Donnerstag, 19. Mai 2016

Wo Glaube Raum gewinnt...

... gewinnen wir alles. 

document pile - Urheber: Niklas Bildhauer Quelle: Wikimedia Commons


In diesem konkreten Fall die erste Bewährung unserer Beziehung, die Hilfe einer guten Freundin, das Gefühl, unmögliches bewegen zu können, die Möglichkeit von Unter- bzw. Zwischenvermietung einer Wohnung und 6 Romanfragmente.

"Ich hab Angst." Sagte mein Schatz zu mir.
Ich hatte so etwa 6 Tage gebraucht, um zu begreifen wie viele kleine und große Ängste an meiner Idee hingen.
"Wir schaffen das. Ich bin Super Woman, ich kann das," antwortete ich jetzt, am Morgen von Tag x, "ich löse sogar Probleme die es gar nicht gibt. Und Claudia kommt direkt von Anbetung, Laudes und Messe, das ist praktisch noch viel besser, als Super Woman zu sein."

Es war nicht das erste Mal, dass ich meinen Liebsten so tiefenfrustriert erlebt habe, aber es war das erste Mal, dass ich etwas mit dem Grund dafür zu tun hatte.
Ich hatte es nämlich, als ich vorschlug, wir könnten seine Wohnung herrichten und untervermieten, nicht mitbekommen, dass er nur die Idee gut fand.
Es widerstrebt einfach meiner praktischen Veranlagung, mitanzusehen, wie für eine Wohnung Miete abgeht, die sowieso nicht zum Wohnen genutzt wird.

Die Idee hatte ich schon länger, und diese auch schon mehrmals erklärt.
Alles schick, schien mir, wir schaffen die Realisierung halt nur nicht, weil man natürlich dazu neigt, Räumaktionen dieser Art auf die lange Bank zu schieben, wenn man keinen Termin hat.
Und dann.
Ja, und dann.
Dann schuf ich Termindruck, weil ich einer Arbeitskollegin von der Sache erzählte. Ich hatte ein Gespräch mitgehört in dem es darum ging, dass eine Freundin verzweifelt eine Bleibe sucht, da sie schon seit einigen Wochen in Berlin arbeitet, aber noch keine Wohnung hat. Das war's. Wenn ich da nichts gesagt hätte, ach was rede ich! Jemand hätte da vielleicht nichts sagen können, aber garantiert nicht ich!

Man rate, wer sich nicht freute, das Problem jetzt endlich mal anpacken zu können.

Schließlich einigten wir uns auf einen Termin und riefen unsere gemeinsame Freundin Claudia zu Hilfe.

Und da war sie nun also:
Die Wohnung des Schreckens.
Na ja. Wie es eben aussieht, wenn man gleichzeitig an mehreren Schreibprojekten arbeitet, sich mit Papierkram rumschlagen muss, dessen Existenz man nicht wahr haben will, zu nichts kommt, weil man ja auch noch arbeiten muss, da der Füller zwar der beste Kumpel ist, aber nicht die Miete zahlt, und einen die Leere des Raumes ansonsten auch eh nur ankotzt.
Also. Nicht so, wie es bei mir aussieht, wenn man gleichzeitig an mehreren Schreibprojekten arbeitet, sich mit Papierkram rumschlagen muss, dessen Existenz man nicht wahr haben will, zu nichts kommt, weil man ja auch noch arbeiten muss, da der Füller zwar der beste Kumpel ist, aber nicht die Miete zahlt, und einen die Leere des Raumes ansonsten auch eh nur ankotzt.
Die Männervariante davon.

Ich schickte den Mann erst mal seine Kapitalanlagen einlösen.
So viel Euro in Pfandflaschen hat auch nicht jeder. Sehr verbunden, sie zahlten unser Mittag und das Putzzeug.
Auf dem Bett legte ich sechs Stapel an für die unterschiedlichen Sorten von Papierkram, die sich so auf dem Boden fanden, während Claudia die Küchenecke auf geradezu magische Weise schick machte und sich dann von mir ins Bad schicken ließ.
 "Wir haben beschlossen: Die Aktion heißt jetzt 'wo Glaube Raum gewinnt'!" Verkündete Claudia dem Rückkehrer. "Ja," musste ich bei Gelegenheit bestätigen, "ich hab dich noch lieb."

Wir beschlossen, die Wohnung zu malern und verabredeten ein zweites Treffen zum Fortsetzen der Aktion.

Mein Liebster war sichtlich froh, vor allem seine wieder gefundenen Romane, 5 Entwürfe in Fragmenten, freuten ihn sichtlich. Ich bekam einiges Schönes daraus zu hören, was mich wiederum anregte, mal wieder die Fragmente meines angefangenen Romans hervorzukramen.

Einfach toll.
Der Mann ist perfekt für mich.
Obwohl ich kein Ordnungsfreak bin, ist er weniger ordentlich als ich, das ist wichtig für das Überleben einer Beziehung! Und er hat mehr Bücher gelesen als ich, das ist wichtig für das Überleben meiner Beziehung!
Ich liebe ihn.
Ich glaube wir sind ein tolles Paar.



Kommentare:

  1. Ihr seid ein wunderbares Paar, sage ich. Und ich kann an Euch meine unerfüllten Mutter- und Tanten-Instinkte austoben. Ich helfe Euch gerne!

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  2. Bei uns ist irgendwie genau gleich, aber auch genau entgegengesetzt. Er ist weniger ordentlich als ich, aber ich habe mehr gelesen als er.

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  3. Für mich war übrigens auch die Fortsetzung der Aktion, die ja noch nicht ganz abgeschlossen ist, erfreulich. Ich helfe Euch immer noch gern. Und nicht vergessen - im Keller sind noch Pfandflaschen.
    Für den Kuchen wird es langen.

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