Mittwoch, 17. Januar 2018

SoulKitchen #3: Wenn Brokkoli den Weg allen Fleisches geht

Tja, liebe Leser: Bevor ich mit der Schilderung der kulinarischen Höhepunkte der letzten sieben Tage beginne, muss ich erst mal noch ein Foto von letzterWoche nachliefern. Es ist ja eine gute, von Simcha Fisher übernommene Tradition, das Essen, das es am Erscheinungstag der Kolumne geben soll, lediglich vage anzukündigen – was u.a. auch den Vorteil hat, dass die Kolumne schon vor dem Abendessen online gehen kann. Nun gab es aber ausgerechnet letzten Mittwoch das zumindest optisch opulenteste Essen der ganzen Woche:


Im Ofen gebackene Hähnchenkeulen mit Gemüse, dazu Couscous. Man muss dazu sagen, dass die Hähnchenkeulen eine halbe Ewigkeit brauchten, um richtig durchzugaren. Aber bis dahin hielten wir uns am Couscous schadlos. 




Donnerstag: Rostbratwürstchen mit Couscous

Die Impfskeptiker unter den Lesern dieses Blogs mögen kurz mal die Augen zumachen: Wir haben's getan, wir haben unser Baby impfen lassen. Und zwar gegen allen Scheiß. Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Rota-Viren und noch irgendwas. Der Arzt bereitete uns darauf vor, dass die Kleine am Abend wahrscheinlich Fieber bekommen werde; das sei normal und werde am nächsten Tag überstanden sein. Tatsächlich hielten sich ihre Beschwerden jedoch in sehr engen Grenzen, und das war auch gut so, denn ich musste am späten Nachmittag bzw. frühen Abend weg, um mich in der Kirche um den Abbau des Weihnachtsbaums zu kümmern. Ich hatte ja bereits angedeutet, dass das innerhalb der Gemeinde ein ziemlich heikles Thema war; das wäre wohl, wenn ich mal dazu komme, einen separaten Artikel auf „Huhn meets Ei“ wert. Die Kurzfassung lautet jedenfalls: Der Baum-Abbau gelang gut und ging schneller als gedacht, und als ich wieder nach Hause kam, gab es als schnelles Abendessen Würstchen aus der Pfanne mit Couscous vom Vortag. 





Freitag: nur Knabberkram

Mit Einkäufen fürs Wochenende, einem Trip zur Zentral- und Landesbibliothek zwecks Abholung diverser Fernleihbestellungen (ich liebe Fernleihe!) und allgemeiner Babybetüdelung (es soll ja angeblich Väter geben, die sich nicht mal für zwanzig Minuten am Tag die Zeit nehmen, ihrem schlafenden Kind beim Atmen zuzusehen. Die wissen gar nicht, was ihnen entgeht!) ging der Tag schnell rum, und für den Abend standen mehrere Alternativpläne zur Wahl: Anbetung und Abendmesse in „unserer“ Kirche (7 Minuten die Straße runter), dann zu Hause essen; Anbetung und Abendmesse in einer anderen Kirchengemeinde und dort dann anschließend zum „Kreis junger Erwachsener“ (wo wir seit vorletztem Herbst recht regelmäßig hingegangen waren, in jüngster Zeit aber, wegen des Babys, seltener); oder erst was essen und dann zu einem recht vielversprechenden Chorkonzert in einer evangelischen Kirche im Wedding. Für Suse stand außerdem noch die Alternative im Raum, einfach mit dem Baby zu Hause zu bleiben, in welchem Falle ich mir auch noch mal überlegt hätte, ob ich Lust habe, allein loszuziehen. Schließlich einigten wir uns aber auf den Kreis junger Erwachsener – was, wie uns auf dem Weg dorthin bewusst wurde, bedeutete, dass wir an diesem Tag kein warmes Abendessen bekamen. Beim KJE gibt’s immer nur Knabberkram. „Wir sollten mal den Vorschlag machen, in Zukunft lieber eine Pizza zu bestellen“, merkte Suse an. (Oder, noch besser, etwas kochen? Küche wäre vorhanden.)

Wie dem auch sei: Der Weg durch die halbe Stadt lohnte sich. Anbetung und Messe waren sehr schön, und der Diakon hielt eine durch ihre fragmentarisch und improvisiert wirkende Form irritierende, aber – vielleicht nicht zuletzt auch dadurch – sehr anregende Predigt. Beim KJE-Treffen gab es diesmal kein vorgegebenes Thema, sondern jeder durfte und sollte seine persönlichen Glaubensfragen und -anliegen in die Runde werfen. Ich war diesem Konzept gegenüber von vornherein skeptisch gewesen und hatte schon vor dem Aufbruch zu Suse gesagt: „So kann man nicht sinnvoll Katechese betreiben.“ Der Diskussionsverlauf bestätigte meine Bedenken zunächst. Sehen wir den Tatsachen ins Auge, Freunde: Die katechetische Bildung hierzulande ist ein Trauerspiel. In der Gesprächsrunde konnte man den Eindruck gewinnen, jeder der anwesenden jungen Erwachsenen (durchweg überdurchschnittlich kirchennahe junge Erwachsene, sonst wären sie kaum in dieser Gruppe) habe hier und da ein paar Bruchstücke der kirchlichen Lehre verstanden, und diese Stücke passen allesamt nicht zusammen. (Das soll nicht besserwisserisch klingen. Ich selbst hatte zwar eine vergleichsweise ziemlich gute Firmkatechese, musste aber trotzdem Jahre später nach und nach feststellen, was ich so alles nicht gelernt hatte, und habe trotz aller Bemühungen, diese Defizite aufzuarbeiten, zweifellos auch heute noch erhebliche Bildungslücken in diesem Bereich.) Der Kaplan, der die Diskussion leitete, war leider auch keine große Hilfe. Ein bezeichnendes Beispiel: Eine junge Dame aus dem Kreis hatte eine komplexe Frage zur Heilsnotwendigkeit der Kirche und zur Apokatastasis, und nachdem so ziemlich jeder aus der Runde etwas dazu gesagt hatte und sich daraus ein eher verworrenes Bild ergab, fragte ich den Kaplan: „Haben wir einen Katechismus hier?“ Er blockte diesen Klärungsversuch jedoch ab, weil er darin den Versuch sah, mittels eines Autoritätsarguments die Diskussion abzuwürgen. Daraufhin wurde ich prompt etwas unwirsch. „Sind wir nur hier, damit jeder mal darüber reden kann, wie er sich fühlt, oder wollen wir hier was lernen?“, blaffte ich.
Mein Lieblingsmoment in der Debatte kam, als die Fragestellerin daraufhin wissen wollte, ob es denn nun eine lehramtliche Aussage zu ihrer Frage gebe oder nicht. Ich bejahte, und sie erwiderte: „Dann sollten wir vielleicht wirklich mal in den Katechismus gucken.“


Samstag: Gebratene Gnocchi mit Hähnchenbruststreifen und Paprika

Eigentlich hätte es Brokkolisuppe geben sollen. Wir hatten nämlich noch Brokkoli, der langsam mal verbraucht werden musste. Aber als der Abend nahte, stellte Suse fest, dass sie keine Lust auf Suppe hatte. „Wir können die Suppe ja schon mal vorbereiten und bis morgen kaltstellen“, schlug sie vor. „Oder bis Montag, dann können wir noch einen Becher Sahne zum Verfeinern kaufen.“ Ich war einverstanden. Aber erst mal hatte Suse einen Einsatz als Lebensmittelretterin – in einer nahen Bäckerei. Danach stand – während der Brokkoli vor sich hin dünstete – kurzzeitig die Option im Raum, Sushi zu bestellen, aber dann hatte Suse eine andere Idee: Sie briet Gnocchi zusammen mit Hähnchenbruststreifen und Paprika in der Pfanne an, fügte Pesto und Parmesan hinzu, und fertig war ein leckeres Abendessen.



Um die Gnocchi wenigstens teilweise knusprig zu bekommen, war es notwendig, sie ein bisschen am Pfannenboden anbrennen zu lassen. Die Pfanne sah danach schlimm aus. Aber mit einigen Tagen Abstand kann ich zu Protokoll geben: Wir haben sie wieder sauber gekriegt!


Sonntag: Gulasch mit Kartoffel- und Semmelknödeln

Am Abend zuvor hatte das Baby uns (und damit auch sich selbst) ziemlich lange wach gehalten, und so stand es an diesem Sonntagmorgen durchaus ein bisschen auf der Kippe, ob wir es pünktlich zur Kirche schaffen würden. Okay, für den Notfall hätte es noch eine Abendmesse gegeben; aber schließlich trafen wir doch noch während des Einzugslieds in der Kirche ein, und im Anschluss an die Messe fand der monatliche, von der Kolpingsfamilie organisierte „Sonntagstreff“ statt – gemütliches Beisammensein bei Kaffee, Kuchen, belegten Brötchen und Suppe. Ewig lange konnten wir dort allerdings nicht verweilen, da sich ab mittags ein paar Leutchen bei uns angekündigt hatten, die einige der am Vortag aus der Bäckerei geretteten Brote und Brötchen abholen wollten. Und am Nachmittag kamen einmal mehr die Omas zum Baby-Angucken vorbei – aber nur kurz. Zum Abendessen waren wir wieder allein. Es gab Gulasch aus der Dose und dazu zwei Sorten Fertigknödel, die nur in der Soße erhitzt werden mussten.



Im Laufe der Zubereitung äußerte Suse Zweifel an den Mengenverhältnissen; schließlich zeigte sich, dass Knödel und Soße von der Menge her perfekt zusammen passten, nur das Fleisch musste man mit der Lupe suchen. Von der Gesamtmenge her war es allerdings deutlich mehr als genug.


Montag: Brokkolicremesuppe

„Die Suppe sieht deshalb so bräunlich aus, weil die Brokkolistrünke karamellisiert sind.“
„Du meinst angebrannt.“
„KARAMELLISIERT!“



(Schmeckte übrigens wirklich gut.)


Dienstag: Sushi

Gegen Mittag hatte Suse mal wieder einen Foodsaving-Einsatz im Biomarkt, daher wurde die Entscheidung darüber, was es zum Abendessen geben sollte, vorerst zurückgestellt: Es hätte ja sein können, dass die im Biomarkt geretteten Lebensmittel hier ein gewichtiges Wort mitzureden haben würden. Das war aber nicht der Fall: Suse brachte lediglich Brot, Brötchen und etwas Ziegenfrischkäse mit nach Hause.
So richtig Lust zu kochen hatte Suse daraufhin nicht, und da endlich der Elterngeld-Bescheid angekommen war und ich zudem in absehbarer Zeit das Honorar für eine Buchübersetzung erwarte, sagten wir uns: Gönnen wir uns mal ein bisschen Luxus und bestellen Sushi.



Ausgezeichnet.


Mittwoch: Fisch mit Spinat und irgendeiner Sättigungsbeilage

Kartoffeln haben wir noch da, für Reis müsste ich noch mal raus, und es schneit draußen. Hmmm.





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