Mittwoch, 16. September 2015

Die Lizenz zum Löten...

... erwirbt man nach einer metall- oder elektrotechnischen Ausbildung.

Aber Moment mal! Was genau soll diese Information auf einem katholischen Blog?

Das ham wa gleich:
Klar.
Das war ja unvermeidlich.
Genauer gesagt: der Unvermeidliche.
Ich kenne Peter Janssens als Verfasser und Vertoner christlicher Lieder, die sich durch theologische Fragwürdigkeit auszeichnen. Über sein gesamtes Schaffen habe ich keinen Überblick. Und, um ehrlich zu sein: das, was ich weiß, kann mein Interesse für den Mann nicht wecken. Theologische oder sachliche Fehler, die mir in seinen Liedern aufstoßen, kommentiere ich dennoch gern.
Ist das unberechtigt? Ich weiß nicht. Doch bei manchen Sachen finde ich einfach, dass man das nicht so stehen lassen kann.
Man beachte, dass ich seit Lägerem begeisterte Zeugin bei der Entstehung einer blogohistorischen NGL-Evaluation bin. Dieses Lied passt natürlich in den Kessel Rotes. Es wollte aber nicht gekocht werden, deswegen hat es mein Ohr erst in Begleitung derer die mit der Gurke tanzt verwurmt.

Zunächst mal muss man sagen, dass Wieglaf Droste in der Vorrede eine congeniale Zusammefassung meiner Wahrnehmung des Schaffens von Peter Janssens' bietet. Abgesehen davon hat man noch Zeit, auszuschalten, bevor der Ohrwurm andockt.
Der geht nich wech ich sachs euch.

Je länger der in meinem Ohr rumspukte, desto dämlicher fand ich den Text.

Ich meine, was entblödet sich der kleine Bourgeois da (ja das ist polemisch: das soll so!), die Löterin in ach so vertrautem Ton anzusingen? Ihre Arbeit sei Blödsinn? Und zwar täglich derselbe?
Aber dann trällernd rumphilosophieren: "Was hast du alles schon gelötet?" Und vom "Mehrwert deiner Arbeit" zu faseln. Der Mehrwert derselben Arbeit, die gerade eben noch mit "täglich derselbe Blödsinn" spezifiziert wurde.
Also an dem Punkt würde ich als Löterin schon mal einen Kurzschluss ins Mikrofon einbauen. Dann hat sich's mit dem Jejaule.

Ich kann's auch sachlich sagen: Bei dem Text drängt sich mir die Vermutung auf, der gute Mann singe hier von Dingen die er weder kennt noch versteht. Außerdem verärgert mich die 'das Gehalt ist zu niedrig'-Dramatik doppelt: Erstens handelt es sich um eine Unterstellung die sich leicht entlarven lässt. Zweitens nehme ich dem Peter nicht ab, dass er sich hier auf die Seite der mittellosen Malocher stellt, da er meiner Meinung nach weder das eine noch das andere war.
Zugegebenermaßen tappe ich dabei in die Falle einer Argumentation, wie sie die Eltern der Hippiegeneration wahrscheinlich verwendet hätten: "Hätten wir mit dem von euch verachteten spießigen Leben nicht das Geld erarbeitet, mit dem ihr jetzt studieren könnt, könntet ihr auch nicht singend durch die Lande ziehen."

Doch wir wollen dem armen Peterle nicht zuviel des Unrechts tun. Schließlich geht es hier um den intellektuellen  Protest gegen niedrige Löhne und miese Arbeitsbedingungen.
Wobei. 2.000 Euronen brutto passen in eine "ganz erbärmlich schmale[n] Lohntüte"?
(Ich hab das nachgesehen: Je nach Webportal wechseln die Angaben über einen durchschnittlichen Monatslohn von ca. 1200 bis 3000€.)
Ich geb's auf.
Ich werd mit dem Peter nicht grün. Nicht mal so weit, dass ich ihn versteh.
Ich weiß ja. Kiffen ist schön. Aber n bissl mehr Klarsicht hätte dem Liedermacher irgendwie gut getan.
Übrigens denke ich genau das meist bei der Begegnung mit Ultraliberalen Christen, die im 'Jesus hat nie eine Kirche gewollt'-Modus durch die Welt latschen.

...


Du kleine Löterin, Halle sechs, Platz sieben,
sag hast du mal zwei Euro für mich?
Von meinem Studium sind Schulden mir geblieben;
du bekamst Ausbildungsvergütung und ich nich!
Und du sagst mir: "Du redst Blödsinn!"
Ja, ich weiß nichts, gar nichts, von Lötzinn!

Kommentare:

  1. Natürlich ist das Lied - aus heutiger Perspektive - Nonsens. Auch die bemühte Reimerei... Heute würden wir vielleicht - mit Recht - über die Situation der Näherinnen in Bangladesh sprechen, schreiben, dichten... Trotzdem finde ich es nicht angemessen, das Lebenswerk von Peter Janssens so zu zerbrechen... Die "Löterin" ist sicher nicht alles. Vieles ist aus heutiger Sicht "Gebrauchslyrik". Manches bleibt. Und Janssens war ein engagierter Musiker und ein Mensch mit einem bemerkenswerten Engagement und Lebenslauf.

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    1. Lebenswerk zerbrechen. Dieser starke Ausdruck überrascht mich.
      Habe ich - abgesehen von meinem Kommentar zum "Intro" des Videos - etwas über sein Lebenswerk gesagt?

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  2. "congeniale Zusammefassung des Schaffens" - "was entblödet sich der kleine Bourgeois da" - "Kiffen ist schön. Aber n bissl mehr Klarsicht hätte dem Liedermacher irgendwie gut getan." usw.. Es klingt schon sehr nach "verächtlich" machen. Und mir fehlt letztlich mindestens ein Satz, der ihn etwas würdigt. "Die kleine Löterin" als Schlüssel für Peter Janssens reicht nicht. Gut, formal haben Sie nichts zu seinem Lebenswerk gesagt. Letztlich aber doch...

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    1. Ich muss hier vielleicht mal sagen, dass der Artikel nie auf Sachlichkeit angelegt war. Er ist, zugegebenermaßen, sehr scharfzüngig und polemisch. Aber genau das war der Witz an der Sache.
      Ich habe einige Sätze eingefügt, die die mir eigene Perspektive etwas konkreter bestimmen.
      Ansonsten ist zu sagen, dass man ein Lebenswerk nicht durch - egal wie missliebige - Kommentare zerstören kann. Nur, weil etwas nicht gewürdigt wird, geht es ja nicht gleich kaputt. Das muss man in einer Demokratie schon aushalten können.

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  3. Nun ja, es ist Geschmackssache. Ich habe beim bloggen einen etwas anderen Stil. Als Jugendlicher habe ich Janssens einige Male als Musiker erlebt. Er hat sicher dazu beigetragen, dass ich heute so katholisch bin und mich auch in der Kirche engagiere. Das Lied von der Löterin kannte ich nicht (bevor der Tobias mich drauf aufmerksam machte), aber der Zusammenhang sollte sicher nicht in den Arbeitsverhältnissen in Deutschland gesehen werden, sondern in fernöstlichen Fabriken der damaligen Zeit. Aber es liegt mir fern grottenschlechte Lieder aus Janssens Feder zu verteidigen. Da ist ja noch so eins "wenn das rote Meer grüne Welle hat..." Da sind manchmal Sprachbilder, nun ja... Aber Sprache hat er ja doch eher seinen Textern überlassen. Ich glaube auch, die jugendbewegte Szene in der kath. Kirche der 70er, 80er, 90er-Jahre sollte nicht unmittelbar mit irgendwelchen linksalternativen Milieus verbunden werden. Das war schon etwas komplexer und nach meiner Erinnerung durchaus ernsthaft und durchaus fromm. Das hat mit WiSiKi von heute nichts zu tun, sondern war ein Aufbruch inmitten einer - manchmal etwas langweilig und steif gewordenen Kirche. Aber das war und ist nicht alles so eindeutig, wie es manchmal dargestellt wird.

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    1. Was mich betrifft, ich mag den "unvermeidlichen" Peter Janssens ja irgendwie. Also, sagen wir: die Vorstellung von ihm, die ich anhand seiner Musik von ihm habe. In mir steckt hält auch ein kleiner Hippie, der ab und zu mal rausgelassen werden und spielen will. Vieles an seiner Musik - und an den von ihm vertonten Texten, auch wenn er die meist nicht selbst verfasst hat - ist ausgesprochen zeittypisch, das macht die Auseinandersetzung damit ja gerade so interessant. Gleichzeitig lädt es aber auch zu Kritik und, ja, auch zum Spott ein. Obige Kritik am Text der "Kleinen Löterin" finde ich inhaltlich völlig korrekt und auch in der Form legitim. Ich kann das gern noch näher ausführen, aber jetzt muss ich erst mal arbeiten...

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