Samstag, 11. Juli 2015

Von der Tugend zur Hartnäckigkeit

In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. 3In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! 4Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; 5trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.

Dieses Gleichnis wird im Lukasevangelium (18.1-8) eingeleitet mit den Worten, Jesus sagte ihnen ein Gleichnis, um zu zeigen, dass sie allzeit beten und darin nicht nachlassen sollten.

Wenn ich das anshe, finde ich, diese Witwe ist als eine bis zur Unvernunft mutige Person vorzustellen, ein Aspekt, auf den Jesus in dem Gleichnis nicht eingeht.
Es geht ihm um etwas anderes: Also Leute, checkt es doch endlich, dass Gott seine Auserwählten die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht verlässt. Er ist da und hilft. Unverzüglich. Also etwas mehr Mut wenn ich bitten darf!
Am Ende des Gleichnisses heißt es nämlich: "Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben finden?

Dennoch finde ich es einer ausführlicheren Betrachtung wert, wieso jetzt sowas wie Hartnäckigkeit eine christliche Tugend sein soll.
Die Hartnäckigen. Das sind doch immer die, die nerven, oder?
Und Jesus fand das gut oder was?!?

In der Tat finden sich in den Evangelien noch mehr Stellen, in denen diese Eigenschaft belohnt wird, z.B.
Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. 23Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. 24Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. 25Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! 26Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. 27Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. 28Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

 Was also verbirgt sich hinter dieser Eigenschaft?
Zunächst mal denke ich vor allem an diese gewisse Art von Skrupellosigkeit, also:
Keine Angst zu haben, den anderen zu nerven oder etwas unpassendes zu sagen.
Mein Bedürfnis ist echt, ob es passt oder nicht.
Aber auch Gottvertrauen steckt darin:
Die Fähigkeit Jesu, zu helfen, ist auch echt, ob es passt oder nicht.

Und da haben wir es schon. Dieses besondere Gottvertrauen, dass sich auch durch Ausbleiben einer positiven Antwort nicht abschütteln lässt. Das ist es, worum es Jesus geht.
Niemand hat behauptet, dass es immer leicht sei, Gott zu vertrauen.
Aber wir sollen es trotzdem, und gerade wenn es sehr schwer fällt ist es wichtig.
Ohne die Fähigkeit zu dieser Form von Vertauen; den Mut haben, auch dann Gott zu lieben und sich geliebt zu wähnen wenn es nicht nur unvernünftig, sondern wirklich vollkommen abstrus erscheint. Die brauchen wir, Die ist das, was wirklich stark macht.
Mit dem Glauben überwinden wir Mauern, heißt es ja auch.
Man bedenke, wenn keine Mauern da sind, kann man auch keinen Spruch darüber machen, dass dieselben mit Hilfe des Glaubens zu überwinden sind.
Man bedenke auch, wenn die Mauern so niedrig und bequem sind, dass wir das aus eigener Kraft schaffen, braucht man auch keinen Spruch darüber machen, dass dieselben mit Hilfe des Glaubens zu überwinden sind.

Insofern ist Hartnäckigkeit an sich vielleicht keine christliche Tugend. Aber Glaube, Vertrauen und Liebe (denn diese Dinge gehören zusammen) sind die Tugenden, aus denen auch Hartnäckigkeit erwächst.
Und für die die noch im Kursus laufen sei (zur Erleichterung oder Ermutigung) gesagt:
In jedem Fall ist frech sein an sich keine Sünde sondern kann sogar tugendfördernd sein.

Das ist der Unterschied zwischen Frechheit und Verschlagenheit: Erstere erwächst aus dem Vertrauen, dass das Gegenüber die eigenen Eskapaden wohlwollend aufnehmen wird. Und das ist schon nah dran an Glaube und Liebe.

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