andere Beispiele für die Kraft und Sendung des Weltjugendtages.

Die im kleinen Dorf Spoke entstandene Initiative zur Unterstützung eines brasilianischen Projektes für die Unterbringung von Straßenkindern ist eines davon.
Bei einer anderen Teilnehmerin haben Weltjugendtage das ganze Leben verändert.
Die Caritas ist ebenfalls auf den Weltjugendtagen präsent, weil hier viele Jugendliche zum persönlichen Engagement inspiriert werden.
Ein befreundeter Priester hat auf dem Weltjugendtag in Köln zur Beichte zurückgefunden und sich zum ersten Mal ernstlich der Frage nach seiner Berufung gestellt - und seine Berufung ist ganz sicher nicht die einzige die auf einem Weltjugendtag gewachsen ist.
Auch zu nennen sind die Gebetsinitiativen die die Vorbereitung jedes Weltjugendtages tragen.
Man könnte noch viel dazu sagen, doch ich möchte nun den zweiten Aspekt dieses Vergleiches ins Licht rücken.

Hier werden zwei Prämissen sichtbar.
Einerseits wird vorausgesetzt, als Katholik stünde man unter einem besonderen Rechtfertigungsdruck.
Andererseits wird davon ausgegangen, dass eben selbiger von den Betroffenen - den Katholiken - als Last empfunden würde.

Warum sollte es mich unter einen besonderen Druck setzen, einem Glauben anzuhängen, den etwa 1,2 Milliarden Menschen mit mir teilen?
Sicher - in Deutschland hat echte christliche Religiösität gleich doppelten Seltenheitswert. Nur etwa 10% der Katholiken gehen z.B. regelmäßig in die Kirche. Christliche Symbole, Bräuche und Werte sind in der Öffentlichkeit nur da präsent, wo sie erfolgreich ihres christlichen Bezuges beraubt wurden. Doch in die Rechtfertigungsecke gerät nur, wer sich hineindrängen lässt.
Wichtiger jedoch ist: da es zum Auftrag der Kirche und damit auch zum Auftrag eines jeden Gläubigen gehört, den Glauben zu verkünden, ist die Vorstellung, etwaiger Rechtfertigungsdruck könne die Katholiken stören, zumindest zu hinterfragen.
In der Tat frage ich mich manchmal, ob ich zu wenig Zeugnis gebe, da meine überwiegend nicht christlich geprägten Freunde und Verwandten das Gespräch nie auf meine Religion lenken.
Selbst noch so polemische, sachlich falsche oder übertriebene Kritik kann ja in ein gutes Gespräch münden.
Ach ja, natürlich gibt es auch die bekannten Reizthemen wie Tebartz van Elst, Hexenverfolgung, Kreuzzüge und Missbrauchsskandale. Wer mit solchen Fragen kommt und wirkliches Interesse an einer Klärung hat, hat natürlich auch ein Recht darauf, eine sinnvolle Antwort zu bekommen - und sei es nur ein Verweis auf eine Quelle, die solche teils sehr medienwirksam ausgeschlachteten Aspekte mal kritisch beleuchtet.
Für mich persönlich spielen diese Themen keine Rolle; mit der Realität der Kirche wie ich sie erlebe haben sie nichts zu tun, mit ihrem göttlichen Auftrag schon gar nicht.


 Die Bibel ist keine Apologetik. Zur Untermauerung der Aussage, dass man keinen rationalen Zugang zum Glauben hat, kann man nur dann ein Beispiel über unterschiedliches Verständnis von Bibeltexten anführen, wenn man weder weiß, was die Bibel ist, noch die Spur einer Ahnung hat, was ein rationaler Zugang zum Glauben sein könnte.

In der Bibel geht es nicht darum, ob es Gott gibt, sondern darum, wie Gott ist.

Wenn man die Bibel liest, ohne diese Prämisse zu teilen, ergeben viele der Texte darin keinen Sinn und noch weniger haben sie sinnvolle Bezüge und Zusammenhänge untereinander.

Mit der Frage, ob die Existenz Gottes auch rational erkennbar und nachvollziehbar ist, beschäftigen sich viele Theologen. Die beiden bekanntesten sind wohl Thomas von Aquin und Benedikt XVI. Mit der Frage, ob der katholische Glaube wahr ist und inwiefern man das rational begründen kann beschäftigt sich die theologische Disziplin der Apologetik.

Das Lesen der Bibel gehört zur Glaubenspraxis und dient der Vertiefung der Beziehung zu Gott und dem Verständnis, wie Gott ist und was er von mir erwartet.

Zu einer Auseinandersetzung darüber, ob man an Gott glauben sollte, taugt sie eher nicht.


Für mich ist das Fazit des Valerie Projektes, dass man über Glauben und Kirche nicht sinnvoll reden kann, wenn man seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.
Man muss nicht unbedingt gläubig sein, aber man sollte sich zumindest bewusst machen, dass die katholische Weltanschauung auf anderen Prämissen beruht als die atheistische, agnostische oder linksliberale Weltanschauung.
Und man sollte die Dinge von der Prämisse aus durchdenken, unter der sie ihre Gütligkeit haben.

Das Tragikkomische daran ist, dass die meisten modernen Nichtgläubigen sich dessen nicht bewusst sind, dass ihre Weltsicht auch nur eine von vielen möglichen Weltanschauungen ist. Die Prämissen des eigenen Denkens und Urteilens werden nicht nur nicht hinterfragt, sondern gar nicht erst als solche wahrgenommen.

Auch wenn ich Valerie auf persönlich menschlicher Ebene sehr gut verstehen kann und ihre Reaktionen auf diese intensive Begegnung mit dem Katholizosmus von dieser Perspektive her gesehen durchaus annehmbar finde: aus Sicht journalistischer Arbeit ist es einfach unprofessionell, über Dinge ein Urteil abzugeben über die man sich, nachdem man sie nur aus der Begegnung heraus offensichtlich nicht verstehen kann, nicht weiter informiert hat.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Warten auf ein Wunder

Kinder sind der Schatz der Welt; auch Gott wusste das - und wurde eins



Gott hätte auch aus einem Stein heraus erscheinen können. Oder aus dem Nichts, plötzlich auf der Zinne des Tempels in Jerusalem.

Aber er entschied sich, als Kind zur Welt zu kommen, geboren von Maria.

Gerade das heutige Tagesevangelium zeigt, dass es auch für Maria als Mutter Jesu nicht einfach war. Josef weiß zunächst nicht, dass sie vom Heiligen Geist Gottes Sohn empfangen hat, und muss daher annehmen, dass sie mit einem anderen Mann zusammen war. So kann ihn erst ein Wunder - die Erscheinung eines Engels - davon abbringen, Maria zu verlassen.


Der in Deutschland geltende Paragraph 219 macht klar, dass wir dafür zuständig sind, dieses Wunder geschehen zu lassen, wenn Schwangere in Not sind. Es heißt dort:
"Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen"

Es sollte klar sein, dass jedes Leben wertvoll ist, dass jedes Kind, das abgetrieben wurde, in der Welt fehlt.

Bei dem Gedanken an Jesus wird das schnell deutlich, aber das gilt auch für andere. Was, wenn es Johannes den Täufer nicht gegeben hätte, oder Paulus...? Oder, um mal etwas allgemeiner zu werden: Kolumbus, Paul Christian Lauterbur, Sarah Huges oder eben Ihre/n besten Freund/in?


Gott ist kein Footballtrainer. Er setzt niemanden auf die Reservebank. Jeder Mensch hat seinen Platz im Spiel des Lebens, einen Platz der nur von ihm und von keinem anderen Menschen auf der Welt ausgefüllt werden kann.
Die Frage, ob es jedem Menschen unbedingt gelingt, herauszufinden, was dieser Platz für ihn ist und dieser Berufung zu folgen, ist noch mal eine andere. Aber jeder Mensch sollte die Chance dazu haben.

Daher sollte es in jeder Beratung klar sein, dass einer Schwangeren in Not jede nur irgendwie denkbare Hilfe angeboten wird; von psychologischer Betreuung und der Hilfe einer Hebamme oder Begleitung bei Arztbesuchen und Behördengängen vor (,während) und nach der Geburt über anonyme Geburt, Unterbringung im Frauenhaus, Freigabe zu Adoption bis hin zur Babyklappe. Und: dass auch der Schwangeren klar gemacht werden muss, dass sie hier über das Leben eines anderen Menschen mit entscheidet.

All dies sieht übrigens der entsprechende Paragraph auch vor.
Es ist keineswegs so, dass das deutsche Gesetz ein Recht auf Abtreibung formuliert.
Im Gegenteil; für das bestehende Verbot von Abtreibungen wird im Paragraph 218a eine eng umgrenzte Ausnahme formuliert, wobei Bedingungen genannt werden unter denen ein Schwangerschaftsabbruch straffrei ist.

In einer Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend werden die festgelegten Inhalte der Beratung wiefolgt umschrieben:
"Die Schwangerschaftskonfliktberatung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen. Sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen – im Wissen darum, dass das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat."

Und weiter heißt es zu den Inhalten der Beratung:
" Im Einzelnen umfasst die Schwangerschaftskonfliktberatung (§ 5 Absatz 2 SchKG): 
  • das Eintreten in eine Konfliktberatung, wobei erwartet wird, dass die schwangere Frau der sie beratenden Person die Gründe mitteilt, derentwegen sie einen Abbruch der Schwangerschaft erwägt. Die Gesprächs- und Mitwirkungsbereitschaft der schwangeren Frau kann aber nicht erzwungen werden;
  • jede nach Sachlage erforderliche medizinische, soziale und juristische Information, die Darlegung der Rechtsansprüche von Mutter und Kind und der möglichen praktischen Hilfen, insbesondere solcher, die die Fortsetzung der Schwangerschaft und die Lage von Mutter und Kind erleichtern;
  • das Angebot, die schwangere Frau bei der Geltendmachung von Ansprüchen, bei der Wohnungssuche, bei der Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit für das Kind und bei der Fortsetzung ihrer Ausbildung zu unterstützen sowie das Angebot einer Nachbetreuung. "

Die nach wie vor hohen Abtreibungszahlen, von denen ein verschwindend geringer Teil auf medizinische oder strafrechtliche Indikation zurückgeht, sprechen eine andere Sprache.

Allzuleicht wird ein Schwangerschaftsabbruch als Möglichkeit zur Behebung eines Missgeschicks verstanden. Allzuschnell wird das Recht auf freie Entfaltung und Lebensplanung der Schwangeren gegen das Recht auf Leben des Kindes ausgespielt.
Eine Schwangerschaft ist aber weder eine Krankheit, noch ein Missgeschick. Sie ist - und zwar durchaus auch aus medizinischer Sicht - ein Wunder.
Klar, eine Verhütungspanne ist ein Missgeschick. Wenn daraus jedoch eine Schwangerschaft entsteht, dann sind auf dem Weg dahin eine Menge weiterer Dinge passiert. Und: jeder Mensch sollte sich dessen bewusst sein, dass es keine 100-prozentige Sicherheit gibt. Wer Sex haben will, muss bereit sein, das Risiko einer ungeplanten Schwangerschaft auf sich zu nehmen. Mit allen Folgen.

Es scheint mir dringend notwending, dass es wieder mehr ins gesellschaftliche Bewusstsein rückt, dass Sex immer etwas mit Verantwortung zu tun hat. Gegenüber sich selbst, dem/der Partner/in, gegenüber eventuellen Kindern. Und dass das Leben an sich nun mal nicht zu den Dingen gehört die man einfach so planen kann - ob mit oder ohne unerwarteter Schwangerschaft.

Wie aber soll das nun zugehen, in Zeiten in denen wir uns das Staunen schon längst abgewöhnt haben? In Zeiten des Individualismus, des Materialismus, des Hedonismus - mit Leistungsdruck auf der einen und Spieltrieb und Selbstverwirklichungsideal auf der anderen Seite?

Tja.
Ich warte einfach mal auf ein Wunder.
So etwas wie Weihnachten zum Beispiel.







Donnerstag, 8. Dezember 2016

Gehen wir mit Maria durch den Advent!

... ein weihnachtlicher Pilgerweg - auch für uns?

Diese Vorstellung, dass, überall, wo Maria langgeht, die Rosen blühen - auch da wo man gar keine erwartet! - weil sie Jesus in sich trägt.

Ich liebe dieses Lied.

Und ich denke, es kann uns etwas darüber erzählen, wie wir nicht nur duch den Advent sondern auch durch unser Leben gehen sollen.
Maria, als die Erste von all jenen, die wissen, dass wir stets des Erbarmens Gottes bedürfen, und die mit uns ist in jedem Kyrie-Ruf. Auch uns will der wiederkehrende Vers "Jesus und Maria" dazu einladen, stets in Einklang mit Gott zu leben.

Eine Betrachtung


"Maria durch ein Dornwald ging"
Auch wir gehen oft durch Dornwälder, haben das Gefühl, die sprichwörtlichen Steine in Unmengen in den Weg gelegt zu bekommen.
Von Maria können wir lernen, stets auf Gott zu schauen, ihm zu vertrauen, wohin er uns auch führt. Sie, die ja gesagt hat, weiß, dass Gott uns nie verlässt. Sie, die unterm Kreuz stand, weiß auch, dass es manchmal schmerzvoll sein kann, sich dem Willen Gottes hinzugeben, dass er jedoch alles zum Guten führt.

Maria sagt ja - auch für uns und als unser Vorbild

"der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen"
Wie oft geht es uns so, dass wir denken 'Es brint ja doch nichts mehr'?
Ob es um einen Freund geht, der sich seit längerem nicht meldet, um einen Bekannten, bei dem mich zu melden ich vergessen habe, um einen alten Streit oder um neue Versäumnisse, um schlechte Gewohnheiten oder um einmalige Ausrutscher.
Maria lehrt uns, dass wir immer zu Gott kommen können.
Mit seinen Worten an die Apostel hat Jesus das Sakrament der Beichte gestiftet, in den Gleichnissen vom verlorenen Sohn, verlorenen Schilling, verlorenen Schaf sagt er uns eindrücklich, dass jeder Sünder der umkehrt dem Himmel eine Freude ist.
Haben wir Geduld mit uns und den Menschen; Jesus wird es nicht müde werden, uns immer wieder vom Fall aufzuhelfen.

Maria vermittelt bei der Hochzeit zu Kana - hier zeigt uns Jesus, dass ihre Fürsprache Dinge möglich machen kann, die er selbst eigentlich nicht geplant hatte.

"Was trug Maria unter ihrem Herzen?"
Was wir im Herzen tragen, woran wir unser Herz hängen, wem wir unser Herz schenken - es gibt eine Menge Redewendungen, die zum Ausdruck bringen, dass wirkliche Bedeutung in unserem Leben nur das erlangen kann, was uns wirklich wichtig genug ist, uns dem voll hinzugeben.
Was wir anfangen wir dann Frucht bringen, wenn wir es mit rechtem Herzen tun.
Deshalb sagen viele Heilige, man solle seine tägliche Arbeit so verrichten, als täte man sie für Christus selbst.
Jesus warnt uns davor, unser Herz an allzu irdisches zu hängen und sagt uns damit zugleich, dass wir uns um die Dinge des Alltags nicht zu viele Sorgen machen sollen.
Leben wir so, dass Christus auch in uns geboren werden und leben kann!

So wie das Herz Mariä für Christus brennt, sollen auch wir uns ihm hingeben.


"Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen"
Wahrhaftig: Jesus ist auf die Erde gekommen, geboren von einer Frau, um der Mann der Schmerzen zu werden und damit all unsere Schmerzen auf sich zu nehmen.
Dies ist die Wahrheit, die uns befreien will; denn wir sollen nicht unter der Last unserer Sünden leben, sondern im Vertrauen auf Christus.

Auch Maria hat - vereint mit Christus - an unserer Last mitgetragen. Ihr Vorbild öffnet auch uns den Weg zu einer Hingabe die mitwirklen kann am Heilswerk Christi; die Gebet sein kann.

"Da haben die Dornen Rosen getragen" 
 Vielleicht haben auch Sie schon erlebt, wie ein eher negatives Ereingnis plötzlich doch zu etwas gutem geführt hat.
Ein sehr einfaches Beispiel wäre, wie ich in der letzten Woche, nachdem ich aus Versehen die falsche Bahn genommen hatte, zwei meiner Lieblingskollegen von meiner alten Arbeitsstelle traf. Und auch so etwas wie die Freude über die gut bestandene Prüfung nach einer harten Studienzeit kann hier als Beispiel gelten.
Mit Gottes Hilfe können auch die großen Brüche unseres Lebens zu Quellen des Heiles werden.
Schließlich hätte ja auch keiner gedacht, dass Gott als das Kind einer (noch) nicht verheirateten Frau auf die Welt kommen würde!
Haben wir Mut, Christus in unseren Herzen zu empfangen, damit er unser Leben zum Blühen bringt.

Die Blüte aus der Wurzel Jesse: Maria, die uns Christus geboren hat.


Dienstag, 15. November 2016

Jakobsweg - Betrachtungen des Pilgers



Hier entlang: finden Sie heraus, was das Pilgern Ihnen bedeutet! (eigenes Foto, August 2016)

Ich bin insgesamt drei mal den Jakobsweg gegangen.

Es gab, nach einer im Fernsehen entdeckten Reportage, die Sehnsucht, Jakobuspilger sein zu wollen.
Und den Gedanken: In meiner momentanen Lebenssituation geht das nicht.

Es gab, nach einer dramatischen Zeit in meinem Leben, so etwas wie einen Befreiungsschlag. Und dann recht schnell den Entschluss: Jetzt ist die Zeit.

Es gab eine unerwartete Fügung, die mich ein Jahr später noch mal denselben Weg gehen ließ - gewissermaßen als Führerin.

Es gab Stürme und Unsicherheiten, viele Neuerungen, Irrwege und Bekehrungen in kurzer Folge, und die Idee: Wenn ich den treffe, der meiner werden soll, dann muss er mit mir den Jakobsweg gehen.
Der gemeinsame Weg, ganz anders als die vorherigen, Pilgern als Ehevorbereitung, neu gesehen durch unser beider Augen, froh auf ein gemeinsam Ziel hin. Das Glück, die Verbundenheit mit dem Camino mit dem Partner teilen, ihn genau so begeistert sehen zu können...


Pilgern ist etwas anderes, ist mehr als Urlaub, mehr als Wandern, als Natur genießen.
Die innere Haltung des Pilgers ist eine andere.

Zeichen am Weg (eigenes Foto, August 2016)

Für mich als katholische Christin ist es ganz klar, dass der Pilgerweg ein Abbild unseres Lebensweges ist. Eine nicht immer ganz übersichtliche und trotz großer Schönheit oft nicht einfache Wegstrecke, die uns am Ende in die Arme Gottes führen soll.

Viele Menschen, die auf den Jakobswegen unterwegs sind, spüren das auch aus der eigenen Erfahrung heraus, merken, dass sie hier auf ganz besondere Weise Lebenserfahrung sammeln und verstehen können. Freundschaften, die hier entstehen, sind schneller intensiver als anderswo, und während die innere Haltung des Gottvertrauens dem modernen Menschen fremd geworden ist, lernt er auf dem Weg ganz selbstverständlich, darauf zu vertrauen, dass sich eventuell auftauchende kleine Probleme schnell und manchmal mit einer überraschenden Leichtigkeit lösen lassen.

"The Camino has it's own mind." heißt es. Diese selbstverständliche Leichtigkeit, mit der man annimt, dass nicht alles so läuft wie geplant aber trotzdem schon irgendwie gut ist, ist etwas, das viele Pilger am Camino besonders schätzen.
"The Camino provides." heißt es. Tatsächlich begegnet einem auf dem Jakobsweg hilfe fast schneller, als man Probleme kriegen kann; sei es ein Pflaster, das dir ein Mitpilger gibt, ein Schluck Wasser, der von einem Einheimischen an einem improvisierten Stand am Wegesrand ausgegeben wird, eine Blasenbehandlung in der Herberge oder ein gemeinsames Essen, das vielleicht genau an dem Abend von einem Mitpilger organisiert wird, an dem man selbst das Einkaufen vergessen hatte.

Das man im Rhythmus des Gehens anders auf sich selbst und seine Umgebung achten lernt ist nichts Neues und kann auch im Wandern erfahren werden.

Aus meiner Sicht spielen für die Mehr-Erfahrung des Pilgerns das Bewusstsein über das Ziel, und damit verknüpft, die Länge des Weges, sowie dass man diesen eben nur in eine Richtung geht eine Rolle.
Man kommt an jeder Stelle des Weges nur ein mal vorbei, man muss immer weiter, man hat etwas größeres im Sinn, als die Erfahrung des Augenblickes, weiß aber, dass dieser Augenblick für das große Ziel unverzichtbar ist und somit seine eigene Wichtigkeit hat.

Auf meinem dritten Jakobsweg wurde die Erfahrung, damit umgehen zu müssen, das manchmal alles ganz anders ist als geplant, sehr wichtig. Ich war gezwungen, einige Etappen mit Bussen oder im Taxi zu überspringen und auch diese Abschnitte wurden Teil meiner Pilgerschaft, weil sie mich etwas über Demut und Vertrauen lehrten. Den Weg trotz allen Schwierigkeiten gemeinsam gemeistert zu haben hat auch meine Beziehung zu meinem Mann vertieft.

Pilgern ist nicht beliebiges Gehen, und auch für die Menschen, für die das konkrete Ziel eben nicht mehr als eine Stadt ist bedeutet es etwas anderes, einen Pilgerweg zu gehen, als zum Beispiel eine Tageswanderung oder einen Rundwanderweg. Der Wallfahrtsort als Ziel eines Pilgerweges hat dadurch auch für nicht Gläubige eine besondere Bedeutung.
Für den Christen wird außerdem besonders deutlich, dass das Gehen Gebet sein soll, so wie eben auch das ganze Leben als Gebet verstanden werden kann, da es auf Gott hin zu denken ist.

Gehend und betend bereite ich mich dabei auf die Ankunft in Santiago vor, die ihren Höhepunkt dann in der festlichen Pilgermesse in der Kathedrale und im Gebet am Grab des Heiligen Jakobus finden wird.
Dabei werden die Ereignisse des Weges selbst Vorausdeutung auf dieses freudige Ziel; sei es das persönliche oder gemeinsame Gebet mit anderen Pilgern oder die Begegnung in Gesprächen auf dem Weg, im gemeinsamen Kochen und Essen, in gegenseitiger Hilfe, in der Atmosphäre einer besonders liebevoll geführten Herberge oder im Staunen über eine schöne Kirche in einem der kleinen und größeren Orte durch die man hindurchkommt.

Ich denke, auch viele nicht christliche Pilger spüren, wie der Weg zu einem Symbol für das ganze Leben werden kann.
Jeder kennt die Erfahrung, auch auf dem Lebensweg mal Begleiter zu haben die nur für eine bestimmte Zeit sehr wichtig werden und dann verschwinden, aber auch die, Menschen zu finden, mit denen man den Weg gemeinsam fortsetzen möchte. Genauso lässt sich auch von Wegstrecken des Lebens sprechen, die mal schwerer und mal leichter sein können, mal schön und mal unangenehm. Die sprichwörtlichen Aussagen "Jemandem Steine in den Weg legen" oder "eine Durststrecke haben" verdeutlichen dies.
Und auch im Leben können wir keine Erfahrung zwei mal machen, können wir nicht zurück.

Deshalb hat der Pilgerweg das Potential, dem Pilger Einsichten über sein Leben zu vermitteln.
Ich habe Menschen erlebt, für die der Weg sehr wichtig wurde. Gläubig oder nicht: die steigende Popularität des Jakobsweges kann Türen öffnen.


Wie aber kann man sicher gehen, dass man wirklich zum Pilger wird und nicht als Tourist über den Jakobsweg stolpert?

Lassen Sie überflüssigen Ballast zu Hause: verzichten Sie auf fast alles, und vor allem verzichten Sie auf Ihre Vorstellungen und Erwartungen. Lesen Sie vorab keine Reise- und Erfahrungsberichte, sondern höchstens Hilfen zur Etappenplanung. Packen Sie nicht mehr ein, als Sie in 1-3 Minuten einsortiert kriegen.
Erwarten Sie nichts: kommen Sie als Bittsteller in die Orte und Herbergen, statt eine Leistung zu kaufen. Nehmen Sie die Einfachheit der Gegebenheiten als Geschenk. Seien Sie neuguerig auf die Motive, Macken und Eigenarten der anderen Pilger, statt sich über abweichende Verhaltensweisen zu ärgern.
Üben Sie Stille ein: Packen Sie schnell und geräuschlos, gehen Sie auch mal längere Abschnitte schweigend, überlegen Sie was es wert ist gesagt zu werden und was nicht.
Meiden Sie Touristen oder ziehen Sie diese auf ihre Seite: Suchen Sie einfache Herbergen auf, laden Sie Mitpilger zum gemeinsamen Kochen ein, bitten Sie Menschen in ihrem Zimmer, nicht zu sprechen, keine Taschenlampen zu benutzen und vor 21 Uhr zu packen statt am Morgen. Eventuell kann es ihnen auch helfen, die stark frequentierten Monate Juli und August zu meiden.
Vertrauen Sie dem Weg: Lösen Sie Probleme, dann haben Sie auch keine. kümmern Sie sich um ihre Füße und überlasten Sie sich nicht. Laufen Sie nicht über Schmerzen und machen Sie vor allem in den ersten 6 Tagen lieber halbe Etappen, damit ihr Körper Zeit hat, sich einzugewöhnen. Trinken Sie genug Wasser (das heißt deutlich mehr als sie zu Hause trinken würden). Planen Sie von vorneherein mindestens 4 Tage Reserve ein. Nehmen Sie Hilfsangebote an, helfen Sie selbst wenn es sich ergibt. Zögern Sie nicht, um Hilfe zu bitten. Lassen Sie sich mal einladen, laden Sie mal ein. Zögern Sie nicht, ihren Plan anzupassen, wenn mal was nicht funktioniert. Verleihen Sie Geld, obwohl Sie nicht wissen können, ob Sie die Person wieder treffen werden. Gehen Sie ohne Reservierungen.
Nutzen Sie kirchliche Angebote: Auch wenn Sie nicht gläubig sind - erweitern Sie ihre Erfahrung um die der christlichen Tischgemeinschaft und gemeinsamer Gebete in christlichen Herbergen. Holen Sie sich den Pilgersegen auch dann ein drittes mal, wenn sie ihn beim ersten und zweiten mal enttäuschend unspektakulär fanden. Auch die Begegnung mit eher fernöstlich ausgerichteter Spiritualität kann sich lohnen; vegane Herbergen und Yoga Angebote gibt es auch.

Heute vegan: Penne mit scharfer Tomaten- Gemüsesauce für alle. Ich hatte vergessen, das Geld einzusammeln, aber in den nächsten Tagen kamen alle Mitpilger die an diesem Abend dabei gewesen waren nach und nach zu mir, um sich noch mal zu bedanken und mir etwas zu geben. (Eigenes Foto, August 2016)



Montag, 24. Oktober 2016

Erste Liebe Rosenkranz

John William Waterhouse: Study of a female figure with rosary, 1890 (Quelle: Wikimedia Commons)
Ein Artikel auf den Cathwalk nutzt des Vergleich mit dem Treffen der Liebenden, um den Rosenkranz näher zu erklären: Es ist nicht etwas, das man zu absolvieren hat, oder schnell hinter sich bringen will...

Die einfachen Gebete, die sich ablösenden Vater Unser, Ave Maria und Ehre Sei Dem Vater die dem Glaubensbekenntnis in gleichmäßiger Reihe folgen, bilden einen Rahmen, innerhalb dessen man sich einswingen kann auf das Leben Jesu. Einen sicheren Pfad von dem aus man sich der Betrachtung der Geheimnisse Gottes widmen kann.

Gleichzeitig können wir Jesus durch die Augen seiner Mutter ansehen, von der es heißt:
"Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach." (Lk 2, 19)

Tatsächlich habe ich genau diese Erfahrung bei meinen ersten Anfängen des Rosenkranzbetens gemacht. Ein Gebet, in dem sich all die Stationen des Weges Jesu einer Betrachtung öffnen und sich mir offenbaren, während die Hand der Mutter mich anleitet, zusammen mit den gläubigen Worten und dem entdeckenden Staunen meine eigenen Sorgen und Nöte Gott vor die Füße zu legen.

Auch mit ist es passiert, dass ich meinen Rosenkranz runtergeleiert oder durchgehetzt habe, atemlos: Wer dieses Gebet zum Sport macht dem wird es schnell sauer werden.

Doch in der Zeit der ersten Liebe, in den Monaten nach meiner Taufe, die ich mit fast 20 Jahren empfangen hatte, habe ich erfahren was dieses Gebet wirklich kann.
Auf dem Boden meines Zimmers sitzend, enthob ich mich damit der Zeit, lernte Jesus und seine Mutter wirklich kennen, sah sie, sprach und litt mit ihnen, oft alle drei Rosenkränze hintereinander in einer Zeit, die den Mittag Nachmittag werden ließ und den Nachmittag den Abend berühren sah in einem Wimpernschlag.

Es geht.
Geduld. Aufmerksamkeit. Sich führen lassen. Loslassen. Die eigenen Gedanken nicht scheuen, sondern sie zusammen mit den Worten an den Perlen entlang Gott darreichen.

Ein Termin der sich lohnt.

Denn Gott liebt jeden mit der Qualität der ersten Leidenschaft. Egal wie kurz oder lang die Taufe her sein mag.
Michelangelo Merisi da Caravaggio, Rosenkranzmadonna, Detail, 1606-1607 (Quelle: Wikimedia Commons)

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Dank der Pilgerin

Auf dem Jakobsweg. Eigenes Foto

Du erhörtest mein Gebet
Hörtest mich
In meiner Not.
Gelöst
Liegt mein Leben vor mir
Wie ein glattes Band
Befreit von Knoten.
Dir sei Lob und Dank!
Du missbilligst nicht,
Dass ich alles verlang.
Du lenkst meinen Weg,
Zu treffen
Ersehntes
Zu rechter Zeit.

 

Carron de Los Condes, August 2016