Montag, 28. Dezember 2015

Doch in der Herberge war kein Platz

Der Dominikaner Pater Michael gehört wahrlich nicht zu denen, die die Weihnachtsgeschichte nur als liebliche Kulisse für einen allgemeinen Aufruf zu mehr Menschlichkeit verstehen.

Von meinen Eltern aus kann man dank S-Bahn verschiedene Kirchen gleich gut - oder schlecht - erreichen. Für meinen Liebsten und mich gab die Aussicht auf eine garantiert sinn- und gehaltvolle Predigt den Ausschlag.

Das Weihnachtsgeschehen ist eines, dass Anlass zum knieen gibt: Gott wird als Mensch geboren. Er "entäußert sich all seiner Gewalt" wie das Lied Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich! hervorhebt. Das Geheimnis dieser Stille[n] Nacht lautet: "Christ, der Retter ist da."
Deshalb soll man sich beim Sprechen des Glaubensbekenntnisses, das normalerweise nach den Lesungen erfolgt (und sozusagen die Vorraussetzung für die Fürbitten klärt), in der Weihnachtszeit an der Stelle hinknien, an der es heißt: "hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden".
So unglaublich ist das, man kann es nicht fassen. Gott, der Herrscher des Alls, der Allmächtige, wird Mensch, liegt da. In einer Krippe. Ein Baby. Vor diesem Geheimnis knieen wir nieder. Wir knieen, wissend, dass er das für uns getan hat. Gott kam zu uns Menschen, damit wir - du wie ich - zu Gott gelangen können.

Christus steht im Zentrum! Ein Bild von Corregio: Die Heilige Nacht

 Einmal fiel mir im Stundenbuch dieser Vers auf: "Er lag in der Krippe, doch seine Herrlichkeit erfüllte das All."



Es handelt sich also nicht primär um die Geschichte eines Paares auf Herbergssuche.

Als Pater Michael in seiner Predigt an den Punkt kam, zu sagen: "Etwas fällt an dieser Geschichte besonders auf; es heißt, für sie war kein Platz in der Herberge". War der Moment gekommen, an dem ich skeptisch geworden wäre, wenn die Pause nach diesem Satz noch etwas länger gedauert hätte.
Doch der Dominikaner ließ keinen bedeutungsschwangeren Moment der Stille folgen.
Statt dessen machte er darauf aufmerksam, dass es sich hier um eine bemerkenswerte Prallele zu der Stelle im Johannesevangelium handelt: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf." (Joh. 1,11).

Bevor wir anfangen, Josef und Maria als Obdachlose oder als Flüchtlinge zu imaginieren, sollten wir lernen, das Gleichnis zu lesen, das Gott uns mitteilt, indem er Maria seinen Sohn nach erfolgloser Herbergssuche in einem Stall zur Welt bringen und in eine Krippe legen lässt.
Gott will zu uns kommen, zu jedem einzelnen. Und auch, wenn wir uns ihm nicht öffnen, hört er nicht auf, nach uns zu fragen.
Die Herberge aber, die er in der Welt haben will, die einzige, die er wirklich sucht, ist unser Herz.
Dies ist auch heute aktuell und hat nichts von seiner Wichtigkeit verloren.

Wir sind es, in uns muss Platz werden, unser Herz ist der Ort, an dem wir Christus beherbergen sollen.
Nur dann kann Frieden werden. Wahrer Friede, der aus Gott kommt und uns zu barmherzigem Handeln befährigt.

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