Mittwoch, 3. Januar 2018

SoulKitchen – Die neue Mittwochskolumne

Suse kocht und Tobi bloggt darüber (in Zukunft aber vielleicht auch mal umgekehrt...)

Seit Suse und ich tatsächlich so etwas wie ein Familienleben haben, haben wir immer mal wieder untereinander diskutiert, ob (und wenn ja, wie) wir nicht auch in unseren Blogs stärker unseren Alltag thematisieren sollten. Also quasi Einblicke geben in das Leben punk-affiner junger Dunkelkatholiken, oder so. Was das „Wie“ angeht, hatten (und haben) wir da ein klares Vorbild: Die US-amerikanische Bloggerin Simcha Fisher schreibt seit Menschengedenken (fast) jeden Freitag darüber, was sie ihrer großen Familie (zehn Kinder! Die beiden ältesten sind allerdings mittlerweile auf dem College) die ganze Woche über zum Abendessengekocht hat. Das lesen wir regelmäßig und finden es gar großartig. Nun haben wir zwar längst keine so große Familie, und obendrein kann das jüngste Familienmitglied noch überhaupt keine feste Nahrung zu sich nehmen, aber trotzdem haben wir uns gedacht: So was in der Art könnten wir auch machen. Und wenn wir vielleicht auch weder an die kulinarische Kreativität noch an die amüsante Erzählweise einer Simcha Fisher heranreichen, eignet sich das Thema immerhin dazu, ganz nebenbei ein bisschen Werbung für das Konzept Foodsaving/Foodsharing zu machen. Suse hat nämlich seit Kurzem ihren eigenen offiziellen Foodsaver-Ausweis – und sie wird ihn benutzen!

Dass der erste Tag, über den es etwas Interessantes zu berichten gab, ein Donnerstag war, bedingt es, dass unsere (zukünftig hoffentlich) wöchentliche Foodblog-Kolumne nun also mittwochs erscheint. Passt ja auch ganz gut, wegen Mittwochsklub und so.

Donnerstag: Steakpfanne à la Foodsaving

Gegen Mittag brach Suse zu einem Foodsaving-Einsatz in einem Biomarkt auf, derweil ich zu Hause blieb, das Baby bespaßte und, so gut das nebenbei ging, an meinem vorläufig noch hochgeheimen Buchprojekt arbeitete. Suse hatte im Vorfeld die Vermutung geäußert, ein Foodsaving-Einsatz zwischen Weihnachten und Neujahr könne sich so richtig lohnen – und diese Einschätzung erwies sich als richtig. Es war ein so prachtvoller Beutezug, dass wir, wie im Folgenden detailliert zu schildern sein wird, praktisch die ganze Woche davon essen konnten (wenn auch nicht ausschließlich davon). – An dieser Stelle eine wichtige Klarstellung: Der primäre Sinn von Foodsaving/Foodsharing ist nicht, kein Geld mehr für den eigenen Lebensmittelbedarf ausgeben zu müssen. Es soll eine gemeinnützige Arbeit im besten Sinne sein. Gleichzeitig ist es aber auch überhaupt nicht ehrenrührig, wenn der Foodsaver selbst auch etwas davon hat. Das ist dann quasi die Entlohnung für sein Engagement.

Dem reichen Beutezug entsprechend fiel das Abendessen recht lukullisch aus. Minutensteaks und Schinkenschnitzel, zusammen mit in Scheiben geschnittenen Möhren in der Pfanne gebraten; kurz vor Schluss kam noch Blumenkohl mit in die Pfanne, und zu guter Letzt eine dunkle Bratensoße. Dazu gab's Kartoffelknödel aus dem Kochbeutel; abgesehen vom Soßenbinder waren die der einzige Bestandteil dieser Mahlzeit, der nicht von der Lebensmittelrettungsaktion stammte. Sehr lecker war's – und um mindestens zwei Portionen zu viel. Wenig kochen kann meine Liebste nicht. 



Freitag: Ofenkäse mit Brokkoli und Zucchini, Brot und Schinken

Da zu der Beute aus dem Foodsaving-Einsatz beim Biomarkt auch mehrere Liter Milch gehörten, die kurz vor dem Verfallsdatum standen und verbraucht werden wollten, hatte Suse am Donnerstag zusätzlich zum Abendessen noch Eierkuchen und Milchreis zubereitet; der Milchreis wanderte erst mal ins Kühlfach, die Eierkuchen gab's zum Frühstück. Hier stammte nur die Milch von der Lebensmittelrettung; davon abgesehen gingen die letzten Eier aus unserem Kühlschrank für dieses Frühstück drauf. Mehl, Zucker und Butter hat man ja normalerweise sowieso immer da.



Der Schoko-Knusperzucker war ein (vorweihnachtliches) Geschenk.



Am Nachmittag wurde außerdem Joghurt, der ebenfalls bei der Lebensmittelrettung erbeutet worden war, vernichtet, zusammen mit Clementinen, von denen wir zwar einige selbst gekauft hatten, aber schon vor so geraumer Zeit, dass sie langsam mal dringend verbraucht werden mussten und somit irgendwie auch unter Foodsharing-Kriterien fielen. Dazu, abermals, Schoko-Knusperzucker.



Beim Abendessen stammten dann alle Zutaten vom Foodsaving, und die Zubereitung war denkbar simpel: Käse und Zucchini im Ofen gebacken, Brokkoli im Topf gedünstet, Brot (nur ein bisschen -- den Großteil des erbeuteten Brotes hatten wir weiterverteilt) und Kochschinken (ja, es war Freitag, aber immer noch Weihnachtsoktav! Unser Leben sei ein Fest!) kalt dazu. Theoretisch hätten wir anschließend auch noch die Reste vom Vortag vernichten wollen, aber nach dieser gemischten „Vorspeisen“-Platte waren wir mehr als satt... 



Samstag: Resteessen

Am Nachmittag gab's Verwandtenbesuch zwecks Baby-Angucken, und dabei kamen reichlich Kekse, Schokolade und Lebkuchen (bei Aldi nach den säkularen Weihnachtsfeiertagen zum halben Preis gekauft) auf den Tisch, mit dem Ergebnis, dass sich unser Hunger am Abend in Grenzen hielt. Aber immerhin schafften wir es diesmal, die Reste vom Donnerstag zu verbrauchen.



Sonntag: Rotes Curry mit Bulgur, Gemüsekuchen, Cevapcici mit grünen Bohnen

Zum Fest der Heiligen Familie gab's ein Menü aus mehreren Gängen, von denen die ersten beiden vom Foodsaving stammten und der letzte aus dem eigenen Gefrierfach. Ohne die Cevapcici wäre das Ganze vegetarisch gewesen (das Curry sogar vegan), aber das kann man ja nicht machen an einem Sonn- und Feiertag... 




Da das Baby gegen zehn Uhr abends friedlich einschlief, nutzten wir die Gelegenheit, ebenfalls zu einer einigermaßen zivilisierten Zeit ins Bett zu gehen. Das Mitternachts-Feuerwerk war jedoch so freundlich, uns wieder zu wecken. Toll, wie engagiert selbst in einer atheistischen Metropole wie Berlin alljährlich in das Hochfest der Gottesmutter 'reingefeiert wird...

 Montag: Tortellini in pikanter Gemüsesoße

Hochfest der Gottesmutter, wie gesagt! Heilige Messe war in unserer Kirche erst am Abend, vielleicht aus Rücksicht auf die, die den Jahreswechsel etwas zu ausgiebig gefeiert hatten. Die Hauptmahlzeit des Tages gab es bei uns dennoch erst danach: Tortellini aus dem Gefrierfach, dazu eine selbst kredenzte Soße, in der neben Mais und schwarzen Oliven auch Foodsaving-Tomaten verarbeitet wurden. 



Dienstag: Belegte Baguettes vom Foodsaving

Den Tag (bzw. Abend) hatten wir eigentlich ganz anders geplant. Es stand nämlich ein erneuter Lebensmittelrettungs-Termin an, diesmal in einer Bäckerei; und diesmal wollten wir nur einen geringen Teil der zu erwartenden Ausbeute für uns selbst behalten, zumal wir tags darauf zu verreisen planten. Aus diesem Grund hatten wir uns mit einem befreundeten Priester verabredet, der den Großteil der Backwaren für die in seiner Pfarrei betriebene Suppenküche mitnehmen wollte; bei der Gelegenheit hätten wir dann auch mit ihm zusammen zu Abend essen wollen. Suse hatte geplant, Hähnchenkeulen (vom Foodsaving im Biomarkt) mit Polenta und italienischer Gemüsepfanne aufzutischen. Dann sagte unser Priester-Freund uns jedoch ab, weil er krank war; die Hähnchenkeulen hätten wir zwar theoretisch auch ohne ihn essen können, aber die bereits ein paar Tage zuvor vorbereitete Polenta (die nur noch portionsweise in der Pfanne hätte angebraten werden sollen) war angeschimmelt. Davon abgesehen konnte Suse ihrerseits den Lebensmittelrettungs-Termin in der Bäckerei nicht absagen, womit sich nun die Frage stellte: Wohin mit den ganzen Broten und Brötchen?
Für diese Frage fand sich allerdings relativ leicht eine Lösung: Die Suppenküche des Franziskanerklosters Pankow arbeitet offenbar schon länger mit Foodsharing zusammen, und auf dem Hof der Niederlassung gibt es eine Kiste (mit Zahlenschloss!), in der man rund um die Uhr Lebensmittelspenden deponieren kann. Also teilten wir uns die Arbeit: Suse holte die Backwaren in der Bäckerei ab, und ich brachte den Großteil davon (vier handelsüblich große Einkaufstüten voll mit Brotlaiben und Brötchen) zum Franziskanerkloster. Für uns selbst behielten wir nur einige belegte Baguettes, von denen wir die am leichtesten verderblichen (z.B. mit Thunfisch und Ei) zum Abendbrot verputzten, und ein bisschen Süßgebäck für die Bahnfahrt.



Mittwoch: Mal sehen, ob wir irgendwo Sushi auftreiben können

So, und jetzt sind wir – nach einer Reise, auf der so ziemlich alles schief gegangen ist, was schiefgehen konnte (Details vielleicht ein andermal, aber vielleicht auch lieber nicht...) – in Augsburg, wo morgen die MEHR 2018 beginnt. Und haben Hunger, während zu Hause ein gut gefüllter Gefrierschrank vor sich hin träumt. Das Hotel, in dem wir einquartiert sind, scheint kein Restaurant im eigentlichen Sinne des Wortes zu haben, außerdem schläft das Baby gerade – ein Zustand, den wir nicht aufs Spiel setzen möchten. Also muss sich wohl einer von uns nach draußen wagen und irgendwo in der Nähe ein einigermaßen passables Essen zum Mitnehmen besorgen…



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